Betreiberwechsel in Hof Am Untreusee öffnet die „Wertschaft“

Das Betreiber-Karussell in Hof nimmt Fahrt auf: Die Hofer Volksfestwirte übernehmen die Sommergaststätte am See. Das Volksfest wiederum läuft künftig unter der Regie erfahrener Oberpfälzer. Alle Akteure wollen gemeinsam an einem wesentlichen Ziel arbeiten.

Eine „Jahresauftakt-Pressekonferenz“ sollte es sein. Ursprünglich. So aber wurde es der Auftakt für etwas Neues, ein Neustart für zwei Hofer Leuchttürme. Am Untreusee und beim Volksfest wird ein Kapitel zugeschlagen, eine Ära endet. Und das Betreiber-Karussell dreht sich kräftig. Zu den Fakten: Die Fränkische Volksfestwirt GmbH erhält den Zuschlag für die Sommergaststätte am Untreusee, die künftig unter „Die Wertschaft“ firmiert. Das Hofer Volksfest – acht Jahre lang von den heimischen Festwirten gehegt und gepflegt – liegt von diesem Jahr an in den Händen des Unternehmens Festbetriebe Böckl mit Sitz in Schwarzenfeld in der Oberpfalz. Die neuen Betreiber erhalten jeweils einen Fünf-Jahres-Vertrag.

Sie nutzten die Pressekonferenz gleich als Kennenlerntermin. Denn die Hofer Volksfestwirte signalisierten sofort, dass sie gerne beratend tätig sind. Die neuen Festwirte Gerhard Böckl und Josef Ebnet nahmen das Angebot dankend an.

Warum können die Hofer Wirte nicht einfach weitermachen? Peter Geilenkirchen, einer aus dem Sextett, erklärt’s: „Wir können nur eines von beiden leisten.“ Also entweder Untreusee oder Volksfest. Man habe sich für beides beworben – auch mit dem Risiko, am Ende leer auszugehen. Mit der Bewerbung für die See-Gaststätte habe man die Hofer überraschen wollen, sagt Björn Pausch. Die Festwirt GmbH habe intensiv an der Bewerbung gefeilt und sie dann im letzten Moment – am Donnerstag, kurz vor Ende der Bewerbungsfrist – im Rathaus abgegeben.

Ein Indiz auch für die Entwicklung der Sechser-Mannschaft: Zuerst galt die Konzentration allein dem Volksfestbetrieb in der Nailaer Straße, den die Festwirte auf völlig neue Füße stellten und so das Volksfest wieder zu einem echten Hofer Fest machten. Im Laufe der Jahre kamen andere Aufträge dazu. Im vergangenen Jahr stemmte die GmbH das Saaleauenfest, und sie erhielt den Zuschlag für das diesjährige Rehauer Wiesenfest. Wie Pausch sagt, ist nun die Überlegung gewesen: „Was kann man in Hof noch machen und permanent betreiben?“ Da fiel die Wahl auf die Sommergaststätte.

Ziel sei es zunächst einmal, das Bewährte fortzuführen, dann aber auch Neues zu wagen. Ideen gebe es viele – von der optischen Aufwertung über kulinarische Themenwochen bis zu kleinen „Sundowner“-Events. Dies alles aber anfangs in Abstimmung mit der bisherigen Betreiberfamilie Grüner. Die alteingesessenen Gäste, die einfach in Ruhe ihr Bier und Schnitzel genießen wollen, möchte man nicht verprellen. Regionale Produkte aus der Genussregion – das war eine Vorgabe in der Ausschreibung. Die Speisekarte könnte man etwas erweitern, meint Geilenkirchen. Bei aufwendigeren Gerichten bekommen die Gäste eben einen „Piepser“.

Ein Teil der Gaststätte soll künftig stärker genutzt werden: das „Seestübchen“, selbst häufigen Seebesuchern bisher kaum bekannt. Ein Ganzjahresbetrieb ist das erklärte Ziel. Marcus Traub betont auch, die neuen Pächter würden sich nicht von den anderen Angeboten in unmittelbarer Nähe abschotten. Im Gegenteil: „Von den Attraktionen können wir profitieren – und die von uns.“ Nächster Schritt ist die Suche nach einem Geschäftsführer mit Gastro-Erfahrung und einem Händchen fürs Personal.

Jenes Händchen wird auch Gerhard Böckl und Josef Ebnet nachgesagt. Als Referenz bringen sie etwas Wesentliches mit, das die Hofer – nach dem Hin und Her ums Volksfest 2022 – überzeugt haben dürfte: „Wir haben noch nie hingeschmissen“, sagt Ebnet. Im Gegenteil, das Unternehmen sei zum Beispiel beim größten Volksfest im Landkreis Regensburg kurzfristig eingesprungen, nachdem der Betreiber abgesagt habe. „Betriebe, die gut wirtschaften, werden überleben“, meint Ebnet vielsagend. In der Tat hätten Erfahrung, Verlässlichkeit, das eigene Festzelt und der Personalpool den Ausschlag für die Oberpfälzer gegeben, betonte Oberbürgermeisterin Eva Döhla (SPD).

Auch für die neuen Festwirte ist wichtig, das Regionale zu erhalten und zu stärken. Ihre Aufgaben in den kommenden Wochen: das Musikprogramm zusammenstellen und Bedienungen organisieren. Da haben die beiden Neuen keine Bedenken. Zwar seien der Gastro-Branche während der Pandemie viele Beschäftigte weggebrochen. Trotzdem habe die Firma das Jahr 2022 gut gemeistert.

So lief die Bewerbungsphase:

Sommergaststätte:

 9000 Euro beträgt die Pacht im Monat, 18 000 Euro Kaution kommen dazu. Eine echte Herausforderung für die neuen Pächter. Vier Bewerber warfen ihren Hut in den Ring. Einer von ihnen: der Hofer DJ Sebastian Mocker, der jedoch leer ausging. Die Neuvergabe des Objekts am Untreusee ging im Rekordtempo über die Bühne. Nicht einmal eine Woche dauerte es vom Ende der Bewerbungsfrist am Donnerstag bis zur Entscheidung im Stadtrat am Montag. Starttermin für die neuen Pächter soll der 1. März sein. Allerdings stehen noch Gespräche mit dem bisherigen Betreiber Reinhard Grüner aus.

Volksfest:

 Fünf Unternehmen interessierten sich für den Festbetrieb in der Nailaer Straße vom 28. Juli bis 6. August. Unter anderem die Hofer Volksfestwirte, die aber signalisierten, dass sie wohl nicht den Fünf-Jahres-Vertrag erfüllen können. Zwei Bewerber schieden aus, weil sie die Kriterien nicht erfüllten.  

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