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Wirtschaft

Oberfrankens Metall- und Elektroindustrie befürchtet Stellenabbau

Die Lage vieler oberfränkischer Metall- und Elektrobetriebe hat sich verschlechtert. Im Hinblick auf die Tarifrunde mahnen die Arbeitgeber die Gewerkschaft zur Mäßigung. Die IG Metall hingegen sieht eine Delle, aber keine Krise.



Werkzeugmaschinenbauer
Keine guten Aussichten für die oberfränkische Metall- und Elektroindustrie: Zu diesem Ergebnis kommen die bayerischen Verbände.   Foto: Bernd Thissen

Oberfranken - Die Stimmung in der oberfränkischen Metall- und Elektroindustrie (M+E) ist so schlecht wie seit zehn Jahren nicht mehr. Das geht aus der am Montag in Coburg vorgelegten turnusmäßigen Konjunkturumfrage der Unternehmerverbände Bayme/VBM hervor. "Wir befinden uns in der Rezession. Die Realität hat viele Optimisten eingeholt", skizzierte der oberfränkische Regionalvorsitzende Thomas Kaeser die aktuelle Situation.

Nach Bayme-Angaben ist die Produktion in Bayern seit sechs Quartalen rückläufig. In den vergangenen neun Monaten war Kaeser zufolge der Einbruch vor allem bei den Automobilzulieferern (minus 16 Prozent) besonders eklatant. Auch der Maschinenbau leide unter dem rückläufigen Exportgeschäft. "Unsere Umfrage unter den oberfränkischen Unternehmen bestätigt dieses Bild und zeigt, dass es sich nicht um ein Strohfeuer handelt", sagte Kaeser. Ihm zufolge ist vorerst keine Besserung in Sicht. Jede fünfte Firma werde in diesem Jahr voraussichtlich Verluste schreiben, jede achte vermutlich nicht über die schwarze Null hinauskommen.

Besonders kritisch falle das Ergebnis zu den Beschäftigungsplänen der oberfränkischen Unternehmen aus. Der vor zwölf Monaten begonnene Personalabbau werde sich verstärkt fortsetzen. Nach 20 Prozent im Juli 2019 wollen aktuell über 65 Prozent der Betriebe Stellen streichen. "Nach dem Allzeithoch mit 61 000 Beschäftigten Ende 2019 prognostizieren wir im Jahresverlauf einen Abbau auf 60 000", sagte der Regionalvorsitzende.

Rückläufige Produktionszahlen, Stellenabbau sowie Kurzarbeit bei Herstellern und Zulieferern: Angesichts der schwächelnden Konjunktur warnen die oberfränkischen Metall-Arbeitgeber in der anstehenden Tarifrunde vor überzogenen Lohnforderungen. "Die Zeit des Verteilens ist vorbei", mahnte Kaeser die IG Metall zur Zurückhaltung. Die Situation erfordere moderate Lohnsteigerungen, die betrieblich angepasst werden könnten. Forderung der Arbeitgeber sei eine zeitlich begrenzte Tarif-Differenzierung für Firmen, denen es besonders schlecht gehe. Kaeser: "Das muss im Interesse aller sein, denn sonst droht ein massiver Austritt aus der Tarifbindung."

Volker Seidel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostoberfranken, sagte am Montag unserer Zeitung, es gebe zwar eine Konjunkturdelle. "Aber wir haben keine Krise." Er und sein Coburger Amtskollege Jürgen Apfel sehen neben einer Entgelterhöhung die Beschäftigungssicherung als wichtiges Ziel an.

Der bayerische IG-Metall-Chef Johann Horn hatte in der vergangenen Woche gesagt: "Die Unternehmen erwirtschaften mit ihren Beschäftigten weiterhin gute Renditen. Es gibt also keinen Grund für eine Lohnzurückhaltung." Eine konkrete Forderung nannte die IG Metall Bayern noch nicht. Diese will die bayerische Tarifkommission am 20. Februar festlegen. Der IG-etall-Vorstand beschließt dann am 26. Februar die endgültige Forderung. Der gültige Entgelt-Tarifvertrag läuft am 31. März aus.

 

Lesen Sie dazu auch: Schlüsselindustrie steckt in der Rezession

Veröffentlicht am:
20. 01. 2020
12:17 Uhr

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Autor

Christoph Scheppe

Matthias Will

Kontakt zu den Autoren

Veröffentlicht am:
20. 01. 2020
12:17 Uhr



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