Radentscheid Bayern Fahrradfahrer wollen eigenes Gesetz

In der viel befahrenen Bayreuther Straße in Marktredwitz endet der Radweg abrupt. Radler müssen zunächst auf die Straße und in den Kreisverkehr einfahren, bevor ein Landwirtschaftsweg weiter Richtung Wunsiedel führt. Foto: Matthias Bäumler

Michael Meier und Klaus Gottfried vom Kreisverband des ADFC unterstützen den Radentscheid Bayern. Sie sehen darin einen Booster, mit dem unter anderem die vielen Lücken im Radwegenetz gestopft werden können.

Wenn Michael Meier mit dem Fahrrad vom Kösseine-Einkaufszentrum in Marktredwitz Richtung Vilser Platz fährt, schnellt sein Puls in aller Regel gehörig in die Höhe. An der Einfahrt zur Ottostraße endet der Radweg abrupt und er muss sich in den hier meist starken Verkehr zwischen Lastwagen und Autos auf der Straße behaupten. Das ist nur ein Beispiel aus dem häufig nicht einfachen Alltag eines Radfahrers in der Region von vielen, das der Kreisvorsitzende des ADFC berichtet. Zusammen mit seinem Vereinsmitstreiter Klaus Gottfried unterstützt er daher vehement den Radentscheid Bayern.

Kaum jemand kennt den Entscheid

Radentscheid, was? ist die häufigste Reaktion, die Meier und Gottfried erhalten, wenn sie vom geplanten Volksbegehren berichten. Im Gegensatz zu kontroversen Themen wie jenes, das ein Verbot des Rauchens in Gaststätten zum Ziel hatte, oder die „Rettet-die-Bienen-Initiative“ ist der Radentscheid kaum bekannt. „Dabei vertreten wir darin unter anderem ein Ziel, das wohl jeder unterschreiben kann: die Vision Zero“, sagt Meier. Sein Vereinskollege Klaus Gottfried konkretisiert: Der Freistaat Bayern soll per Gesetz dazu verpflichtet werden, dass sich im Freistaat keine Verkehrsunfälle mit schweren Personenschäden oder Todesfolgen mehr ereignen. „Besonders Radfahrer, neben Fußgängern die schwächsten Verkehrsteilnehmer, sind gefährdet.“

Es muss sich was ändern

Dass ein Radgesetz notwendig ist, steht für Meier und Gottfried außer Frage. Beide ADFC-Kämpen setzen sich in ihrer Heimatstadt Marktredwitz seit Jahren für die Belange der Radfahrer ein. Ende der 90er-Jahre zum Beispiel arbeiteten sie aktiv in der Agenda-21-Gruppe mit. Damals waren sie mit der Forderung, mehr Radwege in der Region zu bauen, ihrer Zeit voraus. Auch ihre in den folgenden Jahren häufigen Hinweise, wo es in der Großen Kreisstadt an der Sicherheit für Radfahrer hakt, blieben bei den Entscheidern in der Stadt meist im Stadium der mündlichen Zusagen, sich darum zu kümmern, stecken. „Ganz ehrlich, wir hatten nur mäßigen Erfolg“, sagt Michael Meier. Seit 2020 sitzt er selbst für die Grünen im Stadtrat und setzt sich für die Belange der Radfahrer ein. Den Radentscheid werten er und Klaus Gottfried für einen regelrechten Booster für die Belange der Fahrradfahrer.

Die Initiatoren mit dem ADFC, dem Mobilitätsverband VCD und dem Bund Naturschutz an der Spitze (mit dabei sind auch die Grünen, die SPD, die ÖDP, Die Linke und die Partei Volt) treten für folgende Ziele ein:

Der Radverkehrsanteil soll bis 2030 in Bayern auf 25 Prozent steigen. Laut bayerischem Verkehrsministerium lag er 2017 bei elf Prozent.

Der Freistaat soll ein sicheres und komfortables Radwegenetz ausweisen. Eine Pseudo-Radinfrastruktur wie schmale Schutzstreifen soll nicht mehr notwendig sein.

In Bayern soll die „Vision zero“ Realität werden. Das bedeutet, dass der Freistaat mit neuen Regelungen zugunsten der schwächeren Verkehrsteilnehmer die Sicherheit im Straßenverkehr erhöht.

Im Freistaat soll der Fuß-, Rad- und öffentliche Personennahverkehr unter anderem durch den Bau von Fahrradstationen verknüpft werden.

Nach dem Vorbild der Niederlande oder auch Nordrhein-Westfalen sollen auch in Bayern kreuzungsfreie Überland-Radwege geschaffen werden.

Beim Neu- oder Ausbau von Radwegen soll auf eine möglichst geringe Flächenversiegelung geachtet werden.

Klaus Gottfried und Michael Meier unterstützen die Forderungen, setzen parallel aber auch auf die kleinen Fortschritte. „Nehmen wir noch einmal das Beispiel Marktredwitz. Sicher gibt es hier einige gute Projekte. Aber ebenso klar ist, dass viel im Argen liegt. Etwa der Radweg in der Bayreuther Straße, der auf Höhe der Kaufland-Baustelle zu Ende ist. Wer in Richtung Wunsiedel will, der muss zunächst auf den viel befahrenen Kreisverkehr, um dann in den Landwirtschaftsweg einbiegen zu können“, sagt Meier. Ein Urlauber sei hier völlig hilflos, da für Radfahrer jegliche klare Beschilderung fehle. Von einem ähnlichen Beispiel berichtet Klaus Gottfried. Er lobt die Stadt durchaus für den Radweg hinter der der Ceramtec-Fabrik nach Lorenzreuth. „Wenn der auswärtige Radfahrer von hier weiter nach Thiersheim oder Selb will, kann er sich schlecht orientieren.“

Im Landkreis ist nicht alles schlecht

Trotz vieler derartiger Probleme sehen die beiden Fahrrad-Experten im Landkreis durchaus nicht alles schlecht. „Nein, es hat sich in den vergangenen Jahren viel getan“, sagen beide fast unisono. Allerdings scheitere am Ende vieles immer wieder am Geld. Eben deshalb gehen sie davon aus, dass sich mit einem „Bayerischen Radgesetz“ auch die kleinen Projekte leichter verwirklichen ließen.

Noch haben die Initiatoren bis Ende Oktober Zeit, bayernweit 25 000 Unterschriften zu sammeln. Ein ambitioniertes Ziel angesichts dessen, dass der Radentscheid in breiten Teilen der Bevölkerung kaum bekannt ist. Klaus Gottfried selbst ist im Mai von einem ADFC-Mitglied auf die Initiative aufmerksam gemacht worden, wie er einräumt. „Die Öffentlichkeitskampagne ist noch ausbaufähig“, drückt er es positiv aus. „Leider haben wir im Landkreis mit rund 50 aktiven ADFC-Mitgliedern nicht die Kapazitäten, mit Infoständen oder anderen Aktionen auf den Radentscheid aufmerksam zu machen.“ Dennoch gehen die beiden Radfreunde davon aus, die erste Hürde zu meistern. Dafür sammeln sie Unterschriften. Ist der Zulassungsantrag, für den die 25 000 Unterschriften notwendig sind, erfolgreich, kommt es zum Volksbegehren. Hier liegt die Hürde noch höher: Eine Million Unterschriften – diesmal in den Rathäusern – sind dann binnen zwei Wochen notwendig. Überspringen die Initiatoren auch diese Hürde, steht der Volksentscheid an, die Abstimmung im Wahllokal. „Vielleicht erhält ja Bayern ein Radgesetz. Notwendig wäre es“, sagt Michael Meier, verabschiedet sich und steigt – logisch! – auf sein Mountainbike.

Wo man sich eintragen kann

Unterschreiben
Der ADFC-Kreisverband Wunsiedel sammelt Unterschriften für den Radentscheid Bayern. Wer unterschreiben oder sich eingehender informieren will, kann sich an Klaus Gottfried, Telefonnummer 0160/4471233 oder Michael Meier, Telefonnummer 0151/14997788 wenden. Wer per E-Mail Kontakt aufnehmen will, kann dies unter adfcwun@gmail.com. Alle Informationen zum ADFC im Landkreis gibt es im Internet unter adfc-wun.de.

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