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Wunsiedel

Frühe Zeugnisse einer selbstbewussten Wirtschaftsregion

Die Ochsenkopfgläser im Fichtelgebirgsmuseum sind ein Heimatschatz. Beim Kulturcafé erläutert Sabine Zehentmeier-Lang ihre Geschichte.



Das "Adam und Eva"-Glas von 1699 (links) und ein Ochsenkopfhumpen von 1768 sind in Wunsiedel zu bewundern. Foto: Fichtelgebirgsmuseum
Das "Adam und Eva"-Glas von 1699 (links) und ein Ochsenkopfhumpen von 1768 sind in Wunsiedel zu bewundern. Foto: Fichtelgebirgsmuseum  

Wunsiedel - Bereits im Frühmittelalter wurden im Fichtelgebirge Glasknöpfe und Hohlgläser hergestellt. Natürliche Vorkommen an Proterobas (Grünstein) und die ausgedehnten Wälder, die Holz zur Bereitung der Pottasche und als Brennmaterial lieferten, boten gute Bedingungen für die Ansiedlung von Glashütten. Dieses Thema hat die Leiterin des Fichtelgebirgsmuseums Wunsiedel, Dr. Sabine Zehentmeier-Lang, am Mittwoch in den Mittelpunkt ihres Rundgangs in der Reihe Kulturcafé gestellt.

Ein einzigartiges Produkt der fränkischen Glasmacher stellen demnach die sogenannten Ochsenkopfgläser dar, die seit dem späten 17. Jahrhundert insbesondere in Bischofsgrün gefertigt wurden. Sie sind mit reicher Email-Malerei verziert. Solche Gläser finden sich in allen bedeutenden Museen weltweit.

In zeitgenössischen Beschreibungen wird das Fichtelgebirge mit dem irdischen Paradies gleichgesetzt und beschrieben als "Stütze der Wolken des Himmels", "Fürst der Berge", "König der Wälder", "Wirt und Speisemeister der Tiere und Vögel", "Schatzkammer des hochschätzbaren Metalls und Edelsteins", "unüberwindliche Festung" und "Urquelle vier schiffreicher Flüsse".

Dem literarischen Motiv entsprach die bildliche Umsetzung: Auf den Gläsern ist der Ochsenkopf, der lange Zeit als der höchste Berg des Fichtelgebirges galt, stellvertretend für die gesamte Gebirgsregion abgebildet. Er ist als dicht bewaldeter Gipfel mit einem Ochsenkopf auf dem Bergplateau dargestellt. Die vereinzelt zwischen den Bäumen hervorschauenden Tierköpfe verweisen auf den Wildreichtum. Symbol für die im Berg eingeschlossenen sagenhaften wie auch tatsächlich vorhandenen Bodenschätze ist die goldene Kette mit Schloss. Die von Bäumen umstandenen Gebäude auf dem Bergrücken symbolisieren den Frieden in der Region, die auf Grund der Unwegsamkeit des Geländes von Kriegswirren weitgehend verschont blieb.

In Anlehnung an die vier Paradiesströme gewinnt der Ochsenkopf, wieder stellvertretend für das Fichtelgebirge, auch als Ursprung der vier Flüsse Main, Eger, Naab und Saale Bedeutung, die als Handelswege für das wirtschaftliche Wohlergehen grundlegend waren.

Die Zweckbestimmung der zahlreich erhaltenen Gläser ist Zehentmeier-Lang zufolge unklar. Einzelne Inschriften deuten auf den Gebrauch als Willkomm für den Begrüßungstrunk. Jedenfalls äußert sich in den Gläsern das Selbstbewusstsein einer Bevölkerung, deren Region durch ihre zentrale Lage, ihren außerordentlichen Reichtum an Bodenschätzen und ihre guten Verkehrsverbindungen gekennzeichnet war.

Schon im späten 17. Jahrhundert begegnet man in den Aufschriften der Gläser der Bezeichnung "Obern Francken". Die ursprüngliche Benennung der hohenzollerschen Territorien als "Lande zu Franken" (Ansbacher Gebiet) und "ob dem Gebirg" (Bayreuther Gebiet) mag im Zuge der Einteilung des Fränkischen Reichskreises zur namentlichen Angleichung der Bergregion als "Oberfranken" geführt haben, standen doch beide Gebiete unter der Herrschaft derselben Dynastie.

Das Fichtelgebirgsmuseum in Wunsiedel besitzt fünfzehn dieser herausragenden kunsthandwerklichen Meisterstücke der Glasmacherzunft. Das älteste stammt aus dem Jahr 1647 und wird als Behem- oder Beheim-Humpen im Inventar geführt. Dieser "Willkomm" und vierzehn weitere Humpen, Becher, Flaschen und Krüge sind im Rahmen einer kleinen Präsentation im Sonderausstellungsbereich bis zum 10. November zu sehen.

Der Ochsenkopfhumpen des Museums aus dem Jahr 1699 wurde 2018 als einer von hundert Heimatschätzen Bayerns ausgewählt.

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Veröffentlicht am:
26. 09. 2019
17:14 Uhr

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26. 09. 2019
17:14 Uhr



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