Oliver Zier macht sich in jungen Jahren einen guten Namen in der Schach-Szene. Der 14-jährige Wunsiedler nahm jetzt die Gelegenheit wahr, bei einem internationalen Meisterturnier in Marienbad teilzunehmen. Schon die Einladung zu einem solchen Wettbewerb ist eine Auszeichnung. Im tschechischen Kurort kamen eine Frauen-Großmeisterin, drei Internationale Meister und vier Fide-Meister zusammen. Ergänzt wurde das Feld von einem tschechischen Ausnahmetalent - und von Oliver Zier, der in seiner Altersklasse in Deutschland zu den Besten gehört.
Mit seinem Ergebnis bestätigte der Schüler vom Luisenburg-Gymnasium Wunsiedel, dass er völlig zu Recht zum erlesenen Kreis der Teilnehmer in Marienbad gehörte. Vom letzten Platz der Setzliste schnellte er auf den geteilten dritten bis fünften Platz nach vorne. Oliver gewann und verlor jeweils zwei Mal und holte fünf Remis - somit kam er auf ein ausgeglichenes Punktekonto.
Erwartungen weit übertroffen
Die Erwartungen der Beobachter - und seine eigenen - übertraf der Neuzugang des Zweitligisten TSV Bindlach-Aktionär bei weitem. Auf Grund seiner internationalen Wertungszahl (Elo) von 2101, mit der er an den Start gegangen war, rechnete er realistisch mit einem bis maximal eineinhalb Zählern. Dass es letztlich 4,5 Punkte wurden, überraschte den jungen Mann ebenso wie seine Familie mit Vater Ludwig, der auch als Trainer fungiert.
In Marienbad war jeden Tag eine von neun Runden angesetzt. Olivers Turniertage, für die er eigens schulfrei bekommen hatte, liefen immer etwa gleich ab. Um 8.30 Uhr stand er auf. Die Zeit von 10 bis 12 Uhr nützte er zur intensiven Vorbereitung auf den nächsten Gegner; dabei bediente er sich einer Datenbank, in der Hunderte Partien der Kontrahenten gespeichert sind. Um 14 Uhr fuhr die Familie Zier von Wunsiedel nach Marienbad. Nach einem 30-minütigem Spaziergang ging Oliver ruhig und konzentriert ans Brett. Gegen 20.30 Uhr folgte die Rückfahrt nach Wunsiedel. Eine kurze Analyse der Partie noch - und dann ging's zeitig ins Bett.
Mehr wert als WM-Teilnahme
Auch wenn Oliver Zier schon an Welt- und Europameisterschaften der Jugend teilgenommen hat, bei einem Simultan in Zürich gegen Garry Kasparow Remis gespielt hat - seinen größten Erfolg hat er nach eigenen Aussagen jetzt in Marienbad eingefahren. Denn er bot neun echten Meistern, die allesamt stärker eingeschätzt waren als er, Paroli und spielte das stärkste Turnier seiner noch jungen Laufbahn.
Zier ist einer von nur drei Spielern aus Oberfranken, die in den vergangenen 20 Jahren an einem derartigen "IM-Turnier" teilnehmen durften. Die anderen beiden waren Peter Meister, der zu früheren Zeiten Spitzenspieler in Hof war, und Axel Heinz, der Nachwuchsstar vom TSV Bindlach-Aktionär. Meister und Heinz haben mittlerweile bereits den Titel des Internationalen Meisters errungen. Gute Chancen, ebenfalls diesen Rang einzunehmen, besitzt Oliver Zier allemal. Allein durch den Erfolg in Marienbad verbesserte sich seine Elo-Zahl um 35 Punkte.
Die nächsten Herausforderungen warten schon - Mitte Februar und zu Ostern nimmt Oliver an hochkarätig besetzten Open in der Schweiz teil. Ende April führt ihn sein Weg nach Karlsbad, bevor er Mitte Mai einer der Lokalmatadoren beim Internationalen Wunsiedel-Open sein wird.

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