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Fußballfest mit Rasentechnik von Rehau

Der Polymerspezialist hat acht von zwölf WM-Stadien mit einer Rasenheizung ausgestattet. Auch das Luschniki-Stadion in Moskau, in dem das Finale stattfinden wird.



Am Sonntag treffen Frankreich und Kroatien im Luschniki-Stadion im Finale aufeinander. Unter dem Grün sorgt eine Rasenheizung für optimale Spielbedingungen. Ruslan Tjumenev aus der Moskauer Rehau-Verwaltung zeigt eines der Kunststoff-Rohre, die Kernbestandteil des Systems sind.	Fotos: Rehau, Yevgeny Kondakov
Am Sonntag treffen Frankreich und Kroatien im Luschniki-Stadion im Finale aufeinander. Unter dem Grün sorgt eine Rasenheizung für optimale Spielbedingungen. Ruslan Tjumenev aus der Moskauer Rehau-Verwaltung zeigt eines der Kunststoff-Rohre, die Kernbestandteil des Systems sind. Fotos: Rehau, Yevgeny Kondakov  

Erlangen/Rehau/Moskau - Wenn am morgigen Sonntag die Nationalmannschaften aus Frankreich und Kroatien im Moskauer Luschniki-Stadion aufeinandertreffen, stehen sie auf einem Rasen, an dem auch Technik des Polymerspezialisten Rehau ihren Anteil hat. Auf insgesamt 64 000 Quadratmetern sind in acht der zwölf WM-Stadien Russlands knapp unterhalb der Graswurzel Rohre eines Rautherm genannten Systems installiert, auch im Finalstadion.

Bereits seit 1996 stattet das Unternehmen weltweit Stadien mit Rasenheizungen aus, wie Thorsten Wiggenhagen, Teamleiter im Bereich Flächenheizung- und -kühlung, sagt. Anfangs habe Rehau noch "geübt", sagt er; mit Stadien in Usbekistan, Tschechien und Österreich etwa. 1998 kam dann das erste Stadion in Deutschland an die Reihe.

Einen gewissen Anteil am Durchbruch der Heizungen hatte auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB), erklärt Wiggenhagen. Denn in der Bundesligasaison 1996/1997 seien im Winter einige Spiele wegen Frostes ausgefallen. Daraufhin habe der DFB entschieden, alle Bundesligastadien mit einer Rasenheizung auszustatten. Einige hatten zwar bereits eine - das Münchner Olympiastadion war 1972 die erste deutsche Spielstätte mit einer derartigen Ausstattung - doch der Aufschwung begann später. Seit 1998 ist auch Wiggenhagen bei Rehau für den Bereich Rasenheizungen zuständig. Mittlerweile hat Rehau 339 Stadien und Trainingsplätze auf der ganzen Welt mit dem System ausgestattet. Höhepunkte der Arbeit sei auf jeden Fall die WM 2006 in Deutschland gewesen. Rehau habe damals sowohl die Rasenheizung in der Münchner Allianz-Arena als auch die im Berliner Olympiastadion installiert, in dem das Finale ausgetragen wurde. "Da war ich unheimlich stolz darauf", sagt Wiggenhagen.

Doch wozu müssen Rasen überhaupt beheizt werden? "Auf jeden Fall nicht, um die Spieler zu wärmen", scherzt Wiggenhagen. "Es geht darum, den Boden frostfrei und wasserdurchlässig zu halten." Wenn Fußballer auf gefrorenem Boden spielen, würde das den Rasen kaputtmachen. Und auch die Spieler hätten durch den harten Grund ein höheres Verletzungsrisiko.

Darüber hinaus habe eine Heizung einen weiteren Vorteil. Bei entsprechender Bewässerung würde das Gras auch im Winter wachsen. Natürlich nur, wenn die Stadionbetreiber auch durchgängig heizen, was längst nicht jeder mache, wie Wiggenhagen sagt. Die Regel sei, dass im Winter am Donnerstag vor dem Spiel angefangen werde, den Rasen zu erwärmen. Pünktlich zum Spiel habe der dann optimale Eigenschaften.

Eigentlich sei eine Rasenheizung mit einer Fußbodenheizung im normalen Haushalt vergleichbar, beschreibt der Rehau-Experte die Funktionsweise des Systems. Durch Rohre knapp unterhalb der Graswurzeln fließt eine wärmeleitende Flüssigkeit wie Glykol. "Nur dass es zu Hause vielleicht um eine Fläche von 150 und im Fußballstadion von 8000 Quadratmetern geht", sagt der Rehau-Mann. In Häusern ist es durchaus möglich, mithilfe der Rohre das Gebäude auch zu kühlen. Eigentlich sei das auch für Fußballstadien denkbar. "Bloß das macht aktuell noch niemand", sagt Wiggenhagen. Im Vorfeld der WM in Katar 2022 habe Rehau den Gedanken schon einmal ins Spiel gebracht, die Rasenheizungen als Kühlungen zu benutzen. Doch durch die Verlegung in den Winter sei diese Idee obsolet geworden. Außerdem gebe es einen weiteren kritischen Faktor: die nötige Kältemenge. "Kaum jemand will sich heute so eine große Kälteanlage anschaffen." Dann bringt Wiggenhagen im Gespräch aber trotzdem noch einen möglichen Kandidaten ins Spiel: eine gerade erst installierte Anlage in Monaco.

In Russland brauchte es während der WM aber weder eine Rasenheizung noch eine -kühlung. Obwohl zwischen den verschiedenen Stadien schon erhebliche klimatische Unterschiede bestehen.

Mit dem System sei Rehau fast auf der ganzen Welt vertreten. Die Rasenheizungen unterschieden sich dabei von Land zu Land kaum. Einzig, wenn es extrem kalt werden sollte, verlegen die Fachleute seines Teams die Rohre in einem geringeren Abstand, beschreibt er die Aufgaben im Fachbereich. Sogar in der Türkei gebe es Stadien mit Rasenheizung. "Ich habe auch erst gestutzt, als unsere Leute vor Ort das ins Spiel gebracht haben", sagt er. "Aber auch dort gibt es im Winter einige Wochen, in denen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen können." Die Türken seien so fußballbegeistert, dass sie sich einen Spielausfall nicht leisten wollen und deshalb eine entsprechende Heizung einbauten, erklärt Wiggenhagen.

Und nun also der Großauftrag in Russland. "Das ist schon ein Prestigeprojekt", sagt Wiggenhagen. "Die Russen haben für diese WM viel investiert und wollen alles tipptopp haben." Der Bau der Rasenheizungen sei 2015 in eine schwierige Zeit der Beziehungen zu Russland gefallen, schildert Wiggenhagen. Die Zusammenarbeit habe dennoch erstaunlich gut funktioniert. "Beim Sport halten alle zusammen", weiß Wiggenhagen.

Und wer wird am Ende der Weltmeisterschaft im Finale siegreich vom Rasen gehen? "Ich glaube zwar, dass es Frankreich sein wird", sagt Wiggenhagen. "Ich würde mich aber über Kroatien freuen. Das wäre mal eine Nation, die man nicht auf dem Schirm hatte."

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Christopher Michael

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Veröffentlicht am:
13. 07. 2018
19:52 Uhr

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