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Wirtschaft

"Angst macht sich breit"

Bosch hat einen Abbau des Personals angekündigt. Auch bei den Mitarbeitern in Bamberg herrscht Auf- regung, klagt Betriebsratschef und Aufsichtsrats- mitglied Mario Gutmann.



Bereits im April demonstrierten Bamberger Bosch-Mitarbeiter und warnten vor einem abrupten Umbruch in ihrer Branche. Die Führung des Autozulieferers hat einen Stellenabbau angekündigt und damit Verunsicherung in der Belegschaft ausgelöst. Archivfoto: Nicolas Armer/dpa
Bereits im April demonstrierten Bamberger Bosch-Mitarbeiter und warnten vor einem abrupten Umbruch in ihrer Branche. Die Führung des Autozulieferers hat einen Stellenabbau angekündigt und damit Verunsicherung in der Belegschaft ausgelöst. Archivfoto: Nicolas Armer/dpa  

Herr Gutmann, Bosch-Chef Volkmar Denner hat einen verschärften Jobabbau angekündigt. Was bedeutet das für das Werk Bamberg mit seinen weit über 7000 Beschäftigten?

Seit Beginn der Dieselkrise werden die bestehenden Fluktuationen im Bamberger Werk nicht mehr nachbesetzt. In Zahlen bedeutet das eine Reduzierung um 200 bis 250 Arbeitsplätze pro Jahr und damit ein Sterben auf Raten. Hinzu kommen jetzt weitere 300 Aufhebungsverträge auf gegenseitiger Freiwilligkeit für das Jahr 2019.

 

Die Lage hat sich noch einmal verschlechtert?

Ja, deutlich, da es Bamberg doppelt trifft. Aktuell haben wir rund tausend Kolleginnen und Kollegen, die nicht über Aufträge beschäftigt werden können. Bamberg fertigt nicht nur Diesel, sondern auch Benzin-Komponenten, beide sind bei den Auftragszahlen rückläufig. Das prognostizierte Wachstum von Fahrzeugen wird nicht erreicht, der chinesische Markt ist deutlich eingebrochen, die weltweite Konjunktur schwächelt. Weitere Einflüsse sind: Handelskrieg China und Amerika, der Brexit, die einseitige Transformation in Richtung Elektrifizierung, Marktsättigung.

 

Welches Konzept verfolgt Bamberg, um Standort und Beschäftigung zu sichern?

Durch Öffentlichkeitsarbeit - also sichtbar machen, was auf uns zukommt - die Politik in die Verantwortung nehmen, um in Richtung Technologieoffenheit zu gehen. Die anstehenden Veränderungen der Transformation brauchen Zeit, die wir einfordern müssen. Wir brauchen neue Erzeugnisse, um die Beschäftigung in Bamberg zu sichern und sind mit den Verantwortlichen auf der Firmenseite im engen Austausch.

 

Was noch?

Insourcing bestehender Aufträge und Aufgaben, um unsere Beschäftigung abzusichern. Reduzierung der bestehenden Zeitkonten durch Schließschichten. 160 Schließschichten hatten wir im Jahr 2018, 2019 waren es bereits 180 - und es geht weiter. Wenn die Zeitkonten aufgebraucht sind, stehen Maßnahmen wie Arbeitszeitabsenkung oder Kurzarbeit an.

 

Michelin in Hallstadt hat auch Probleme. Könnte es eine Zusammenarbeit bei neuen Projekten geben?

Das kann ich mir nicht vorstellen, da Bosch als führender Zulieferer im Antriebsstrang einen anderen Schwerpunkt hat als Michelin in der Reifenfertigung. Hier muss jeder für sich die anstehenden Herausforderungen angehen und Lösungen erarbeiten. Die ganze Region, nicht nur Bosch und Michelin, hat ein großes Problem. Auch Brose, Schaeffler, Wieland und andere sind massiv betroffen.

 

Wie ist die Stimmung in der Belegschaft?

Angespannt und deutlich verunsichert bis hin zu Existenzängsten. Eine ähnliche oder vergleichbare Situation hat es in der 80-jährigen Geschichte von Bosch Bamberg noch nie gegeben. Entsprechend ist die Verunsicherung in allen Hierarchien spürbar, und Angst macht sich breit.

 

Wie weit ist man beim Projekt Brennstoffzelle?

Zum einen müssen wir die Technik beherrschen und Industrialisieren. Wenn das ein Werk bei Bosch kann, dann Bamberg, da mache ich mir keine Sorgen. Um der Brennstoffzelle eine realistische Chance als Technologie im Antriebsstrang zu geben, benötigen wir, wie eingangs beschrieben, Technologieoffenheit und Unterstützung seitens der Regierung in Richtung Förderung. Dann hat die Brennstoffzelle eine Zukunft.

 

 

 
Autor

Roland Töpfer
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
08. 08. 2019
19:22 Uhr

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Roland Töpfer

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08. 08. 2019
19:22 Uhr



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