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Fichtelgebirge

Kinder lernen im Wald gute Tischsitten

In Wunsiedel startet in der kommenden Woche der erste Waldkindergarten im Landkreis. Wenn es draußen gar zu ungemütlich wird, gibt es eine Schutzhütte.



Die Schutzhütte steht für die Kinder bereit. Darüber freuen sich (von links): Stadtbaumeister Klaus Brunner, Dekan Peter Bauer, Bürgermeister Karl-Willi Beck, Stadtförster Hubert Steinberger und die geschäftsführende Vorständin der Diakonie Selb-Wunsiedel, Siglinde Janka. Foto: M. Bäu.
Die Schutzhütte steht für die Kinder bereit. Darüber freuen sich (von links): Stadtbaumeister Klaus Brunner, Dekan Peter Bauer, Bürgermeister Karl-Willi Beck, Stadtförster Hubert Steinberger und die geschäftsführende Vorständin der Diakonie Selb-Wunsiedel, Siglinde Janka. Foto: M. Bäu.  

Wunsiedel - Minus 14 Grad. Während Dekan Peter Bauer bitterlich friert, sausen die Kinder johlend über den hartgefrorenen Boden. Dies war im Winter der erste Eindruck, den der Wunsiedler Dekan von einem Waldkindergarten hatte. Da war ihm klar: So einen sollen auch die Wunsiedler bekommen.

In der kommenden Woche ist es so weit. Am 3. September startet der Betrieb des ersten Waldkindergartens in Wunsiedel. Die Fläche, auf der künftig 20 Kinder toben und lernen, präsentiert sich derzeit wesentlich einladender, als es Peter Bauer bei der Besichtigung des Waldershofer Waldkindergartens im tiefsten Winter erlebt hat. Die Vögel zwitschern, Grillen zirpen und die trockene Waldwiese duftet nach Kräutern. Dass auch in Wunsiedel im Winter wieder eisige Tage mit gefrorenem Boden kommen werden, ist allen am Waldkindergarten Beteiligten klar. Daher gibt es wie im Vorbild in Waldershof in der Festspielstadt eine Schutzhütte, für den Fall, dass das Wetter gar zu ungemütlich wird. "Aber den Kindern macht es offenbar großen Spaß, den ganzen Tag im Freien herumzutoben", sagt Bauer, der als Vorsitzender des evangelischen Diakonievereins verantwortlich für das neue pädagogische Glanzlicht im Landkreis ist.

Hoch erfreut sind auch Bürgermeister Karl-Willi Beck und Siglinde Janke, geschäftsführende Vorständin des Diakonischen Werkes Selb-Wunsiedel. Sie haben den Aufbau des Waldkindergartens, der in der Verlängerung des Biengartenweges entsteht, von Anfang an unterstützt.

Unter anderem hat das Kommunalunternehmen Wun-Infrastruktur die Schutzhütte gebaut. Prokurist und Stadtförster Hubert Steinberger ist von der aus Lärchenholz gebauten Hütte angetan. Auf 32 Quadratmetern gibt es einen Haupt- und einen Abstellraum. Auch ein Holzofen ist vorhanden. "Da kann man auch mal einen Leberkäs backen", sagte Steinberger. Vor Regen schützt zudem ein 18 Quadratmeter großer überdachter Vorbau.

Im Inneren werden sich die Kinder aber höchst selten aufhalten. "Zu 90 Prozent sind sie draußen", sagt Dekan Bauer. Dabei erlebten sie die pure Natur im Jahreslauf mit all ihren Facetten. Hubert Steinberger hat die Umgebung vorab genau unter die Lupe genommen. So gibt es sowohl Hoch- als auch Niederwald mit Hecken, "da entdecken die Kinder jeden Tag etwas Neues".

Ein großer Pluspunkt ist nach Ansicht der Verantwortlichen die Nähe zum Kindergarten Sternenzelt, dem der Waldkindergarten als eigene Gruppe angeschlossen ist. Um 7.30 Uhr beginnt im Alltag der Kindergartenbetrieb im Sternenzelt. Von hier aus laufen die Kinder zusammen mit den Erzieherinnen den Biengartenweg hoch. "Auch im Waldkindergarten findet zunächst einen Morgenkreis statt und danach gibt es eine Brotzeit", sagt Dekan Bauer. Der Tag endet um 14 Uhr. Wenn Kinder länger betreut werden müssen, geschieht dies anschließend im Sternenzelt.

Apropos Brotzeit. Obwohl die Mädchen und Buben fast den ganzen Tag draußen sind, wird im Waldkindergarten zum Beispiel großer Wert auf gute Tischmanieren gelegt. Der Diakonieverein hat eigens Porzellangeschirr angeschafft.

Wenn es eine Philosophie der neuen Einrichtung gibt, so ist es die Nachhaltigkeit. "Die Kinder sollen hier so natürlich wie möglich ihre Tage verbringen", sagt Bauer. Daher habe er auch auf Sonnenkollektoren verzichtet, da der Betrieb völlig ohne Strom laufen werde. Fließend Wasser gibt es im Waldkindergarten ebenfalls nicht. "Die Erzieherinnen bringen jeden Tag einen Kanister mit Frischwasser in die Schutzhütte. Das Brauchwasser wird übrigens wieder aufgefangen." Auch ein Wasserklosett oder Dixi-Toiletten sind nicht vorhanden. Stattdessen nehmen Kinder und Erzieher mit Kompost-Toiletten vorlieb.

Das Konzept kommt bei den Eltern offenbar hervorragend an. "Das Interesse ist riesig", sagt Bürgermeister Beck. Der Waldkindergarten werde daher ein wichtiger Baustein für die Kinderbetreuung in Wunsiedel sein. Derzeit investiert die Stadt auch in den Neubau des Holenbrunner Kindergartens. Und der Neubau des Schönbrunner Kindergartens ist ebenfalls "in der Pipeline", wie Beck sagte.

Doch ist ein Waldkindergarten wirklich sicher? Hubert Steinberger lacht, als er die Frage hört. Er habe vorab das Gelände natürlich auf mögliche Gefahrenstellen inspiziert. Auch die Fachaufsicht des Landratsamtes habe das Gelände für gut geeignet erachtet. Der Stadtförster erteilt zudem den Erzieherinnen noch Unterricht, damit sie auf alle Eventualitäten vorbereitet sind. "Dabei geht es um das Verhalten im Wald, die Tiere und Pflanzen."

Einen Namen hat der Kindergarten bereits erhalten: "Fichtelbande". Die offizielle Einweihung ist am Montag, 3. September, um 9 Uhr.

Autor

Matthias Bäumler
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
28. 08. 2018
17:50 Uhr

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Matthias Bäumler

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28. 08. 2018
17:50 Uhr



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