Selb Zwei Corona-Fälle an Bogner-Schule in Selb

Die Hälfte einer fünften Klasse an der Dr.-Franz-Bogner-Mittelschule in Selb ist momentan in Quarantäne, weil sich ein Kind infiziert hat. Das andere Kind hatte Online-Unterricht, weshalb die siebte Klasse nicht von den Quarantäne-Maßnahmen betroffen ist. Foto: Florian Miedl

Ein Geschwisterpaar wird positiv auf Covid-19 getestet. 15 Fünftklässler sind in Quarantäne. Es gab keinerlei Symptome. Die Familie hatte sich freiwillig testen lassen.

Selb - Jetzt hat das Corona-Virus erneut in der Dr.-Franz-Bogner-Mittelschule in Selb zugeschlagen: Nachdem es bereits im Juni einen Fall gegeben hatte, ist nun ein Geschwisterpaar, das die Schule besucht, positiv auf Covid-19 getestet worden. Somit ist eine fünfte Klasse ab dieser Woche unter Quarantäne gestellt. 15 Kinder müssen zu Hause bleiben. Das Kuriose an der Sache: Die betroffene Familie - von vier Kindern sind zwei infiziert, ebenso deren Eltern - hatte sich auf freiwilliger Basis testen lassen. Symptome lagen bei niemandem vor.

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Sollten Eltern, deren Kinder die Dr.-Franz-Bogner-Mittelschule in Selb besuchen, Bedenken haben, können sie selbst entscheiden, ob ihr Kind in dieser Woche in den Präsenz-Unterricht geschickt wird oder daheim bleibt. Darauf weisen Rektor Carsten Kunstmann und Konrektorin Manuela Rahm in einem offenen Brief auf der Homepage der Schule hin. Kinder, die nicht in den Präsenz-Unterricht kommen, müssen im Sekretariat unter der Telefonnummer 09287/79081 entschuldigt werden.

Aktuelle Zahlen

Im Landkreis Wunsiedel sind aktuell fünf Personen am Corona-Virus erkrankt. 619 Infizierte sind nach Mitteilung des Landratsamts bereits genesen. "Seit Beginn der Pandemie wurden 665 Personen positiv auf das Virus getestet. 41 Menschen sind gestorben."

Im Zusammenhang mit der Verbreitung des Corona-Virus hat das Landratsamt Wunsiedel ein Bürgertelefon eingerichtet. Erreichbar ist die Hotline unter der Telefonnummer 09232/80111, und zwar nur unter der Woche montags bis freitags von 9 bis 14 Uhr.

Samstag, 10.50 Uhr: Rektor Carsten Kunstmann bekommt einen Anruf vom Gesundheitsamt. "Dr. Gerhard Fleißner hat mich informiert, dass es an unserer Schule zwei Corona-Fälle gibt", erzählt Kunstmann im Gespräch mit der Frankenpost. "Ich habe sofort meine Kollegin, Konrektorin Manuela Rahm, angerufen." Eine halbe Stunde später sitzt das Führungs-Gespann in der Bogner-Schule, um mit dem Gesundheitsamt das weitere Vorgehen zu besprechen.

Samstag, 12.30 Uhr: Alle Eltern erfahren über das Online-Portal der Selber Schule von der neuerlichen Infizierung von Schülern in der Mittelschule. "Mit den betroffenen Eltern haben wir sofort Kontakt aufgenommen, damit sich die Kinder testen lassen können. Wir hoffen, dass das Ergebnis am Montag vorliegt", sagt Schulleiter Kunstmann.

15 Kinder - "das ist die vom Ministerium maximal erlaubte Zahl" - hätten das geräumige Klassenzimmer, in dem der Mindestabstand peinlich eingehalten werde, besucht. "Wir setzen alle Richtlinien extrem um", versichert Carsten Kunstmann - von der Maskenpflicht bis hin zum permanenten Händewaschen zu Schul- wie zu Pausenbeginn. Weil der Rahmen mit 15 Kindern sehr eingegrenzt und überschaubar sei, habe man alle Kontaktpersonen schnell ausfindig machen können, ist der Rektor beruhigt. "Nun müssen wir die Ergebnisse abwarten."

Noch mehr beruhigt ihn trotz der angespannten Lage, dass das zweite Geschwisterkind, das die siebte Klasse besucht, in der vergangenen Woche nicht den Präsenz-Unterricht besucht habe, sondern online unterrichtet worden sei. Was den Chef der Schule allerdings verblüfft, ist, dass die Kinder keine Symptome gezeigt hätten. "Somit war der freiwillige Test der Familie quasi ein Volltreffer." Da könne man schon davon ausgehen, "dass es eine hohe Dunkelziffer gibt", meint Kunstmann. Denn sobald ein Schüler auch nur Schnupfen habe, müsse er daheim bleiben. "Da funktioniert die Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten sehr gut."

Landrat Peter Berek muss erst einmal schlucken, als er am Samstag von der neuerlichen Infektion durch das Corona-Virus in seinem Landkreis erfährt. Ihm gibt vor allem die Sorglosigkeit mancher Zeitgenossen zu denken, die glaubten, das mit dem Virus sei allmählich vom Tisch. "Dass die Infektion durch einen freiwilligen Test ans Licht gekommen ist, lässt erkennen, was wirklich los ist", meint er nachdenklich. Natürlich könne er verstehen, dass die Menschen nach dem Lockdown ihre zum Teil zurückgewonnene Freiheit schätzen und genießen. "Aber ich trage immer ein bisschen Grund-Angst in mir."

Als vorbildlich lobt der Landrat die Klassenteilungen in den Schulen, in dem Fall speziell in der Bogner-Schule. "Das hat es uns leicht gemacht, alle Kontaktpersonen zu ermitteln und sofort Maßnahmen zu ergreifen." Die Mitschüler und auch die Lehrer, die Kontakt zu dem Kind in der fünften Klasse hatten, seien allesamt am Wochenende getestet worden. "Sonntag früh gingen die Proben zur Analyse ins Labor in Weiden. Mit etwas Glück liegen die Ergebnisse bis zum Montag vor." Dann werde man sehen, wie viele Kinder genau betroffen sind.

Auch Schulamtsdirektor Günter Tauber wird sofort am Samstag vom Gesundheitsamt in Kenntnis gesetzt, dass sich zwei Schüler aus dem Raum Selb mit dem Virus infiziert haben. "Wir möchten hier für Transparenz sorgen, um die Eltern nicht zu verunsichern", betont Tauber. Und er unterstreicht, "dass die Schule alle Infektions-Schutzmaßnahmen eingehalten hat". Die Informations-Kette habe einwandfrei funktioniert, wie dies schon beim ersten Corona-Fall in Selb und auch bei dem Infektionsfall an der Marktredwitzer Grundschule im Mai der Fall gewesen sei.

Ein "sehr gutes Sicherheits-Konzept" attestiert der Selber Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch der Dr.-Franz-Bogner-Schule. "Im Endeffekt geht es darum, die so wichtige Infektions-Kette schnellstmöglich im Blick zu haben." Daher arbeiteten Gesundheitsamt, Schulamt, Stadt und Landkreis eng zusammen. "Es geht um klare Maßnahmen und auch um die notwendige Quarantäne."

Das noch junge Führungs-Team der Bogner-Schule, das erst seit September im vergangenen Jahr im Einsatz sei, habe hervorragende Arbeit geleistet, lobt Pötzsch. Nur wenn man so schnell reagiere, könnten weitere Fälle vermieden werden, sagt der OB.

Was das Corona-Virus und dessen Verbreitung anbelangt, ist das Selber Stadtoberhaupt nicht allzu positiv gestimmt. "Es bleibt abzuwarten, wie sich alles auswirkt, wenn die Urlauber erst einmal alle zurückkehren. Er sei zu sehr Realist, um die Sache blauäugig zu sehen. "Da rückt der Wunsch in den Hintergrund, denn ich denke, wir werden noch so einiges in dieser Pandemie erleben." Daher setze er auf die Vernunft der Menschen, "schon wegen der Kinder in der schulischen Betreuung, die so Vieles aufzuholen haben. Eine neuerliche Schließung wäre fatal."

 

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