Eiserne Hochzeit Treffen der Herzen beim Fuffzgerl-Tanz

Ruth und Norbert Haubner haben heute vor 65 Jahren geheiratet. Foto: /Peggy Biczysko

Ruth und Norbert Haubner sind seit 65 Jahren verheiratet. Die Marktredwitzer sind durch dick und dünn gegangen. Heute feiert das Ehepaar Eiserne Hochzeit im Kreis der Familie.

Marktredwitz - „Wenn ich das nicht im ,Kirchenblattl’ gelesen hätte, hätte ich gar nicht dran gedacht.“ Ruth und Norbert Haubner feiern am heutigen Dienstag Eiserne Hochzeit. Vor 65 Jahren haben sich die Marktredwitzer das Jawort gegeben. Und seit fast sieben Jahrzehnten sind die beiden durch dick und dünn gegangen, haben jede Krise gemeistert. Zwei Menschen, die eigentlich der Zweite Weltkrieg zusammengeführt hat. Denn Ruth und Norbert Haubner sind als Flüchtlinge und Vertriebene letztlich in ihrer neuen, gemeinsamen Heimat gelandet.

Symbol für Widerstandsfähigkeit

Das schaffen wohl die wenigsten Menschen, fast das ganze Leben mit ein und demselben Partner zu verbringen. Die beiden 87-Jährigen haben es geschafft, die Eiserne Hochzeit feiern zu können. Eisern steht für das Metall Eisen. Es soll ein Symbol sein für die Widerstandsfähigkeit einer Ehe. Denn auch die Haubners haben Höhen und Tiefen erlebt. Und da gehört über all die Jahre wirklich ein „eiserner“ Wille dazu, wenn man nach so vielen Jahren noch zusammen ist und feiern kann.

„Einen Antrag habe ich Ruth nicht gemacht“, kramt Norbert Haubner in seinen Erinnerungen. „Irgendwann haben wir einfach beschlossen, dass wir heiraten.“ Der junge Mann, der aus Asch vertrieben worden ist, lernt seine Ruth im Osten von Marktredwitz, wo sie in der Nachbarschaft eine neue Bleibe gefunden hat, kennen. „Ich bin als 13-Jährige mit meiner Mutter aus Schlesien gekommen“, erzählt sie. „Mein Vater durfte erst 1950 nachkommen, weil er dort bei der Eisenbahn gebraucht wurde.“

Entbehrungsreiche Jahre

Es sind entbehrungsreiche Jahre, die die beiden nach dem Krieg erleben. „Aber wir hatten auch schöne Zeiten“, blitzt es in Ruth Haubners Augen auf. „Wir sind damals immer zum Fuffzgerl-Tanz in den Schützenhof gegangen.“ Denn viel Geld hat keiner von beiden. Und das Fuffzgerl (50 Pfennige) Eintritt sparen sie sich für jedes Wochenende zusammen, um heiter und ausgelassen eine flotte Sohle aufs Parkett zu legen. „Da waren wir immer mit der ganzen Clique“, erzählt der 87-Jährige. „Von denen lebt keiner mehr“, fügt er betrübt hinzu.

Seine Mutter verliert Norbert Haubner schon sehr früh. „Sie ist 1940 als 30-Jährige gestorben.“ Nach dem Krieg muss er zusammen mit dem Vater, der Stiefmutter und den Stiefschwestern seine Heimat verlassen. Über mehrere Zwischenstationen kommt er nach Marktredwitz. Auch der Vater stirbt früh. Mit 40.

Zwei Töchter

Während Ruth Haubner schon als Jugendliche den Haushalt bei einer Familie in Marktredwitz führen muss, um das Überleben der Familie mit zu sichern, macht ihr späterer Mann eine Elektriker-Lehre, um danach bei der Kaiserhof-Brauerei in Marktredwitz quasi als „Mädchen für alles“ einzusteigen. „Ich war Handwerker, Brauer und Chauffeur gleichzeitig.“ Seine Frau geht als Gießerin in die Porzellanfabrik, bis die Töchter Sieglinde (65) und viel später noch Ulrike (53) zur Welt kommen. Nebenher jobbt sie als Kellnerin im ehemaligen Café Knorr, wo heute die Pizzeria „Ciao Bella“ ein Restaurant betreibt. Norbert Haubner wechselt zur Bahn, wo er 30 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung als Obertriebwagenführer arbeitet.

Aus Liebe konvertiert

Als Ruth und Norbert Haubner damals beschließen, den Bund der Ehe einzugehen, ist das alles andere als eine pompöse Feier mit prächtigem Brautkleid, vielen Gästen und opulentem Festessen. „Ins Wirtshaus zu gehen, konnten wir uns nicht leisten. Wir hatten ja nichts“, blickt Ruth Haubner in ihrem Haus am Kösseine-Ufer, das sie 1959 bezogen und im Lauf der Jahre ausgebaut haben, zurück. „In meinem Elternhaus haben wir damals die Stube ausgeräumt und dort gefeiert“, erzählt die 87-Jährige. Zuvor gibt es den Segen in der Sankt-Bartholomäus-Kirche, nachdem Ehemann Norbert nach dreimaligem Unterricht vom katholischen zum evangelischen Glauben konvertiert ist.

Eine gute Köchin

Doch was ist eigentlich das Rezept für eine so lange Ehe? „Er hat mir nie etwas vorgeschrieben“, betont Ruth Haubner. „Und wir haben alles gemeinsam gemacht, haben viele Busfahrten unternommen.“ Vertrauen sei natürlich Voraussetzung, finden beide. „Schwierigkeiten gibt es immer wegen Geld“, meint Norbert Haubner. „Da wir wenig hatten, gab es bei uns nie Probleme.“ Und gut kochen hat sie können, seine Ruth, sagt er schmunzelnd.

Heute feiert das Ehepaar zusammen mit der Familie – Töchter, Schwiegersohn und Enkelinnen – im kleinen Kreis. „Man kann ja in kein Lokal wegen Corona.“ Die Frankenpost wünscht den treuen Lesern Ruth und Norbert Haubner alles Gute und vor allem Gesundheit zu dem seltenen Ehejubiläum.

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