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Selb macht Weg für neue Innenstadt frei

Die Firma Munitor plant Großes. Damit verändert sich die Porzellanstadt. Die Entwürfe finden Lob in allen Fraktionen. Mancher warnt vor Abhängigkeiten.



Ausgangspunkt der Selber Planungen. Aus dem ehemaligen Kaufhaus Storg sollte einmal ein Outlet-Center werden. Jetzt verändert sich die komplette Innenstadt. Mehrere Jahre haben die Planer an ihren Überlegungen gefeilt. Foto: Florian Miedl
Ausgangspunkt der Selber Planungen. Aus dem ehemaligen Kaufhaus Storg sollte einmal ein Outlet-Center werden. Jetzt verändert sich die komplette Innenstadt. Mehrere Jahre haben die Planer an ihren Überlegungen gefeilt. Foto: Florian Miedl  

Selb - Nichts weniger als eine "historische Entscheidung" hat Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch in der jüngsten Sitzung des Selber Stadtrats angekündigt. "Darüber werden unsere Kinder und Kindeskinder noch sprechen." Es ging um die Neugestaltung der Selber Kernstadt oder im Verwaltungsdeutsch: die "Aufstellung des Bebauungs- und Grünordnungsplans für das Gebiet zwischen Heine-, Lessing-, Post, Ludwig-, Burg-, Tal-, Mühl-, Bahnhof- und Marienstraße und die zugehörige Änderung des Flächennutzungsplans". Die Entscheidung für die Planung, mit der viele einschneidende Veränderungen einhergehen, fiel einstimmig, wenn auch nicht ohne Diskussion. Während der SPD die Abhängigkeit von einem einzigen Investor zu denken gibt, sehen die Aktiven Bürger die Pläne als alternativlos.

Thema Enteignung

Was passiert, wenn ein Grund- oder Immobilienbesitzer nicht an die Firma Munitor verkaufen möchte? Diese Frage kam in der Bürgersprechstunde auf. Die Angst vor Enteignung versuchte Haupt- und Rechtsamtsleiterin Nicole Abraham zu zerstreuen. "Enteignung ist das letzte Mittel und, solange ich hier bin, noch nicht vorgekommen", sagte sie. Ulrich Pötzsch ging davon aus, dass die Firma Munitor einfach um nicht zur Verfügung stehende Grundstücke herumbaue.

Der Plan, sagte Pötzsch, sei das Ergebnis vieler tausend Arbeitsstunden. Ausgangspunkt ist im Januar 2017 ein Entwurf von Investor Patrik Müller von der Firma Munitor für das Areal des ehemaligen Kaufhauses Storg gewesen. In einem städtebaulichen Wettbewerb wurden die Pläne, die schließlich das Stadtplanungsbüro Dörfler, Bamberg, ausarbeitete, optimiert. Die Planer hätten sich eine unglaubliche Arbeit gemacht, sagte Pötzsch und nannte einige Beispiele, für die enorme Recherchen nötig gewesen seien. Um etwa Marien- und Ludwigstraße gegenläufig befahrbar zu erhalten, mussten die Bedarfe aller Verkehrsteilnehmer, ob Fußgänger, Rad- oder Kfz-Fahrer, eruiert werden - aktuelle und künftige. Um genügend Platz für alle zu haben, müssen die Gebäude weiter "ins Quartier rücken", wie es der Oberbürgermeister ausdrückte. "Vor eineinhalb Jahren haben wir noch über einen Tunnel am Sparkassenplatz nachgedacht", sagte Pötzsch. Jetzt hätten die Planer eine kluge Lösung für den Verkehr gefunden. "Auch der Storg wird nicht so bleiben, wie wir ihn kennen." Laut dem Rathauschef sollen die Verkaufsflächen jedoch erhalten bleiben, denn genehmigt sind sie an dieser Stelle. Sonst sieht der Plan öffentliche Flächen, die sich vom Rathaus bis zum Factory In ziehen, Wohn-, Gewerbe- und Grünflächen vor.

 

Großes Lob für alle Beteiligten und die Pläne kamen aus allen Fraktionen. "Das macht die Stadt zukunftsfähig", stimme Rudolf Kirschneck (SPD) zu und mahnte zur Vorsicht. "Alles steht und fällt mit dem Investor." Die Stadt begebe sich in eine Abhängigkeit, mahnte er. Wie die Stadt Selb Einfluss auf die Planungen nehmen wird, erklärte Bauamtsleiter Helmut Resch. Ein städtebaulicher Vertrag regle alles Notwendige von den technischen Vorgaben bis hin zu der Fassadengestaltung. Über den erdgeschossigen Verkaufsräumen seien Flächen für Dienstleister und Wohnungen vorgesehen. Patrick Müller werde auch die öffentlichen Plätze gestalten, die aber im Eigentum der Stadt blieben, sagte Resch. "Alle Bauten sind so angelegt, dass sie nacheinander realisierbar sind und die Nutzung möglich ist", machte Helmut Resch deutlich. Eine Frage, die auch Kai Hammerschmidt umtrieb: "Was passiert, wenn dem Investor zwischendrin finanziell die Puste ausgeht?" Der städtebauliche Vertrag, sagte Resch, sehe eine Absicherung vor. Außerdem würde der Plan schrittweise umgesetzt. "Wir machen hier keine Tabula rasa." Ob die Stadt jemals den finanziellen Background des Investors überprüft habe, fragte Rudolf Kirschneck, immerhin wolle der 150 Millionen Euro in Selb investieren. "Das ist kein Misstrauen, sondern ein normaler geschäftlicher Vorgang", schob SPD-Fraktionsvorsitzender Walter Wejmelka hinterher.

"Der Investor hat Übergangslösungen für alle Mieter im Factory In geschaffen", sagte dazu Ulrich Pötzsch. Im nächsten Schritt würde der Umgriff um die Ofenhalle neu gestaltet. "Wenn er da erfolgreich ist, dann wird er den nächsten Schritt gehen", gab sich Pötzsch zuversichtlich. "Doch jetzt zu sagen, der macht‘s auf jeden Fall, das ist zu früh. Wann und ob Munitor die Pläne so realisiert, wie wir uns das wünschen, das ist nicht seriös absehbar." Es gelte, die Daumen zu drücken und den Investor nach Kräften zu unterstützen.

"Um die Finanzierung mache ich mir keine Sorgen", sagte Dr. Klaus von Stetten, der Fraktionsvorsitzende der Aktiven Bürger. "Und welche Alternativen haben wir?" Leerstand und hoher Sanierungsbedarf beherrschten die Innenstadt. Unabhängig von einem Investor sei der vorliegende Plan die Grundlage für die neue Selber Innenstadt. Abgesehen davon sei Müller seriös. Das habe er mit 15 Millionen Euro, die er schon investiert habe, bewiesen.

"Ich verstehe die Bedenken", sagte Carsten Hentschel, Fraktionsvorsitzender der CSU. "Wir offenbaren den historisch gewachsenen Teil unserer Innenstadt." Weil die Vorhaben Zug um Zug realisiert würden, sehe er jedoch keine Probleme. "Und wir können den Plan unabhängig von einem Investor umsetzen", sagte Hentschel.

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Gerd Pöhlmann

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Veröffentlicht am:
31. 05. 2019
16:30 Uhr

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Gerd Pöhlmann

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31. 05. 2019
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