Himalaya und Vortrag Marktredwitzer auf dem Dach der Welt

Der Ngozumpagletscher vom Gokyo Ri aus, darunter der smaragdfarbene Gokyo-See. Foto: /Matthias Grünler

Matthias Grünler stellt am Mittwoch seine vierwöchige Trekkingtour über spektakuläre Himalaya-Pässe vor. Ohne große Planung zieht der 52-Jährige allein in die unglaubliche Bergwelt.

Marktredwitz - Eine drei-Pässe-Runde im Everest-Gebiet ist die herausfordernde vierwöchige Trekkingtour in Nepal, die hinter dem Marktredwitzer Matthias Grünler liegt. Durch einsame Seitentäler und über spektakuläre Himalaya-Pässe im Angesicht des höchsten Berges der Welt – des Mount Everest – führte der Weg des 52-Jährigen kurz vor Beginn der Corona-Pandemie. Diesen Mittwoch stellt der Naturschutz-Referent des Alpenvereins die Tour im „Bairischen Hof“ mit faszinierenden Fotos vor. Grünler gibt schon einmal einen Einblick, was die Besucher bei dem Vortrag erwartet:

Der langen Reise ging keine akribische Planung voraus. Der Entschluss wurde eine Woche zuvor dank eines preisgünstigen Flugs getroffen. Das Studium einiger Reiseführer und ein paar Kataloge der einschlägigen Reiseveranstalter bildeten die theoretische Grundlage. In Kathmandu musste Grünler noch einige bürokratische Hindernisse überwinden. Zwei Tage später brachte eine enge Propellermaschine das Mitglied der DAV-Sektion Greiz zum 2800 Meter hoch gelegenen „Tenzing Hillary Airport“ nach Lukla. Der kleine Flugplatz sei angeblich der „gefährlichste Flughafen der Welt“.

Bereits die erste Etappe durch das Tal des „Milchflusses“ führte hinein in den Sagarmatha-Nationalpark. Entlang von Mani-Mauern und durch kleine Weiler wurde das touristisch geprägte Namche Bazar erreicht, das mit Irish Pub, Geldautomat oder anderen menschlichen „Errungenschaften“ die letzte Bastion der Zivilisation darstellte. Bei Ankunft in 3450 Metern Höhe war es bereits Abend.

In der Nebensaison stellte die Unterkunftssuche nie ein Problem dar. Das Essen war immer gut und reichlich. Dal Bhat, das Nationalgericht mit Reis und Linsen, duftete. Aber auch gefüllte Maultaschen, Thukpa, eine scharfe Nudelsuppe oder nepalesische Pizza unterstützten das tägliche Carboloading. Begegnungen mit Menschen aus aller Welt waren in den Berghütten stets ein willkommener Kontrast zur absoluten Einsamkeit unterwegs.

Am nächsten Tag führte ein Panorama-Weg zum Kloster Thame und damit in das Reich des Schneeleoparden. Auf diesem Aussichtsbalkon in 3800 Meter Höhe und mit Blick auf gletscherbedeckte 6000er entschloss sich Grünler endgültig, die spektakuläre Runde der „Drei Pässe“ Renjo La, Cho La und Kongma La, alle weit über 5000 Meter, anzugreifen. Als erfahrener Alpinist und aktive Einsatzkraft der Bergwacht war er sich der Risiken sehr gut bewusst.

Als unvergesslich und zutiefst berührend beschreibt er den Moment, als sich bei Erreichen des 5340 Meter hohen Renjo-Passes der überwältigende Blick auf den nahen Mount Everest eröffnete. 600 Meter tiefer, am smaragdfarbenen Gokyo-See, war nach vier Etappen ein längerer Aufenthalt geplant. Die kleine Siedlung Gokyo war idealer Ausgangspunkt für Wanderungen zum 5360 Meter hohen Gokyo Ri und zum Basislager unterhalb der eisigen Flanke des 8188 Meter hohen Cho-Oyu.

Inmitten Nepals größter Gletscher- und Moränenlandschaft führten weitere Etappen über den mächtigen Ngozumpa-Gletscher auf den Cho La in 5420 Meter Höhe. Nach einigen ausgesetzten Stellen und einer spaltenlosen Gletscherüberquerung, ging die Reise über weitere Tage nach Dzongla und Lobuche.

Tagsüber waren die Temperaturen mit Jacke angenehm. Nachts fiel das Thermometer allerdings auf unter minus zehn Grad. Im Schlafsack mussten dann auch Fotoapparat, Handy, Akkus oder Wasserflasche Platz finden. Geheizt wurde in den einfachen Lodges sehr sparsam mit getrocknetem Yak-Dung. Richtig wärmen konnte nur ein feiner nepalesischer Masala-Tee. Dank WLan in den meisten Lodges war über Whats-App oder Skype der Kontakt in die Heimat ohne Probleme möglich.

Auf dem Gipfel des 5545 hohen Kalar Patar über dem Everest Base Camp und mit spektakulärer Sicht auf den gewaltigen Khumbu Icefall direkt gegenüber des Mount Everest zeigte sich die Landschaft wieder von unbeschreiblicher Urgewalt. Tags darauf führte ein Pfad über den riesigen Khumbu-Gletscher zum letzten Etappenziel – dem 5535 Meter hohen Pass Kongma La. Hier dominiert der fast 7000 Meter hohe Ama Dablam, der den Ruf genießt, der schönste Berg der Erde zu sein.

Im „Talort“ Chukhung in 4730 Metern Höhe verlockte eine gemütliche Lodge in einmaliger Lage zu einem längeren Aufenthalt. Beim Aufstieg zum Chukhung Ri in 5550 Meter Höhe waren allmählich die Anstrengungen der langen Reise zu spüren. Doch die unmittelbare Nähe zur riesigen Felswand des Nuptse und dem 8516 hohen Lhotse, die hier nochmals 3000 Meter in den Himmel ragen, mobilisierte weitere Kräfte des Marktredwitzers.

Während der langen Gipfelrast fiel der Blick immer wieder auf den Island Peak. Tatsächlich vermittelte der Besitzer der Lodge einen Bergführer. Denn ohne Führer und Erlaubnis sind die Gipfel oberhalb 6000 Meter für Touristen passe.

Abends im Basecamp angekommen, wurde der einzige Gipfelaspirant vom Koch opulent mit Dal Bhat, Popcorn und Masalat-Tee verpflegt. Im Zelt gab es sogar eine Wärmflasche. Die Nacht war eiskalt und bereits um halb eins zu Ende. Der endlose Aufstieg durch die Nacht und eine lange steile Eisflanke wurde mit einem grandiosen Sonnenaufgang und eine 360-Grad-Parade bekannter Himalaya-Gipfel belohnt. In fast 6200 Meter und bei minus 30 Grad konnten die Gesichtszüge für das Gipfelfoto nicht mehr zu einem Lächeln geformt werden.

In Chukhung zurück, wurde der Gipfelsieg gebührend gefeiert – mit Fußbad und original „Khumbu-Kölsch“. Tags darauf verließ Grünler die Siedlung endgültig, denn es standen noch drei Etappen und 45 Kilometer bis zum gebuchten Flug nach Lukla an. Während des Abstiegs übernachtete Grünler am berühmten Sherpa-Kloster Tengpoche auf 3870 Metern, das einen letzten Blick zum Mount Everest bietet. Der Rückweg führte weiter über schwindelerregende Hängebrücken und durch Magnolien- und Rhododendren-Wälder. Hier war die höhere Sauerstoffsättigung der Luft endlich wieder deutlich zu spüren. Trotz oder gerade wegen der herrlichen Landschaft und des sonnigen Wetters, der Fasane und Schneehühner, die über den Weg hüpften, und der Menschen, die immer wieder ein Lächeln für den Fremden übrighatten, stellte sich beim Abstieg ein beklemmendes Gefühl des Abschiednehmens ein.

Nach 12 000 Höhenmetern im Aufstieg und 240 Kilometern Wegstrecke hat sich für den Bergsteiger eine unerwartete Verbundenheit zu den Bergen des Himalayas entwickelt. Wenige Wochen zuvor hatte er solche Eindrücke nicht für möglich gehalten. Trotzdem empfiehlt er Nachahmern, an solche Unternehmen ebenfalls mit großem Respekt heranzugehen. Das hochalpine Gelände verlange große Erfahrung. Plötzliche Wetterstürze könnten gefährlich und sogar tödlich sein. Zudem gebe es die nie zu unterschätzende und allgegenwärtige Gefahr einer Höhenkrankheit. Mit Symptomen werde der Abstieg schnell zum Überlebenskampf.

Natürlich bestünden Risiken, allein, ohne Gruppe, Führer oder Träger im Himalaya unterwegs zu sein. Um den eigenen Rhythmus zu finden und seine Sinne zu schärfen, sei die Eigendynamik einer Reisegruppe aber häufig ein Hindernis, so das Fazit des naturverbundenen Matthias Grünler.

3G-Plus-Regel
Für den Vortrag im „Bairischen Hof“ am kommenden Mittwoch, 10. November, um 19 Uhr gilt die 3-G-plus-Regel (geimpft, genesen, PCR-getestet). Alle Mitglieder und Freunde des Alpenvereins sind dazu eingeladen. Am Eingang werden die Nachweise oder Bescheinigungen kontrolliert.
red

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