Doch was, wenn nun Mitarbeiter von Tennet oder einer vom Netzbetreiber beauftragten Firma Grundstücke betreten und Bodenproben entnehmen? Tennet-Justiziar Christoph Fischer vertritt die Ansicht, dass die Mitarbeiter auf Privatgrund oder Landkreis-Grundstücke dürfen. Er beruft sich dabei auf das Energiewirtschaftsgesetz.
Das erkennt Baumann zwar an, allerdings nur, wenn zuvor eine Anordnung der Bundesnetzagentur erlassen worden ist. "Und diese muss konkrete Angaben enthalten, wann die Tennet-Vertreter das Grundstück betreten und zu welchem Zweck. In dem Schreiben müssen die Arbeiten genau beschrieben sein." Dies sei Voraussetzung, um später eventuell auftretende Schadensersatz-Ansprüche geltend zu machen. "Wenn die Firmen mit Kettenfahrzeugen auf ein bestelltes Feld fahren oder bis zu 50 Meter tief bohren, bleiben Schäden nicht aus. Was ist, wenn eine wasserführende Schicht angebohrt wird und das Grundstück trocken fällt? Wenn es keine Anordnung der Bundesnetzagentur gegeben hat, gegen die man einen Rechtsbehelf einlegen kann, wird Tennet argumentieren, dass der Eigentümer die Arbeiten so geduldet hat."
Genau dies gilt nach Ansicht von Baumann auch im Falle des Landkreises Wunsiedel, der ebenfalls mit mehreren Grundstücken von der Trasse betroffen ist. "Bislang liegt noch keine Anordnung der Bundesnetzagentur vor, daher empfehle ich dem Landkreis, keine Tennet-Mitarbeiter auf den betroffenen Flächen zu dulden."
Offenbar liegen mittlerweile auch bei der bayerischen Staatsregierung wegen des Widerstandes gegen die Trassen die Nerven blank. Baumann berichtete im Gespräch mit der Frankenpost , dass die Staatsanwaltschaft entschieden gegen all jene vorgehe, die verhindern wollen, dass ihre Grundstücke betreten werden. "Ich empfehle gegen eine Duldungsanordnung einen Rechtsbehelf einzulegen."
Unabhängig von der Debatte, ob Tennet auf Privat- oder öffentlichen Grund darf, brachten Betroffene aus der Region ihre Einwände gegen den Trassenkorridor vor. So ärgerten dem Hofer Landrat Oliver Bär etwa mehrere Trassen-Abschnitte im Landkreis Hof. Unter anderem werde die geplante Erweiterung des neuen Gewerbegebietes bei Gattendorf zerschnitten. "Ich lade die Bundesnetzagentur und Tennet dazu ein, jeweils in die Orte zu kommen und die Fragen am runden Tisch zu klären." Janine Haller von der Bundesnetzagentur sagte, dies sei in ihrem Sinne.