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Wunsiedel

Wunsiedel setzt Zeichen für Menschlichkeit

Mit ökumenischen Friedensandachten haben am Samstag die Aktionen von "Wunsiedel ist bunt" begonnen.



Proteste in Wunsiedel Wunsiedel
  Foto: Florian Miedl

Wunsiedel – Bürgermeister Karl-Willi Beck hat es auf den Punkt gebracht: „Wir wollen diese Leute nicht in unserer Stadt! Wir wollen keine Rechtsextremisten und Neonazis!“ Und weil das so ist, haben am Samstag mehr als 300 Menschen ein Zeichen für Menschlichkeit gesetzt und friedlich ihren demokratischen Widerstand gegen die Rechtsextremen zum Ausdruck gebracht. Die Bürger versammelten sich in der Innenstadt, um die Straße nicht den Rechten zu überlassen. Die hatten zum „Heldengedenken“ aufgerufen und sich im Norden der Kreisstadt versammelt. Nicht viele waren gefolgt. „Das sind heuer weniger“, sagte ein Wunsiedler, der die Versammlung der Rechtsextremen beobachtete. Und tatsächlich sprach die Polizei am Abend von etwa 150 Personen, die der Einladung der Partei „Der dritte Weg“ gefolgt sind – im Vorjahr waren es noch 190.

17.11.2018 - Proteste in Wunsiedel - Foto: Florian Miedl

Proteste in Wunsiedel Wunsiedel
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Ihnen standen bei den ökumenischen Friedensandachten in der Friedhofskirche und in der katholische Kirche und vor allem am Marktplatz mehrere hundert Bürger gegenüber, darunter auffallend viele junge Menschen. „Wir senden heute eine Botschaft des Lichts – nicht der Dunkelheit wie die da oben.“ Die Worte stammen vom katholischen Pfarrer Günter Vogl. Er hat sie den vielen Besuchern in der Friedhofskirche zugerufen. „Licht“ – das war das Schlüsselwort bei dieser ökumenischen Friedensandacht. „Mehr Licht wollen wir verbreiten, mehr Licht wollen wir sein“, sagte Vogl weiter. Christen seien keine Hinterwäldler, Christen seien vielmehr Menschen, die keine Ellbogen gebrauchen, um ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Der Geistliche räumte allerdings ein, dass es im normalen Leben nicht einfach sei, sich immer an diese Grundsätze zu halten. Aber für Christen gelte: „Wir wollen ausstrahlen, auf andere wirken, für andere wirken.“

Für Dekan Peter Bauer gehören Licht, Frieden und Liebe zusammen. Im Deutschen gebe es zwar eine Mehrzahl für Licht, aber keine für Frieden und Liebe. Jeder Einzelne müsse seinen Beitrag leisten. Der Friede sei vielstimmig – dazu passte der Kanon „Herr, gib uns deinen Frieden“ bestens.

Der evangelische Pfarrer Jürgen Schödel nahm in der katholischen Pfarrkirche das Thema auf. „Macht doch den zweiten Fensterladen auch auf, damit mehr Licht hereinkommt“, soll Johann Wolfgang von Goethe im Sterbebett gesagt haben. Mehr Licht wünschte Schödel auch denjenigen, die im Wunsiedler Norden „dunkelbraunen Gedanken über angebliche Helden – in Wirklichkeit waren das Mörder – zum Besten geben und mit finsteren Parolen für Gewalt, Hass, Menschenverachtung und Krieg eintreten.“

Nach den kurzen Andachten zogen durchaus beachtliche Menschengruppen von den beiden Gotteshäusern zum Marktplatz. Auf dem Weg waren zahlreiche Häuser hell beleuchtet – und die Kirchenglocken läuteten dazu imposant. Unter dem Motto „Wunsiedel ist bunt: Zeichen setzen für Menschlichkeit!“ trafen sich die Menschen in der Stadtmitte mit Kerzen ausgestattet, um den Fackeln der Neonazis ein anderes Licht entgegenzusetzen.

„Es ist unerträglich, dass auch heuer wieder Rechtsextremisten und Neonazis durch die Stadt marschieren dürfen. Unsere Stadt, unser Wunsiedel ist viel stärker als die Rechten“, sagte der Bürgermeister. Diese Botschaft gehe einmal mehr über die Stadtgrenzen hinaus. Dass dies möglich sei, liege vor allem an dem breiten Bündnis, das sich seit Jahren in der Kreisstadt formiert hat. Dafür dankte Beck dem Netzwerk „Wunsiedel ist bunt“, den Kirchen, gesellschaftlichen und politischen Organisationen und dem Luisenburg-Gymnasium. Der Bürgermeister zitierte Schriftsteller Max Frisch, der es einmal so formuliert hat: „Demokratie heißt, sich in seine eigenen Angelegenheiten einzumischen.“ Bezogen auf die Wunsiedler Aktion bedeute dies: „Immer genau dort zu intervenieren, wenn die Menschlichkeit in Gefahr gerät. Menschlichkeit hat zum Ziel einen friedvollen, gütigen, kultivierten Umgang untereinander.“ Es mache fassungslos, was gerade an Europas Außengrenzen passiere. „Getrieben von rechter Hetze baut Europa sich zu einer Festung aus. Wir in Wunsiedel treten für die Wahrung und Verwirklichung der Menschenrechte ein“, sagte der Rathauschef.

Es gelte, wachsam vor der Neuen Rechten zu sein. Dabei stehe die AfD im Mittelpunkt. Sie sei der parlamentarische Arm der Bewegung, diese Partei unterhalte enge Kontakte ins rechtsradikale Milieu, beschäftige ehemalige Neonazis – und sitzt als größte Oppositionsfraktion im Bundestag. „Ein unfassbar kalter Wind von rechts weht in unsere Demokratie hinein“, sagte Beck, der sich sehr darüber freute, dass auch in diesem Jahr wieder so viele Wunsiedler Gesicht zeigen.

„Lasst uns Nazis mit dem bekämpfen, was sie nicht haben: Humor.“ Nils Oskamp ist Comic-Künstler mit ausgeprägtem Sinn für Humor. Er hat ein Plakat gestaltet, auf dem Donald Duck als Hitler zu sehen ist. „Willkommen im teutschen Teich“, steht darauf. Dieses Plakat hatten Mitglieder des Netzwerks „Wunsiedel ist bunt“ dutzendfach entlang der Marschroute aufgestellt, die die Rechtsextremen durch Wunsiedel nahmen. Nils Oskamp ist aber auch Überlebender – seit den 80er-Jahren hat er zwei Mordanschläge von Neonazis überlebt, ist mehrfach zusammengeschlagen worden. Zwei seiner Angreifer verteidigte vor Gericht der inzwischen verstorbene rechtsextreme Rechtsanwalt Jürgen Rieger, der lange Jahre auch für die Organisation der Heß-Märsche in Wunsiedel verantwortlich war. Auch deshalb ist Nils Oskamp gerne ins Fichtelgebirge gekommen, um „Solidarität mit Wunsiedel zu zeigen“ und in Schulen Aufklärungsarbeit zu betreiben. Rund 200 Menschen sind seit dem Mauerfall von Rechtsextremen getötet worden. „Sie können nicht mehr sprechen; und viele der zahllosen Opfer rechter Gewalt trauen sich nicht mehr zu sprechen. Für sie ergreife ich heute das Wort.“

„Dass wir seit 30 Jahren auf die Straße gehen, hat etwas gebracht“, konstatierte Nanne Wienands, stellvertretende Vorsitzende der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg. „Heute ist es nur noch ein Häufchen, das an einen ominösen dritten Weg glaubt“, sagte sie in Anspielung auf die Organisatoren des rechtsextremen Marsches. Sie reichte aussteigewilligen Neonazis die Hand: „Ihr seid nicht alleine, es gibt Hilfe, wenn ihr ein anderes Leben leben wollt.“

Wie bunt Wunsiedel ist, machten die vielen farbigen Luftballons deutlich, die vom Marktplatz in den Abendhimmel stiegen. In diesem Moment konnte auch die Polizei, die erneut mit einem starken Aufgebot vor Ort war, allmählich wieder abrücken. Ein Sprecher zog am Samstagabend schließlich dieses Fazit: „Mehrere hundert Einsatzkräfte aus Oberfranken sowie zahlreiche Einsatzeinheiten der Bayerischen Bereitschaftspolizei haben für einen störungsfreien Verlauf der Versammlungen gesorgt.“

Kommentar

Von Matthias Vieweger

Diese Wunsiedler machen stolz. Auch wenn viele Bürger von den Aufmärschen der Rechten die Nase voll haben, auch wenn Menschen im Norden für einen Tag von der Polizei regelrecht umzingelt sind, auch wenn es Jahr für Jahre bitterkalt ist – Wunsiedler zeigen Flagge. Sie kommen zum Marktplatz, um auf friedliche Art und Weise ihren Protest zu zeigen, dass jedes Jahr am Tag vor dem Volkstrauertag ein sogenanntes „Heldengedenken“ genehmigt wird. Viele Menschen können über diese Entscheidung nur den Kopf schütteln. Bürgermeister Karl-Willi Beck drückte sich noch drastischer aus: „Was hier bei uns passiert, ist nahe am Rechtsterrorismus.“ Aber es gibt auch Hoffnung: In diesem Jahr waren doppelt so viele Menschen am Marktplatz als Rechtsextremisten in der Stadt. So kann und soll es weitergehen. Vielleicht verlieren die Neonazis dann endlich einmal die Lust, in die „Märtyrerstadt Wunsiedel“ – welch ein Ausdruck! – zu kommen. Egal wie: Wunsiedler werden immer da sein, um gegen Rechtsextreme und Nazis zu protestieren. Friedlich.

Autor

Von Matthias Vieweger und Tamara Pohl
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
17. 11. 2018
17:48 Uhr

Aktualisiert am:
18. 11. 2018
17:52 Uhr

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Von Matthias Vieweger und Tamara Pohl

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Veröffentlicht am:
17. 11. 2018
17:48 Uhr

Aktualisiert am:
18. 11. 2018
17:52 Uhr



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