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Selber Know-how hält Welt am Laufen

Nichts geht heutzutage ohne Halbleiter. Deren Hersteller beliefert Kyocera mit Hochleistungskeramik aus Selb. 230 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen am Standort.



Aus dem grauen Granulat in Jürgen Hollerings Hand stellt Kyocera in Selb Hochleistungskeramik unter anderem für die Halbleiterindustrie her. Der Wirtschaftsausschuss informierte sich bei einer Betriebsbesichtigung über das Unternehmen. Foto: Gerd Pöhlmann
Aus dem grauen Granulat in Jürgen Hollerings Hand stellt Kyocera in Selb Hochleistungskeramik unter anderem für die Halbleiterindustrie her. Der Wirtschaftsausschuss informierte sich bei einer Betriebsbesichtigung über das Unternehmen. Foto: Gerd Pöhlmann  

Selb - Die Selber Wirtschaft floriert. Die Unternehmen investieren in den Standort und erweitern Produktionsanlagen. Aktuell investiert die Firma Heidelberger Beton Grenzland rund 2,2 Millionen Euro in eine moderne Mischanlage und ein neues Bürogebäude am bestehenden Standort an der Weißenstädter Straße. Die Mitarbeiteranzahl wird sich von drei auf sieben erhöhen, teilte Wirtschaftsförderin Nadja Hochmuth am Donnerstagabend im Selber Wirtschaftsausschuss mit.

In ein anderes Unternehmen, das in diesem Jahr seine Produktionsräume erweitert hatte, waren die Vertreter des Wirtschaftsausschusses zu einer Besichtigung eingeladen: Kyocera Fineceramics Precision. Das Unternehmen selbst wurde 1985 als "Hutschenreuther Technische Keramik" gegründet, 2001 von H.C. Starck übernommen und gehört seit diesem Jahr zur Kyocera-Gruppe. Wie Prokurist Jürgen Hollering erläuterte, wurde das Unternehmen 1959 von Kazuo Inamori in Kyoto mit 28 Mitarbeitern gegründet. Mittlerweile stehen mehr als 77 000 Menschen bei der Aktiengesellschaft in Lohn und Brot. In Deutschland sei Kyocera vor allem für seine Drucker bekannt, sagte Hollering. Doch "Document Solutions" sei nur eine von vielen Branchen, in denen das Unternehmen tätig sei. Der Konzern stellt laut Hollering unter anderem Solarenergie-Systeme her, Displays für Pkw, medizinische Produkte, optische Komponenten und Frequenzumrichter. "Kyocera ist riesengroß", brachte es Hollering auf den Punkt. Die 280 Konzernunternehmen peilen in diesem Jahr einen Umsatz von 13 Milliarden Euro an. Das Unternehmen produziere hauptsächlich in Japan, auch in den USA und China. Selb sei der erste Standort in Europa gewesen. Mittlerweile sei ein zweiter in Mannheim dazugekommen, sagte der Prokurist.

In Selb arbeiten rund 230 Menschen in fünf Sparten: Halbleiter, Keramikteile, Gießereiteile, Dentalprodukte und Pulver. Nach Hollerings Angaben wächst der Halbleiterbereich am stärksten und hält einen Anteil von gut 40 Prozent am Selber Umsatz.

Hollering sprach von einer "großen Fertigungstiefe" am Standort Selb. Was das bedeutet, erfuhren die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses beim Rundgang mit Infrastrukturmanager Udo Rausch. Schon die Materialaufbereitung findet in den Selber Produktionshallen statt. Die Rohstoffe wie Siliciumcarbid bekommt Kyocera als Granulat geliefert. Sie werden gemahlen bis zu einer Korngröße von einem Mikrometer, ein tausendstel Millimeter, gepresst, verdichtet, in Form gebracht, gesintert und nach der Endbearbeitung nochmals kontrolliert. "Wir erneuern unseren Maschinenpark kontinuierlich", sagte Rausch. Kyocera kann in der neuen Halle in Selb monolithische, also aus einem Stück bestehende Großbauteile aus Hochleistungskeramik herstellen. Die fräsen Spezialisten in einem hochtechnisierten Prozess aus großen Blöcken technischer Keramik heraus - das kann bis zu 48 Stunden dauern. Abnehmer ist vor allem die Halbleiterindustrie. Die Technische Keramik ist unempfindlich gegenüber Temperaturwechseln, Chemikalien oder Ionenstrahlung. Auch Teile für die Luft- und Raumfahrttechnik, chemische Industrie, Medizintechnik oder den Maschinen- und Anlagenbau verlassen die Selber Produktionsanlagen. Ob man nun Auto fahre oder telefoniere, Know-how von Kyocera aus Selb stecke überall drin, erklärten Hollering und Rausch.

Fachkräfte zu finden, sei "einfach nur schwer", machte Jürgen Hollering auf Nachfrage von Matthias Häußer deutlich. "Wir würden vom Fleck weg zehn CNC-Facharbeiter einstellen", sagte der Prokurist. Über zusätzliche Automatisierung den Fachkräftemangel abzufedern sei in diesem Fall nicht machbar. "Das ist Manufakturarbeit. Die Teile durchlaufen viele Hände." Nach Kontakten zum Europäischen Zentrum für Dispersionstechnologien (EZD) in Selb erkundigte sich Carsten Hentschel. Die seien über Umwege, etwa die Rohstoffmühlen, vorhanden, sagte Jürgen Hollering, aber nicht im Sinne von Materialneuentwicklungen.

Jürgen Hollering und Udo Rausch lobten die kurzen Wege in Selb. Genehmigungen seien schnell zu bekommen und die Zusammenarbeit mit der Verwaltung sei bestens. Im Gegenzug versprach Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch für die Stadtverwaltung, weiterhin den Unternehmen als Dienstleister zur Seite zu stehen. "Expansionsideen werden wir zu 100 Prozent unterstützen", sagte er. Dass das möglicherweise gar nicht so lange dauern wird, ließ Jürgen Hollering durchblicken. Eine Bedingung für den Verkauf an Kyocera sei der Erwerb des nördlich an die Produktionsanlagen grenzenden Grundstücks gewesen. Einer erneuten Erweiterung steht somit nichts im Weg. "Wir bauen gefühlt immer an", sagte Jürgen Hollering.

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Gerd Pöhlmann

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Veröffentlicht am:
22. 11. 2019
16:42 Uhr

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Gerd Pöhlmann

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22. 11. 2019
16:42 Uhr



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