Marktredwitz - Die gute Nachricht zuerst: den Schülern im Marktredwitzer Schulzentrum schmeckt das Essen in der Mensa. Bisher hat es noch keine einzige Beschwerde gegeben. Dies kann allerdings nicht über die chaotischen Zustände hinwegtäuschen, die in dem Flachbau zuweilen herrschen. Darüber hat die Leiterin des Hauses der Mittagsverpflegung, Christine Maier, Vertretern der an der Mensa beteiligten Schulen, Eltern, und der Schülermitverwaltung berichtet.

Besonders schlimm ist die Situation am Donnerstag. An diesem Wochentag wollen in der Regel besonders viele Schüler ein warmes Essen oder einen Snack. Auf die 144 Sitzplätze drängen dann innerhalb von rund eineinhalb Stunden rund 400 Schüler, schätzt Christine Maier. "Es ist nicht schön, wenn manch einer mit dem Tablett in der Hand eine halbe Stunde warten muss, bis er einen Sitzplatz findet. Deshalb ist es kein Wunder, dass viele Jugendliche lieber in einem Supermarkt oder an einem Imbiss etwas kaufen."

Regelrecht chaotische Szenen sollen sich an Spitzentagen vor der Essensausgabe abspielen. "Es bildet sich keine Schlange, sondern ein Knäuel." Einmal habe es an einem der Tische wegen eines freien Platzes sogar eine Schlägerei gegeben. "Ich wollte hin und die Streithähne trennen, aber ich kam nicht durch, die Kinder standen wie die Ölsardinen in den Gängen. Ich habe dann im Direktorat um Hilfe gebeten." Da in den Gängen häufig Schultaschen, Rucksäcke und Sportbeutel lägen, käme es auch schon mal zu Stürzen. Ein Mädchen etwa sei mit dem Kopf an eine Tischkante geknallt. "Mit einem Pflaster war es Gott sei Dank getan."

Die Gründe für das immer wieder losbrechende Chaos sind vielfältig. Christine Maier hat eine Liste mit Mängeln erstellt: Die Ordnungskräfte sind in der Mensa kaum präsent; die eine Essensausgabe ist für die vielen Schüler, die versorgt werden müssen, zu wenig; es gibt nicht genügend Sitzplätze und schließlich lässt das Verhalten der Schüler immer mal wieder zu wünschen übrig. "Wenn ich sage, die Kinder sollen Abfall vom Tisch räumen, sagen die mir meistens, dass der nicht von ihnen stamme. Dann spiele ich eben das Vorbild und räume den Tisch ab. Manchmal muss ich wie im Kindergarten sprechen und die Schüler zu mehr Sauberkeit auffordern", sagt Christine Maier.

Auch der Versuch, Mensa-Regeln für alle sichtbar anzubringen, ist weitgehend gescheitert. "Ich habe die Blätter extra laminiert und auf die Tische geklebt. Leider haben die Schüler die Regeln meist schon kurze Zeit später wieder weggepopelt", klagt Chistine Maier. Eigentlich pflegt die Mensa-Leiterin ein gutes Verhältnis zu den Schülern, sie scherzt mit den Jugendlichen und mag die meisten sehr gerne. Viele kennt sie mit Namen. "Doch manchmal muss ich rumpöbeln, dann bin ich nicht mehr die nette Tine."

Laut der Schulleiterin des Otto-Hahn-Gymnasiums, Gertraud Nickl, ist die teilweise üble Situation in der Mensa vor allem organisatorischen Unzulänglichkeiten geschuldet. Ihrer Meinung nach würde tatsächlich eine zweite Essensausgabe die Lage entspannen. "Wir versuchen darüber hinaus natürlich mit der Stundenplangestaltung die Lage zu entspannen. Mittagspause muss nicht immer in der siebten Stunde sein."

Damit es zumindest bei der Essensausgabe disziplinierter zugeht, könnte sich Maximilian Müssel von der Schülermitverwaltung Absperrbänder vorstellen, die den Jugendlichen einen geordneten Weg weisen. Der Verpflegungsbeauftragte des OHG, Axel Adametz, glaubt, dass schon farbige Klebebänder auf dem Boden die Schülermassen kanalisieren würden.

Als am sinnvollsten sehen die Pädagogen und Elternvertreter allerdings eine zweite Essensausgabe an. Auch Mensa-Betreiber Herbert Männl sieht hierin die einzige nachhaltige Lösung. "Ich würde vorschlagen, dass wir den Lagerraum als Essensausgabe nutzen und im Außengelände einen Container als Lager aufstellen." Hier gab Gerhard Reger von der Bauverwaltung des Landkreises zu bedenken, dass der Container nur dann sinnvoll sei, wenn er mit einer Kühlung und Heizung versehen und direkt mit der Mensa verbunden sei. "Das ist natürlich eine Investition, für die wir auch eine Finanzierung benötigen."

Mittags in der Schule

Das Haus der Mittagsverpflegung ist eine Einrichtung, die mit der Einführung des G8 auch am Marktredwitzer Gymnasium notwendig wurde, da dadurch viele Schüler mittags und nachmittags in der Schule bleiben. Heute nutzen auch die Schüler der FOS/BOS und Realschule die Mensa.