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Einer, der beide Seiten des Fußballs erlebt hat

"Die Wende war zwar eine spannende Zeit. Doch wir haben damals gar keine Zeit gehabt, uns mit dieser auseinanderzusetzen." Jens Mitzscherling hat sich zu Wort gemeldet.



Jens Mitzscherling
Jens Mitzscherling  

Hof - Die meisten kennen ihn als Fußballer beim FC Bayern Hof, für den er in den 1990er-Jahren sehr erfolgreich war. Doch der 53-jährige Sachse hat auch eine Ost-Vergangenheit. "Ich habe beide Seiten des Fußballs erlebt, den Profifußball im Osten und den Amateurfußball im Westen."

Bereits mit 19 Jahren spielte Mitzscherling für die BSG Sachsenring Zwickau in der Oberliga, der höchsten Spielklasse in der Deutschen Demokratischen Republik. "Die Sichtung und Förderung im Ostfußball war sensationell." Im Sommer 1989 wurde der damals 23-Jährige - nach dem Abstieg der Zwickauer in die Zweite DDR-Liga - zum FC Karl-Marx-Stadt delegiert. Sein Trainer: Hans Meyer. Der spätere Erfolgscoach des 1. FC Nürnberg sei ein harter Hund gewesen. Mit den Sachsen erlebt Mitzscherling seine erfolgreichste Zeit - und durfte sogar im Uefa-Cup spielen. "Fußball war unser Leben, wir haben uns keine Gedanken machen müssen." Alle Fußballer aus der DDR-Oberliga waren damals durch die Betriebssportgemeinschaften abgesichert, hatten Privilegien wie eine große Wohnung oder einen Lada als Auto.

Dann kam der Mauerfall - und das Leben der Profifußballer aus dem Osten änderte sich. "Das war schon eine verrückte Zeit", sagt der Sachse. Sein Verein FC Karl-Marx-Stadt erkannte schnell die Zeichen der Zeit und machte Nägel mit Köpfen. "Zwei, drei Wochen nach der Wende habe ich meinen ersten Lizenzvertrag unterschrieben." Doch nicht mit Beratern. Sein Trainer Hany Meyer habe ihn zum Gespräch gebeten - und fünf Minuten später sei der Vertrag schon unterschrieben gewesen.

Und die Wendezeit bescherte Mitzscherling und seinen Teamkollegen vom FC Karl-Marx-Stadt - seit Sommer 1990 Chemnitzer FC - großen Erfolg. "Wir wurden 1990 Vizemeister in der Oberliga hinter Dynamo Dresden." Leider habe sein Verein in der darauffolgenden Saison, der letzten im DDR-Fußball, den Aufstieg in der Bundesliga verpasst, sich aber für die 2. Bundesliga qualifiziert. Dort spielte er noch eine Saison für den Chemnitzer FC, ehe er sich dem Halleschen FC anschloss - und von dort aus ging es dann zum FC Bayern Hof.

Vor dem Mauerfall durfte Mitzscherling auch in den Westen reisen, spielte im Uefa-Cup mit dem FC Karl-Marx-Stadt im Oktober 1989, nur wenige Tage vor dem Mauerfall, beim FC Sion in der Schweiz. Im November 1989, nachdem die Grenzen bereits offen waren, ging es zu Juventus Turin. Sein letztes Spiel im europäischen Pokalwettbewerb fiel genau auf den letzten Tag der DDR. Am 2. Oktober 1990 verloren die Sachsen 0:2 bei Borussia Dortmund. Einen Tag später war Deutschland wiedervereint. peck

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Veröffentlicht am:
08. 11. 2019
19:48 Uhr

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08. 11. 2019
19:48 Uhr



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