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VER Selb

"Emotionen verkaufen sich immer gut"

Thomas Schramm arbeitet seit fast einem halben Jahr als Leiter Sponsoring beim Eishockey-Oberligisten VER Selb. Er hat den Schritt von der Wirtschaft zum Sport nicht bereut.



Thomas Schramm, Leiter Sponsoring beim VER Selb, hilft auch schon mal als Stadionsprecher aus, sollte es denn nötig sein. Unterstützung erhält er dabei von seinen beiden Kindern Maximilian und Melissa.	Foto: Mario Wiedel
Thomas Schramm, Leiter Sponsoring beim VER Selb, hilft auch schon mal als Stadionsprecher aus, sollte es denn nötig sein. Unterstützung erhält er dabei von seinen beiden Kindern Maximilian und Melissa. Foto: Mario Wiedel  

Herr Schramm, bei Ihrem Amtsantritt haben Sie von einer "überaus reizvollen Kombination" gesprochen, Ihre Leidenschaft für das Eishockey mit dem Beruf verbinden zu können. Haben sich Ihre Vorstellungen erfüllt?

Mehr als das. Dass sich die Aufgaben in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Öffentlichkeitsarbeit wie in jedem anderen Unternehmen ähneln, war mir klar. Aber die Möglichkeiten, die der Sport und die Marke VER bieten, sind schon besonders beeindruckend. Diese Strahlkraft gilt es zu nutzen und weiter auszubauen.

 

Worauf lag im ersten halben Jahr Ihr Fokus?

Zunächst galt es, persönlichen Kontakt zu den Bestandssponsoren herzustellen. Wenn man sich die Struktur unserer Sponsoren ansieht, haben wir langjährige und treue Partner. Diese galt und gilt es zu pflegen, ihnen Wertschätzung entgegenzubringen und Vertrauen durch Verlässlichkeit aufzubauen. Im nächsten Schritt ging es dann bereits an die Neugewinnung von Sponsoren.

 

Wie sieht es da mit Erfolgserlebnissen aus?

Viele Bestandssponsoren haben ihr Engagement ausgeweitet, einige neue sind dazugekommen. Der VER lebt von Emotionen. Und Emotionen verkaufen sich immer gut.

 

Und wie läuft es bei der Sponsorenbindung? Springen häufig welche ab?

Sicher springt hin und wieder mal jemand ab, das ist aber tatsächlich eher die Seltenheit. Vielmehr kommen neue Partner hinzu. Aufgrund dieser Tatsache muss, wie in jedem Vertrieb, ein Hauptaugenmerk auf der Kundenbindung und -pflege liegen.

 

Sind Ihnen nur große Sponsoren, oder auch die kleineren Gönner wichtig?

Es gibt zwar kaum ein großes Unternehmen in der Region, das sich nicht beim VER Selb engagiert. Aber es gibt auch viele, viele kleinere Unternehmen, denen die gleiche Wertschätzung gebühren muss, um das Fundament auf eine breite Basis zu stellen. Die Mischung aus kleinen und größeren Unternehmen aus den verschiedensten Branchen ist im Übrigen auch eine Stärke und Besonderheit des VER mit Hinblick auf den Netzwerkgedanken.

 

Was genau meinen Sie damit?

Sicherlich haben wir auch reine Gönner als Sponsoren. Aber die meisten Unternehmen versprechen sich durch ihr Engagement beim VER natürlich einen Nutzen. Einer davon ist der Netzwerkgedanke. Beim VER wird eine Sponsorenkultur gelebt, die schon fast als freundschaftlich bezeichnet werden kann. Die Plattform Sport bietet ideale Möglichkeiten zum gemeinsamen Austausch in einer angenehmen Atmosphäre. Es wird nach Synergien gesucht. Und weil Unternehmen aus nahezu jeder Branche und Größe vertreten sind, gibt es ein enormes Potenzial, diese Synergien auch tatsächlich zu nutzen. Die Sponsorenstruktur bietet beste Voraussetzungen zum gemeinsamen Netzwerken. Die Voraussetzungen dafür schaffen wir zum Beispiel durch regelmäßige Sponsorentreffen. Das ist nur ein Vorteil neben vielen weiteren, die der VER zu bieten hat.

 

Was hat der VER denn noch zu bieten?

Neben dem Netzwerkgedanken ist es vor allem die Strahlkraft und die damit verbundene Reichweite des VER Selb in der Region und weit darüber hinaus. Der hohe Zuschauerzuspruch im Stadion, die Präsenz in den Medien sowie die unglaublichen Online-Reichweiten des Vereins: Das nutzen viele Unternehmen, um ihre Wahrnehmung und die ihrer Produkte zu stärken. Aber auch in Bezug auf die aktuelle Entwicklung am Arbeitsmarkt und der Suche nach Fachkräften gewinnt diese Wahrnehmung immer mehr an Bedeutung.

 

Sie erfahren bei Ihrer Arbeit mit neuen oder vorhandenen Sponsoren sicher auch große Unterstützung des Vorstandes.

Natürlich. Unsere Vorstandschaft hat ja unheimlich viele Kontakte zur Wirtschaft. Da bekommt man immer Tipps. Auch sonst ist die Unterstützung sehr groß. Ob direkt aus der Geschäftsstelle oder durch unsere überwältigend vielen Helfer und Ehrenamtliche, ohne die der Spielbetrieb von der Oberligamannschaft bis zum Nachwuchs überhaupt nicht funktionieren würde.

 

Sie stehen nicht so sehr in der Öffentlichkeit wie Ihr Vorgänger. Halten Sie sich gerne etwas zurück?

Ich habe kein Problem damit, in der Öffentlichkeit zu stehen oder vor ihr zu sprechen, ich mache das sogar ganz gern. In der Regel ist es mir aber lieber, im Hintergrund die Fäden zu ziehen und gute Ergebnisse sprechen zu lassen. An dieser Stelle muss im Zusammenhang mit der Öffentlichkeitsarbeit unbedingt auch unser Presseteam genannt werden. Es ist für mich persönlich eine besonders wertvolle Unterstützung.

 

Welche Aufgaben - abgesehen von der Sponsorenarbeit - fallen denn noch so an?

Die Organisation von Veranstaltungen ist noch ein großes Thema. Im Moment organisiere ich beispielsweise die Liveübertragung des Spiels gegen Landshut am Freitag im Selber Kinocenter. Wie ich finde, ein tolles Signal an die Fans und die Stadt, um die Nähe und Zusammenarbeit weiter zu stärken. Die bisherige Resonanz ist überwältigend. Wir rechnen mit einem vollen Kino.

 

Über mangelnde Beschäftigung müssen Sie also nicht klagen?

Das mit Sicherheit nicht (lacht).

 

Ihre Familie dürfte Sie dann nicht mehr so oft wie noch vor einem halben Jahr zu sehen bekommen...

Man muss gut organisiert und flexibel sein, dann ist auch das kein Problem.

 

Wie beurteilen Sie die sportliche Entwicklung des VER in der laufenden Oberligasaison?

Ich war auch in der weniger erfolgreichen Phase immer überzeugt: Wenn wir das volle Potenzial abrufen, sind wir in der Lage, nicht nur mit den stärksten Mannschaften der Liga mitzuhalten - sondern diese sogar zu schlagen. Das habe ich auch so kommuniziert. Es hat lediglich die notwendige Konstanz gefehlt. Die verletzungsbedingt notwendigen Neuverpflichtungen haben der Mannschaft dann in der Breite und der Qualität zudem noch einmal gutgetan.

 

Was, denken Sie, ist in den Playoffs drin für die Mannschaft?

Momentan läuft es bei uns. Wir sind genau zum richtigen Zeitpunkt voll da, verfolgen einen klaren Plan und erhalten dadurch die notwendige Konstanz. Eine gefährliche Mischung, mit der alles möglich sein kann.

Das Gespräch führte Andreas Pöhner

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Veröffentlicht am:
06. 02. 2019
00:00 Uhr

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