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"Ich habe mich endgültig in der Weltspitze etabliert"

E-Sportler Michael Bittner hat den WM-Titel verpasst. Dennoch blickt er voller Zuversicht in die Zukunft. Der Helmbrechtser erlebt eine rasante Entwicklung.



Interview: mit Michael "MegaBit" Bittner, E-Sportler aus Helmbrechts
Interview: mit Michael "MegaBit" Bittner, E-Sportler aus Helmbrechts  

Herr Bittner, bei der Fifa-E-Sports-WM in London haben Sie in der O 2-Arena gespielt - einer der berühmtesten Hallen der Welt. Was war das für ein Gefühl?

Was ist E-Sport?

E-Sport bezeichnet den sportlichen Wettkampf zwischen Menschen mit Hilfe von Computerspielen. In Michael Bittners Fall handelt es sich um das Videospiel "Fifa 18" von Electronic Arts. Für die Spieler kommt es beim E-Sport auf eine gute Hand-Augen-Koordination an. Zudem ist eine schnelle Reaktionsgeschwindigkeit wichtig. E-Sport wird nur in wenigen Ländern (u.a. USA, Brasilien, China, Frankreich) als Sportart anerkannt. Der Deutsche Olympische Sportbund hält sich noch bedeckt.

 

Das hat sich super angefühlt. Man muss sich nur einmal anschauen, wer in dieser Arena sonst so seine Auftritte hat: Rihanna, Justin Timberlake, Britney Spears. Das sind Weltstars. Deshalb war es schon eine riesengroße Ehre, gegen die Weltbesten an diesem Ort anzutreten.

 

Waren Sie nervös?

Überraschenderweise nicht. Ich habe es genossen. Das Medieninteresse war riesig, was mich gefreut hat. Da war nicht viel Platz für Nervosität. Zudem hatte ich einen tollen Start - aus diesem Grund war schnell eine gewisse Selbstsicherheit da.

 

Für Sie war im Viertelfinale Schluss. Dort sind Sie am späteren Weltmeister Mosaad "MSDossary" Aldossary (Saudi-Arabien) gescheitert. Woran hat's gelegen?

Er ist im Spielaufbau und in der Defensive brutal stark. Deshalb wollte ich ihm auch unbedingt aus dem Weg gehen. In einem Spiel gegen ihn hat man nicht so oft den Ball, was mir einfach nicht liegt. Am Ende hat "MSDossary" verdient gewonnen - und er ist auch verdient Weltmeister geworden.

 

Wie enttäuscht sind Sie noch? Schließlich war der WM-Titel Ihr unbedingtes Ziel.

Direkt nach dem Aus war ich schon sehr enttäuscht. Da musste ich auch ein paar Tränen verdrücken. Mittlerweile überwiegt aber der Stolz, zu den besten Acht der Welt zu gehören.

 

Was machen Sie in diesen Tagen?

Ich genieße meine freie Zeit in meiner Heimat Helmbrechts. Jetzt habe ich ein bisschen Zeit für Familie und Freunde - das ist schön.

 

Schalten Sie die Spielekonsole im Moment an?

Ich habe sie nicht einmal mit nach Helmbrechts genommen. Ich brauche jetzt eine Auszeit, um wieder Kraft zu tanken. Im September kommt Fifa 19 - das neue Videospiel - raus. Dann greife ich wieder an.

 

Ihr Blick in die Zukunft - wie sieht der aus?

Ich bin voller Zuversicht. In diesem Jahr habe ich eine starke Leistung geboten und mich endgültig in der absoluten Weltspitze etabliert. Darauf lässt sich für die Zukunft aufbauen. Mein größtes Ziel bleibt der WM-Titel. Es wird aber alles andere als einfach, diesen auch tatsächlich mal zu holen. Die Konkurrenz ist groß.

 

E-Sport - und auch der Fifa-E-Sport - erlebt eine rasante Entwicklung. Wie nehmen Sie das wahr?

Wir befinden uns auf der Überholspur. Turniere werden größer, Preisgelder höher. Zudem wächst das Sponsoren- und Medieninteresse enorm. Man merkt, dass sich etwas bewegt. Es genügt ja schon ein Blick in die Bundesliga: Etwa die Hälfte aller Teams hat mittlerweile eine E-Sport-Abteilung gegründet. Einige Zweitligisten sind auch schon an Bord - ganz zu schweigen von der Entwicklung weltweit. Es gibt immer mehr Länder, in denen eine Art Bundesliga installiert wird. Ich bin gespannt, wo die Reise noch hingeht.

 

E-Sportler - das ist kein gewöhnlicher Beruf. Wie fallen die Reaktionen auf Ihre Tätigkeit aus?

Jüngere Generationen finden das, was ich da mache, sehr interessant. Bei den Älteren ist diese breite Akzeptanz noch nicht vollends da, es wird aber langsam besser. Manchmal muss ich das, was ich mache, etwas ausführlicher erklären. Dann verstehen es die Leute auch.

 

Sie müssen sich also nicht als Stubenhocker beleidigen lassen?

Im Internet ist so etwas hin und wieder zu lesen, aber das hält sich in Grenzen.

 

Sie werden den Fußball-Zweitligisten VfL Bochum Ende August verlassen. Wann können Sie uns etwas über Ihren zukünftigen Arbeitgeber verraten?

Ab dem 1. September. Vorher darf ich leider noch nichts sagen. Feststeht nur, dass ich weiterhin in Bochum wohnen werde.

 

In Bochum studieren Sie ja auch neben Ihrem Beruf. Wird das weiter der Fall sein?

Ja, so ist der Plan.

 

Wie schwierig ist es, Studium und E-Sportler-Karriere unter einen Hut zu bringen?

Das ist schon nicht immer leicht. Oft ist es sehr stressig, weil man ja viel an der Konsole sitzen muss. Es kommt darauf an, wie man sich Dinge einteilt. Ich muss klar sagen, dass man ein Studium als professioneller E-Sportler in der Regelstudienzeit kaum meistern kann. Die ein oder andere Klausur musste ich schon mal auf das nächste Semester verlegen.

 

Haben Sie schon daran gedacht, Ihr Studium abzubrechen?

Nein, auf keinen Fall. Ich habe immer gesagt, dass ich nicht nur auf ein Pferd setzen will.

 

Sie sind jetzt 20 Jahre alt. Wie lange können Sie noch in der Weltspitze mitspielen?

Ich denke, dass ich das schon noch einige Jahre kann. Gerade bin ich eigentlich im besten Alter. Die Veteranen in unserer Sportart sind Ende 20 - bis dahin habe ich noch etwas Zeit.

Das Gespräch führte Hannes Huttinger

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Veröffentlicht am:
09. 08. 2018
22:02 Uhr

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09. 08. 2018
22:02 Uhr



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