Babacar Diop Ndiaye, 25 Jahre: „Anfangs ist es in Deutschland nicht leicht, wenn man Ausländer ist. Ich bin vorher noch nie geflogen, es ist mein erster Auslandsaufenthalt. Obwohl ich Germanistik studiert und einen Master-Abschluss habe, absolvierte ich zunächst einen Vorbereitungskurs in Deutschland. Für den Praxisteil bin ich hier im Haus Sankt Benedikt. Ich bin froh, so nette Kollegen zu haben und viel lernen zu können.
In der Schule tat ich mich anfangs schwer, da die Lehrer so schnell redeten. Mittlerweile komme ich zurecht. Ich wohne mit vier Bekannten zusammen – einer von ihnen stammt aus dem Senegal und lernt ebenfalls Heilerziehungspfleger.
Wir sprechen im Senegal Französisch und pflegen etliche lokale Sprachen. Im Gymnasium kam ich das erste Mal mit Deutsch in Kontakt und habe schließlich Germanistik studiert. An der Universität war ich Sekretär einer Gruppe, in der die Studenten auf Deutsch diskutiert haben. Zu dieser Zeit habe ich angefangen, mich für die Arbeit mit behinderten Menschen zu interessieren und von der Ausbildung in Deutschland erfahren.
Wenn ich die Schule geschafft habe, würde ich am liebsten hier bleiben und Erfahrungen sammeln. 15 Jahre sind durchaus denkbar. Mal sehen, was kommt. Gut möglich, dass ich aber eines Tages in unserem Land Heilerziehungspfleger ausbilde.
Als Muslim ist das Leben in Deutschland nicht so einfach, da wir kein Schweinefleisch essen und auch kein Bier trinken. In den deutschen Supermärkten enthalten aber sehr viele Produkte Schweinefleisch. Trotzdem haben meine Freunde und ich kein Problem mit dem Essen, es gibt ja genügend andere Auswahl. Gerne würde ich wieder mehr joggen, aber dazu habe ich im Moment keine Zeit. Leider.“
Sokhna Khouma ist 32 Jahre alt und stammt aus dem Senegal: „Nach dem Abitur habe ich Deutsch studiert und mit dem Bachelor abgeschlossen. Da ich schnell Geld verdienen wollte, begann ich im Hafen von Dakar, der Hauptstadt des Senegals, eine Ausbildung in der Lagerlogistik. Das war eine anstrengende Zeit, ich bin früh am Morgen am Hafen gewesen und spät in der Nacht heimgekommen. Meine Aufgabe bestand vorwiegend darin, Container zu beschriften.
2020 habe ich dann angefangen, in einem Kindergarten zu arbeiten. Hier lernte ich, geduldig zu sein und mich auf die Kinder einzulassen. Eines war missgebildet, da habe ich mir meine Gedanken gemacht. Wir haben im Senegal so viele behinderte Kinder, im Kindergarten konnten wir leider nur eines aufnehmen. Damals hat mir ein Freund erzählt, dass es in Deutschland eine spezielle Ausbildung für die Betreuung behinderter Menschen gibt. Ich habe Kontakt mit der Diakonie aufgenommen, alles geregelt und bin jetzt Schülerin in Marktredwitz. Die Praxis absolviere ich in Schweinfurt in einem ADHS-Projekt (Anmerkung: ADHS bedeutet Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung). Die elf Kilometer von meiner Wohnung zur Einrichtung fahre ich meistens mit dem Rad. Das Leben in Deutschland ist komplett anders als in Senegal. Hier bin ich oft allein, die Einsamkeit ist für mich schwierig. Daher rufe ich oft zu Hause an. Im Senegal wohnt ja in aller Regel die ganze Familie zusammen. Die Schule in Marktredwitz ist anspruchsvoll, ich lerne so viel hier. Nach der Ausbildung will ich noch zwei Jahre hier bleiben, danach wieder nach Hause.“
Michael Böhm aus Marktredwitz ist 55 Jahre alt: „Mein Weg war eigentlich ganz anders vorgezeichnet. Ich habe eine technische und eine kaufmännische Ausbildung. Wenn mir mit 17 jemand gesagt hätte, dass ich eines Tages im sozialen Bereich arbeiten würde, hätte ich ihm den Vogel gezeigt.
Durch meine Partnerin bin ich auf den Beruf des Heilerziehungspflegers aufmerksam geworden. Die Tätigkeit hat mich fortan immer mehr interessiert. Irgendwann habe ich mich entschieden, noch einmal etwas Neues anzufangen. Derzeit absolviere ich mein Praktikum hier im Haus als Betreuungshelfer, teile Essen aus und helfe bei vielen Aktivitäten mit; es gibt ja immer etwas zu tun. Die Arbeit mit den Bewohnern im Luisenhof ist erfüllend, man kriegt so viel zurück, das ist viel wert. Natürlich dreht sich viel ums Essen. Menschen mit Prader-Willi-Syndrom sind meist einige Altersstufen zurück, haben aber ein Augenmerk darauf, wie die Betreuer mit ihnen umgehen. Und wenn es hart auf hart kommt, können sie schon mal explodieren.
Es klingt abgedroschen, aber die Arbeit als Heilerziehungspfleger ist eine Berufung, ja das kann man wirklich so ausdrücken. Niemand in meinem Umfeld hat seltsam auf meine Entscheidung reagiert, neu zu starten. Eine meiner Töchter arbeitet selbst im sozialen Bereich, im Klinikum als Pflegefachfrau, die andere Tochter ist beim Zoll und mein Sohn ist Steuerfachangestellter.
Ich hoffe, nach der Ausbildung hier im Haus bleiben und meine letzten Berufsjahre sinnvoll verbringen zu können. Manchmal denke ich, dass ich früher den Mut für diesen Schritt hätte aufbringen sollen.“