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Wunsiedel - Mit einem Schweigemarsch, einem Stationengottesdienst und einem Trauermarsch haben am Samstag an die 1000 Teilnehmer an die Opfer der KZ-Todesmärsche in Wunsiedel und an die Todesopfer rechtsextremer Gewalt in ganz Deutschland erinnert. In der Innenstadt waren ganze Straßenzüge mit 1500 Grablichtern illuminiert.
Am Tag vor dem Volkstrauertag sollten nicht die Täter, sondern die Opfer in den Mittelpunkt gestellt werden, sagte Bürgermeister Karl-Willi Beck zu den vielen Aktionen des "Wunsiedler Bündnisses gegen Rechtsextremismus". Die Organisatoren setzten damit ein ebenso eindrucksvolles wie auch deutliches Zeichen gegen den zeitgleich stattfindenden Nazi-Aufmarsch in der Egerstraße. Das Bündnis hatte sich bei seinen Aktionen sichtlich darum bemüht, den Charakter einer Gegendemonstration zu vermeiden.
Der Höhepunkt des vierstündigen Programms der Wunsiedler Bürger war am Abend ein Trauermarsch genau auf den Straßen, über die in Wunsiedel kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges die KZ-Todesmärsche von Buchenwald nach Flossenbürg geführt hatten. Damals sind 30 KZ-Häftlinge auf Wunsiedler Stadtgebiet zu Tode gekommen; sie sind hier auf dem Friedhof beerdigt. Die Wunsiedler Bürgerinitiative beleuchtete für den Trauermarsch die Straßen mit langen Lichterketten - bestehend aus 1500 Grablichtern.
Das Geschehen vom April 1945 haben der Wunsiedler Lehrer Karl Rost und ein Helferkreis in den vergangenen Monaten aufgearbeitet; sie interviewten dafür eine ganze Reihe älterer Wunsiedler, die damals Augenzeugen des Todesmarsches gewesen waren. So war es möglich, die Routen dieser Märsche in der Stadt zu rekonstruieren. Am Samstag regte Rost an, langfristig einen Weg des Gedenkens anzulegen, um so die Erinnerung an die Nazi-Verbrechen aufrecht zu erhalten.
Unmittelbar vor dem Trauermarsch wurde bei einem Gottesdienst an drei Stationen an die Opfer rechtsextremer Gewalt der jüngeren Vergangenheit erinnert (siehe Bericht am Fuß der Seite). Begonnen hatten die Aktionen des Wunsiedler Bündnisses mit einer Kundgebung auf dem Marktplatz und einem anschließenden Schweigemarsch mit mehreren hundert Teilnehmern durch die Innenstadt.
"Bei uns ist kein Platz ist für Rassismus und Ewiggestrige", betonte dabei Bürgermeister Karl-Willi Beck. "Das Antreten gegen das Vergessen bringt uns plastisch die Ergebnisse vor Augen, zu denen das Nazi-Terrorregime geführt hat." Damit könne man auch die NPD und die sonstigen Rechtsextremisten demaskieren und ihre Aktionen und Aussagen als Fortsetzung all der Geschehnisse des Dritten Reiches entlarven. Ans Licht müsse auch all das gebracht werden, für das Jürgen Rieger gekämpft habe. Beck: "Gekämpft hat er für das Verherrlichen des Nationalsozialismus des Dritten Reichs und die Glorifizierung des Kriegsverbrechers Rudolf Heß. Er hat dies getan in dem Wissen, welch verheerendes schlimmes Leid diese Ideologie für die Menschen in Europa gebracht hat."
Auch Dr. Jörg Skriebeleit, der Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, äußerte sich klar über die NPD-Anhänger: "Das sind die potenziellen Massenmörder von Morgen." Die Bedeutung des Gedenkens und der Erinnerung an die deutsche Geschichte unterstrich auch Landrat Dr. Karl Döhler: "Die Vergangenheit ragt in die Gegenwart."
An den vielen Aktionen des bürgerlichen Lagers beteiligten sich über den ganzen Tag gesehen laut Polizei an die 1000 Bürger. Parteien, Gewerkschaften, verschiedene Bündnisse gegen Rechts - zum Beispiel aus Weiden, Warmensteinach und Arzberg - und viele Politiker sorgten für ein buntes Bild.
Die Kundgebung der NPD zur Erinnerung an den toten Jürgen Rieger fand zeitgleich außerhalb des Stadtzentrums, in der Egerstraße vor der Jean-Paul-Schule, statt und lockte nach Polizeiangaben 850 Teilnehmer an.















