Behörden kündigen Kontrollen an Falsche Testzertifikate im Umlauf?

Wenn in Schwingen Party angesagt ist, haben nur Gäste Zutritt, die entweder geimpft oder genesen sind oder einen aktuellen PCR-Test vorweisen können. Foto: /Markus Schmidt/Archiv

Bisher sind es nur Gerüchte, aber durchaus mit Hintergrund. Der Frage, ob junge Leute mit falschen Testzertifikaten Discos besuchen, wollen die Behörden jetzt nachgehen.

Kulmbach - Ein Fall mit gefälschten Impfpässen aus Lichtenfels hat dieser Tage Schlagzeilen gemacht. Die Polizei ermittelt. Denen, die dabei mitgemacht haben, drohen empfindliche Strafen. Solche Fälle gibt es laut Oliver Hempfling vom Kulmbacher Landratsamt im Landkreis Kulmbach bislang noch nicht. Aber: Auch bis zu ihm seien Gerüchte über gefälschte PCR-Tests schon vorgedrungen, die vor allem junge Leute für den Eintritt in Clubs und Discos verwenden sollen, sagt Hempfling. Er warnt dringend davor, Fälschungen zu verwenden.

3G, also Zutritt nur für nachweislich Geimpfte, Genesene oder Getestete, ist fast immer die Grundvoraussetzung, um Eintritt ins Nachtleben zu erhalten. „Wie halten sich die Leute dran, und wie kontrolliert man es. Diese beiden Punkte sind wichtig. Wenn nun die ersten Gerüchte kommen, dass Testergebnisse gefälscht werden, hat der Spaß ein Loch. Das ist kein Kavaliersdelikt“, betont Hempfling. Die juristische Seite sei dabei ein Blickwinkel auf das Thema. „Die Leute müssen wissen, dass das Straftatbestände sind.“ Doch es gehe ja noch viel weiter. Hempfling fragt sich: „Was geht denn in dem Kopf dieser Leute vor?“ Sich selbst und auch im Fall eines Disco-Besuchs zahlreiche andere zu gefährden, weil man unbedingt dabei sein, das Geld für einen PCR-Test aber nicht bezahlen und auch nicht zur Impfung gehen will, das hält Hempfling für verantwortungslos. „Natürlich kann ich verstehen, dass junge Leute abends ausgehen wollen. Aber dafür gibt es aus gutem Grund Regeln.“ Was Hempfling nicht verstehen kann: „Die allermeisten, die in Clubs gehen, sind älter als 18 und können sich definitiv impfen lassen. Und wenn ich die Impfung will und dann halt einen Test brauche, muss ich mir den besorgen. Aber nicht, indem ich mir ein Testzertifikat fälsche.“ Kriminelle Energie sei das, meint der Chef des Krisenstabs am Landratsamt.

Hempfling fehlt jedes Verständnis für solches Verhalten. „So machen wir uns die halbwegs zurückgewonnene Normalität kaputt. Die können wir nur aufrecht erhalten, indem wir die Regeln befolgen. Dazu gehört nun einmal eine gewisse Sicherheit. die erlange ich nur über Tests oder die Impfung beziehungsweise den Genesenen-Nachweis.“

Bislang seien es nur Gerüchte über gefälschte Testzertifikate. Schon mehrfach sei ihm nun zugetragen worden, dass an den Eingängen zu Discos und Clubs so mancher manipulierte Nachweis vorgezeigt werde. „Wir werden uns deswegen in der kommenden Woche auch mit der Polizei abstimmen und dann überlegen, was wir tun“, kündigt Oliver Hempfling an. Alle Behörden seien angehalten, zu kontrollieren, ob die 3G-Regelung eingehalten wird. Umso mehr gelte das, wenn es nun Hinweise gibt, dass Schmu getrieben wird.

Die Betreiber der Nachtlokale sind angehalten, von jedem Gast die Nachweise zu kontrollieren. „Aber da muss man auch fair bleiben“, sagt Hempfling. Er weiß, dass es für die Verantwortlichen der Nachtclubs nicht einfach ist, festzustellen, welches Zertifikat echt ist und welches nicht. Auch für die Behörden sei es nicht einfach, die Kontrolleure zu kontrollieren.

Oliver Hempfling setzt in dem Zusammenhang nochmals auf einen Appell, auch wenn der die nun sicher kommenden Kontrollen sicher nicht ersetzen wird. „Es sollte sich jeder überlegen, ob er wegen eines schönen Abends möglicherweise eine Straftat begeht und auch noch uns alle gefährdet. Wenn in einer Disco Hunderte Leute feiern, kann das schnell zum Superspreader-Event werden.“ Wer all das weiß und trotzdem zur Fälschung greift, findet bei Oliver Hempfling kein Verständnis.

Die gefälschten Impfpässe, die jetzt in Lichtenfels bei einer Apotheke aufgefallen sind, weil sich die Inhaber ihre Barcodes für den Impfnachweis auf dem Handy dort abholen wollten, seien noch mal eine ganz andere Hausnummer, macht Hempfling deutlich. Das stimmt den Juristen nachdenklich. Eigentlich könne nur ein Arzt die Pässe fälschen. Sollten sich Fälschungsfälle als Serientat erweisen, könnten sogar Haftstrafen im Raum stehen. Von hohen Bußgeldern in Einzelfällen ganz zu schweigen. „Das sollte man wissen, dass dann zum Beispiel der Schwingen-Besuch gleich mal 250 Euro mehr kostet“, betont Hempfling.

Dass es junge Leute gibt, die sich die wohl mindestens rund 100 Euro für einen aktuellen PCR-Test nicht oder nur schwer leisten können, ist im Landratsamt klar. Aber auch darauf hat Oliver Hempfling eine Antwort: „Da kann man nur darauf hinweisen, dass die Impfung weiterhin nichts kostet.“ Und jedes Wochenende neu einen Testnachweis besorgen muss man dann auch nicht.

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