Schwimmen DLRG mit Forderung an neue Bundesregierung

red
Viele Kinder könnten nicht sicher schwimmen, bemängelt der DLRG. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Wegen der lange Zeit geschlossenen Bäder aufgrund der Corona-Pandemie befürchtet der DLRG, dass viele Schüler nach der Grundschule nicht sicher schwimmen können.

Bad Nenndorf - Die neue Bundesregierung muss nach Einschätzung der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft dafür sorgen, dass künftig jedes Kind zum Ende der Grundschule sicher schwimmen kann.

Vor vier Jahren hätten rund 60 Prozent der Schülerinnen und Schüler nach der Grundschule nicht sicher schwimmen können - nach fast zwei Jahren Pandemie mit lange Zeit geschlossenen Bädern dürfte das Ergebnis weitaus schlechter ausfallen, teilte die DLRG am Mittwoch mit. „Schwimmen ist eine Kulturtechnik, die zur Grundausbildung gehört wie das Lesen, Schreiben und Rechnen“, betonte DLRG-Präsidentin Ute Vogt.

Langfristig seien etwa 14 Milliarden Euro für die Sanierung und den Erhalt der Bäder nötig

Ziel müsse sein, dass der Schwimmunterricht in allen Schulen bis 2030 selbstverständlich geworden sei, erklärte Vogt. „Überall in den Städten und im ländlichen Raum. Ein „Idealerweise“ wie beim Kohleausstieg darf es da nicht geben.“ In Aussicht gestellten höheren Investitionen in Sportstätten „müssen jetzt Taten folgen“, forderte sie: „Bund und Länder müssen gemeinsam einen flächendeckenden bundesweiten Bäderbedarfsplan aufstellen und diesen auch umsetzen.“ Jede Schule solle ein Bad in erreichbarer Nähe nutzen können.

Dazu seien aber neue Schwimmbäder nötig - und langfristig etwa 14 Milliarden Euro für die Sanierung und den Erhalt des Bestandes. „Viele unserer Bäder sind vor Jahrzehnten gebaut worden und arg sanierungsbedürftig“, sagte Vogt. „Bund und Länder mit den Kommunen sollten das je zur Hälfte stemmen.“ Die im Investitionspaket Sportstätten veranschlagten 380 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren reichten bei weitem nicht aus. Die Kommunen als Betreiber benötigten zudem Zuschüsse für den Unterhalt – rund 75 Prozent der Kosten für ein Schwimmbad entstünden im Betrieb.

Fast 25 Prozent aller Grundschulen könnten keinen Schwimmunterricht anbieten

Die Zeichen stünden allerdings schlecht: Laut DLRG gibt es rund 1600 für die Schwimmausbildung geeignete Bäder weniger als vor 20 Jahren, demnach waren es im Herbst 2020 nur noch 5100 solcher Bäder. Fast 25 Prozent aller Grundschulen könnten keinen Schwimmunterricht anbieten, weil erreichbare Bäder fehlten. Wartezeiten der Vereine für Plätze in Schwimmkursen seien immer länger geworden - und während der Pandemie schier explodiert. „Damit unsere Kinder im Wasser sicher unterwegs sind, brauchen wir für die Schulen und Vereine dauerhaft wieder mehr Wasserflächen, die für das Schwimmenlernen geeignet sind“, betonte Vogt.

Nach DLRG-Angaben bekannten sich die Kultusministerien von Bund und Ländern schon 2017 zum Ziel des sicheren Schwimmens in der Schule. Sicher schwimmen könne, wer im Schwimmunterricht vier definierte Niveaustufen bewältige oder das Schwimmabzeichen Bronze - früher Freischwimmer - ablege.

Autor

 

Bilder