Corona Hofer Mediziner eröffnet Impfzentrum

Hussam Hammoud wird im neuen privaten Impfzentrum Patienten beraten und impfen. Foto: hawe

Mehr und mehr übernehmen niedergelassene Ärzte die Corona-Impfungen. In Hof hat jetzt ein privates Zentrum den Betrieb aufgenommen.

Aber nur Biontech!“ Die ältere Dame hebt im Treppenhaus mahnend den Zeigefinger. Anderes komme ihr nicht ins Blut. Die Frau steht im MVZ Hochfranken in Hof. Sie ist eine der momentan noch wenigen Patientinnen, die die Arztpraxis aufsuchen, die seit diesem Montag streng genommen keine mehr ist: Hier ist jetzt ein Impfzentrum, das der Mediziner Dr. Firas Khoury eingerichtet hat. Ein privates Zentrum, das wichtig zu sein scheint, wenn Landrat, Bürgermeisterin und die Verantwortlichen des Zentralen Impfzentrums Hofer Land zur Eröffnung mit Häppchen kommen.

Kristallkugel Khoury geht im Gegensatz zu den Zentren der öffentlichen Hand ein privates Risiko ein. Keiner weiß, ob eine Covid-Variante im Herbst kommt – und wenn ja, welcher Natur sie ist. Nur von einem angepassten Omikron-Impfstoff weiß die Medizin, der im September oder Oktober ausgeliefert werden soll. „Bei den über 70-Jährigen gibt es die Nachfrage“, sagt Khoury. Und solange die Stiko keine Empfehlungen für Jüngere herausgibt, werde der Andrang überschaubar sein. „Es wird wahrscheinlich keine Schlangen geben“, schätzt der Arzt.

Was wäre wenn? Was kommt da an – auch an Patienten? Johann Schötz, ärztlicher Leiter des Impfzentrums Hofer Land, sieht zwei Gruppen: „Die einen feiern auf großen Festen, die anderen wollen die fünfte Impfung.“ In dieser Gemengelage ist Landrat Oliver Bär froh, dass das neue Impfzentrum öffnet. „Wir müssen vorbereitet sein“, sagt er. Das öffentliche Zentrum, das in Helm-brechts steht, müsse weiterhin anpassungsfähig und bei einer sich verschärfenden Situation zur Stelle sein. Khourys Zentrum ersetze, betont der Landrat, nicht das Zentrum Hofer Land, es sei eine Ergänzung. Würde der Mediziner Khoury im Dezember merken, dass sich das Zentrum nicht rechnet, müsse die auf Corona zugeschnittene medizinische Infrastruktur weiter funktionieren.

Niedrige Zahlen Derzeit besteht diese Struktur aus dem Impfzentrum in Helmbrechts, das an einem Tag in der Woche auch in der Freiheitshalle in Hof Menschen impft. Dessen organisatorischer Leiter Marco Vödisch berichtet von einer niedrigen zweistelligen Zahl an Patienten am Tag, die sich impfen lassen wollen. Am 23. August kommen die Mitarbeitenden ein letztes Mal in die Freiheitshalle. Von September an setzte man auf Khoury und die Hausärzte – vorläufig.

Verlagerung Mit dem neuen privaten Impfzentrum in Hof verlagert sich die Zuständigkeit weg von der öffentlichen Hand hin zu niedergelassenen Ärzten. Das ist der Pfad, den die Medizin schon seit Beginn der Pandemie als den irgendwann logischen bezeichnet. Wenn das Corona-Virus endemisch, also heimisch wie viele andere Erreger, wird, werden die Hausärzte die erste Adresse für die Patienten sein – ähnlich wie bei der Grippeimpfung.

Private Lösungen Khourys Zentrum in der Heiligengrabstraße ist demnach ein Zwischenstadium der Entwicklung. Dort wird in einer Privatpraxis bis auf Weiteres nur gegen Covid 19 geimpft. Ob man später auch noch die Grippeimpfung anbiete, werde sich zeigen, sagt Firas Khoury. Er wolle zunächst an den Vormittagen von Montag bis Freitag den vermuteten Andrang an Impfwilligen abfangen. Außerdem sei es technisch sinnvoll, in einem Zentrum die Corona-Impfstoffe zu verabreichen, erklärt der Hofer Mediziner. Denn die Vakzine gebe es immer noch ausschließlich in größeren Dosen. Somit müssten die Hausärzte fünf bis sechs Patienten erst sammeln, bevor sie eines der Fläschchen öffnen. In Hussam Hammoud hat Khoury einen Arzt gefunden, der in den nächsten Monaten Patienten in Sachen Covid berät und impft.

Gefährliche Sorglosigkeit Ob Hammoud viel zu tun hat, hängt auch davon ab, wie besorgt die Menschen sind. Aktuell sind die schweren Verläufe relativ selten; die Patientenzahlen in den Intensivstationen waren schon deutlich höher. Es könnte sich Sorglosigkeit breit machen und die Einschätzung, Corona-Impfungen seien nicht dringlich, in den Köpfen verankern. Johannes Schötz vom Impfzentrum Hofer Land kann da nur warnen: „Ich erinnere an Long Covid. Wir hatten junge Patienten, die monatelang außer Gefecht waren.“

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