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"Sehnsucht war da, dort zu spielen"

1957 haben die Fußballer aus Lichtenberg und Lobenstein ein Interzonenspiel bestritten. Erst 32 Jahre später spielen sie wieder miteinander. Bei Schnee und Kälte genießen sie dieses besondere Ereignis.



Trafen sich nur drei Wochen nach dem Mauerfall zum Fußballspiel in Lichtenberg: Helmut Welte und Manfred Zausig vom TSV Lichtenberg sowie Helmut Anders vom damaligen BSG Elektronik Lobenstein (von links). Fotos: Marcus Schädlich
Trafen sich nur drei Wochen nach dem Mauerfall zum Fußballspiel in Lichtenberg: Helmut Welte und Manfred Zausig vom TSV Lichtenberg sowie Helmut Anders vom damaligen BSG Elektronik Lobenstein (von links). Fotos: Marcus Schädlich  

Hof - "Das war ein Erlebnis, das man nicht vergisst, auch wenn man 100 Jahre alt wird." Helmut Welte erinnert sich noch genau an den 2. Dezember 1989, als Fußballer aus Lichtenberg und Lobenstein zu einem Spiel zusammen gekommen waren. Einem besonderen. Es war das erste Aufeinandertreffen der Fußballvereine aus den Nachbarorten seit mehr als 30 Jahren. 1957 hatte es den letzten Vergleich in einem Interzonenspiel gegeben, dann kam der Mauerbau 1961, der sportliche Vergleiche zwischen Bayern und Thüringern zunichte gemacht hat. Bis zu jenem 9. November 1989, als die DDR die Grenzen öffnete - und Ost und West nach fast vier Jahrzehnten Trennung zusammenkamen.

Dritte Halbzeit

Für das Ost-West-Pärchen aus Bad Lobenstein und Lichtenberg ging es am Donnerstag noch in eine dritte Halbzeit: Helmut Welte und Helmut Anders nutzten den Abend, um noch einmal zurück an den Ort zu fahren, wo alles begann. Den Sportplatz in Lichtenberg - oder genauer: ins Sportheim. Dort trafen sie auf alte Fußball-Kollegen, die schon damals mit auf dem Platz standen. Und die Fortsetzung folgt: Am 2. Dezember - dem Jubiläumstag des Spiels - treffen sich alle Akteure von damals erneut. Allerdings nicht mehr auf dem Fußballplatz zu einem Spiel, sondern bei einer Feierstunde.

Was sich mittlerweile herausgestellt hat: Das Spiel zwischen Lichtenberg und Lobenstein war womöglich nicht das erste Spiel nach dem Mauerfall. Bereits vier Tage vorher trafen sich am 28. November Feilitzsch und Bobenneukirchen zu einem Fußballspiel. Unter Flutlicht und auf Schneeboden verloren die Gastgeber 1:4.

"Es war immer die Sehnsucht da, dort einmal Fußball zu spielen." Helmut Anders, einer der Köpfe bei der BSG Elektronik Lobenstein, konnte von der thüringischen Seite aus das Sportheim in Lichtenberg sehen. Doch sein Wunsch, hier einmal zu kicken, ging erst nach dem 9. November 1989 in Erfüllung. "Es war Begeisterung zu spüren, als wir in Lichtenberg angefragt haben." Diese besondere deutsch-deutsche Geschichte erzählten die beiden Fußballer während der Veranstaltung "Wenn der Ball die Mauer überwindet: Ost-West-Geschichte im Amateurfußball." Die, die in die Münch-Ferber-Villa gekommen war, erlebten einen kurzweiligen Abend mit vielen Einblicken in eine spannende Zeit vor 30 Jahren, die auch am Fußball nicht Halt machte. "Zwei Tage vor dem Jubiläum ist es gut, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen", sagte Tim Frohwein, Leiter des Projektes "Mikrokosmos Amateurfußball". Dieses wird von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit unterstützt. Bewusst habe man diesen Abend in die ehemalige Grenzstadt Hof verlegt. Nicht zuletzt auch, weil gerade in dieser Region rund um den Mauerfall Geschichte geschrieben wurde.

 

Zwei Protagonisten aus dieser Zeit, Helmut Welte und Helmut Anders, plauderten mit Marcus Schädlich, dem stellvertretenden Sportchef unserer Zeitung, über diese spannende Zeit. In nicht einmal drei Wochen hatten Welte und Anders dieses Fußballspiel organisiert. Das Ergebnis, ein 2:2, sei aber nicht wichtig gewesen. Vielmehr war es das Drumherum um einen der ersten deutsch-deutschen Fußballvergleiche nach dem Mauerfall, an den sich beide gerne erinnern. "Es ging ja nicht nur um den Fußball", betonte Welte. Man wollte sich kennenlernen, über Fußball und anderen Themen reden.

Rund 500 Fans boten auf dem schneebedeckten Lichtenberger Sportplatz eine schöne Kulisse an diesem kalten, sonnigen Tag, dem ersten Samstag im Dezember 1989. Und: Die Lichtenberger hatten ein tolles Programm für die Sportfreunde aus Lobenstein organisiert. "In der dritten Halbzeit haben wir dann Freundschaft geschlossen", erklärte Anders und musste lachen. Bei einer Bierverköstigung in der Sonnenbräu Lichtenberg kamen sich die Kicker aus Ost und West näher. Nicht wenige haben dann bei den neuen Freunden in Lichtenberg übernachtet, weil sie nicht mehr fahrtüchtig gewesen waren. "Diese Freundschaften gibt es noch heute", sagte Welte - und Anders nickte zustimmend.

Und noch eine Besonderheit gab es nach der Wende zwischen beiden Vereinen. Während viele Fußballer aus Ost - auch aus dem Raum Lobenstein - nach Bayern gingen und bei Vereinen aus der ehemaligen Grenzregion spielten, machten sich im Gegenzug einige Lichtenberger Kicker auf dem Weg nach Thüringen, um den jetzigen VfR Bad Lobenstein bei Vergleichen der Alten Herren zu verstärken. Das wäre sicherlich nicht passiert, wenn die Freundschaft zwischen Lichtenberg und Lobenstein 1989 nicht wieder aufgelebt worden wäre.

 

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Arndt Peckelhoff

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Veröffentlicht am:
08. 11. 2019
19:48 Uhr

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Arndt Peckelhoff

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08. 11. 2019
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