Während der langen Gipfelrast fiel der Blick immer wieder auf den Island Peak. Tatsächlich vermittelte der Besitzer der Lodge einen Bergführer. Denn ohne Führer und Erlaubnis sind die Gipfel oberhalb 6000 Meter für Touristen passe.
Abends im Basecamp angekommen, wurde der einzige Gipfelaspirant vom Koch opulent mit Dal Bhat, Popcorn und Masalat-Tee verpflegt. Im Zelt gab es sogar eine Wärmflasche. Die Nacht war eiskalt und bereits um halb eins zu Ende. Der endlose Aufstieg durch die Nacht und eine lange steile Eisflanke wurde mit einem grandiosen Sonnenaufgang und eine 360-Grad-Parade bekannter Himalaya-Gipfel belohnt. In fast 6200 Meter und bei minus 30 Grad konnten die Gesichtszüge für das Gipfelfoto nicht mehr zu einem Lächeln geformt werden.
In Chukhung zurück, wurde der Gipfelsieg gebührend gefeiert – mit Fußbad und original „Khumbu-Kölsch“. Tags darauf verließ Grünler die Siedlung endgültig, denn es standen noch drei Etappen und 45 Kilometer bis zum gebuchten Flug nach Lukla an. Während des Abstiegs übernachtete Grünler am berühmten Sherpa-Kloster Tengpoche auf 3870 Metern, das einen letzten Blick zum Mount Everest bietet. Der Rückweg führte weiter über schwindelerregende Hängebrücken und durch Magnolien- und Rhododendren-Wälder. Hier war die höhere Sauerstoffsättigung der Luft endlich wieder deutlich zu spüren. Trotz oder gerade wegen der herrlichen Landschaft und des sonnigen Wetters, der Fasane und Schneehühner, die über den Weg hüpften, und der Menschen, die immer wieder ein Lächeln für den Fremden übrighatten, stellte sich beim Abstieg ein beklemmendes Gefühl des Abschiednehmens ein.
Nach 12 000 Höhenmetern im Aufstieg und 240 Kilometern Wegstrecke hat sich für den Bergsteiger eine unerwartete Verbundenheit zu den Bergen des Himalayas entwickelt. Wenige Wochen zuvor hatte er solche Eindrücke nicht für möglich gehalten. Trotzdem empfiehlt er Nachahmern, an solche Unternehmen ebenfalls mit großem Respekt heranzugehen. Das hochalpine Gelände verlange große Erfahrung. Plötzliche Wetterstürze könnten gefährlich und sogar tödlich sein. Zudem gebe es die nie zu unterschätzende und allgegenwärtige Gefahr einer Höhenkrankheit. Mit Symptomen werde der Abstieg schnell zum Überlebenskampf.
Natürlich bestünden Risiken, allein, ohne Gruppe, Führer oder Träger im Himalaya unterwegs zu sein. Um den eigenen Rhythmus zu finden und seine Sinne zu schärfen, sei die Eigendynamik einer Reisegruppe aber häufig ein Hindernis, so das Fazit des naturverbundenen Matthias Grünler.
3G-Plus-Regel
Für den Vortrag im „Bairischen Hof“ am kommenden Mittwoch, 10. November, um 19 Uhr gilt die 3-G-plus-Regel (geimpft, genesen, PCR-getestet). Alle Mitglieder und Freunde des Alpenvereins sind dazu eingeladen. Am Eingang werden die Nachweise oder Bescheinigungen kontrolliert.
red