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Fichtelgebirge

Miserable Ernte für Bauern

Landwirt Reihl klagt über trockene Böden und minimale Erträge. Von der Politik fühlt er sich "verraten und verkauft". Er drängt auf eine schnelle Unterstützung.



Landwirt Wolfgang Reihl ist frustriert: "So schlecht wie heuer war die Ernte noch nie! Doch es scheint niemanden zu interessieren."
Landwirt Wolfgang Reihl ist frustriert: "So schlecht wie heuer war die Ernte noch nie! Doch es scheint niemanden zu interessieren."   Foto: Peggy Biczysko

Bergnersreuth - "Meine Gemütslage ist wie der Himmel heute - grau und trüb." Landwirt Wolfgang Reihl blickt frustriert nach oben, wendet den Blick ab und betrachtet die dürren, sich im Wind wiegenden Ähren auf seinem Feld bei Bergnersreuth. Wegen des Regens kann er sie gerade nicht ernten. Auch wenn das Wetter besser wäre, würde das Launen-Barometer den Zeiger nicht nach oben schnellen lassen. "Es wäre das Gescheiteste gewesen, ich wäre in diesem Jahr auf dem Kanapee liegen geblieben", schäumt er. Die Ernte im Fichtelgebirge falle in diesem Jahr so katastrophal aus wie nie zuvor. Extrem wenig Regen und dazwischen "Afrika-Hitze" - der Klimawandel lasse grüßen. "Doch das interessiert niemanden, die Politiker schon gar nicht", sagt der Bauer resigniert.

Zum Teil sind es noch die Nachwehen des heißen Sommers im Vorjahr, wie Reihl im Gespräch mit der Frankenpost erzählt. Der Wasserspiegel sei nie richtig angestiegen. "Unser Fichtelgebirge hat gerademal im Mai 80 Liter Regenwasser abgekommen, im Juni und Juli gar nichts mehr." Wegen des Hufeisens und der beständigen Westwetterlage regne es südlich und nördlich der Region, "doch bei uns nicht". Nicht nur er, auch viele seiner Kollegen im Fichtelgebirge klagten über extreme Ernteeinbußen - in erster Linie beim Getreide. Die Hauptfrucht, die Reihl anbaut, ist die Braugerste. "Für Weizen sind unsere Böden zu schlecht." Und normalerweise würden aus einem Getreidekorn bis zu fünf Halme sprießen. "Doch bei den meisten Pflanzen ist wegen der Trockenheit nur ein Haupttrieb übriggeblieben", klagt Wolfgang Reihl über die dürftige Ausbeute.

Für die Ähren, die ihm bleiben, finde er wohl kaum Abnehmer, "denn der Rohproteingehalt ist zu hoch". Statt Braugerste bleibe ihm nur Futtergerste, für die es wesentlich weniger Geld gebe. Münze er die Ernte dieses Jahres in Finanzen um, "ist das ein Drittel vom normalen Erlös", beklagt der Landwirt. Das zehre gewaltig an den Reserven. Reihl macht eine Rechnung auf: Ein Hektar Braugerste bringe normal einen Erlös von 1000 Euro. "Dem stehen Kosten von 500 bis 700 Euro gegenüber." Wenn man die schlechte Ernte jetzt anschaue, könne man sich ausrechnen, dass rein gar nichts übrigbleibe. Im Gegenteil. "Aber das interessiert keinen Menschen, keinen Abgeordneten, nicht einmal den Bauernverband", wettert der Mann aus Bergnersreuth. Und jetzt regne es andauernd, so dass er und seine Kollegen mit dem Ernten nicht vorankämen.

"Den Bauern fehlt die Motivation, wenn sich keiner an unsere Seite stellt", schimpft er weiter. "Weder ein Martin Schöffel noch ein Hans-Peter Friedrich scheren sich darum", kreidet Wolfgang Reihl dem CSU-Landtagsabgeordneten und dem Bundestags-Vizepräsidenten an, dass sie die Landwirte im Regen stehen ließen. "Auf Facebook sehe ich, wie sie auf jedem Feuerwehrfest in die Selfie-Kamera strahlen. Als Bauer fühle ich mich von den Politikern verraten und verkauft und im Stich gelassen." Erschwerend komme hinzu, dass Martin Schöffel Vorsitzender des Arbeitskreises Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Landtag sei.

Im vergangenen Jahr seien große Hilfen für die Bauern angekündigt worden wegen der extremen Trockenheit. "Doch die Hürden waren so hoch gesteckt, dass die keiner bekommen hat", wirft der Landwirt den Politikern vor. Eine Möglichkeit wäre es, die EU-Fördermittel, die bereits frei gegeben worden seien, frühzeitig auszubezahlen. "Die kommen aber erst kurz vor Weihnachten. In Tschechien werden diese Fördergelder Ende September ausbezahlt. Ich frage mich: Warum geht das bei uns nicht?" Da müsse mal einer ganz massiv an die Tür in München anklopfen. Doch wer gegen den Mainstream eines Markus Söder verstoße, verliere wohl seinen Job, mutmaßt ein wütender Wolfgang Reihl.

"Zu Zeiten Willi Müllers und Albrecht Schlägers im Landtag und als mein Vater noch Präsident des Bezirksverbandes Oberfranken im Bayerischen Bauernverband war, wehte ein ganz anderer Wind. Da wurde in München so lange getrommelt, bis sich etwas bewegt hat." Doch in der Staatskanzlei kümmerten die Probleme im "Blinddarm Bayerns" niemanden. "Denn in Südbayern gebe es super Erträge. Und weil es auch in Frankreich, Dänemark und in Teilen Polens eine prima Ernte gebe, wirke sich die Misere im Fichtelgebirge auch nicht auf die Verbraucher aus. Das Nachbarland Tschechien hingegen habe ebenfalls ein "extremes Problem mit der Ernte in diesem Jahr".

Der Landwirt aus Bergnersreuth holt weiter aus und klagt auch die große Politik an. "In Deutschland reden wir über Öko- und Tierschutz-Label, aber dann wird grünes Licht gegeben für Fleisch aus Südamerika, damit wir dort unsere Autos verkaufen können." Auch damit würden den Bauern Knüppel zwischen die Beine geworfen. "Viele Kollegen sind mittlerweile so weit, dass sie am liebsten aufhören würden", versichert Reihl. Wenn die Kleinen aufhören, hielten sich nur noch die großen Betriebe. "Der beschleunigte Strukturwandel würde weniger Artenvielfalt, weniger Feldraine, weniger Natur bedeuten", warnt er. Und auch die Bevölkerung müsse erkennen, "dass allein in die Rathäuser zu rennen und zu unterschreiben nicht ausreicht". Den meisten sei es egal, woher die Lebensmittel kommen. "Man kriegt ja alles bei Aldi oder Lidl", schiebt Reihl frustriert hinterher.

Sein Vater Werner Reihl, über Jahrzehnte hinweg Landwirt, kann seinem Sohn nur kopfschüttelnd beipflichten. "Ich bin froh, dass ich schon so alt bin!" Wolfgang Reihl allerdings hat noch mindestens 20 Arbeitsjahre vor sich.

Lesen Sie dazu auch: "Schöffel zieht sich den Schuh nicht an" >>>

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Peggy Biczysko

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Veröffentlicht am:
20. 08. 2019
15:50 Uhr

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20. 08. 2019
15:50 Uhr



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