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Fichtelgebirge

"Der Schäferhund ist immer der Böse"

Es ist ein unrühmlicher Spitzenplatz: Die Rasse führt die Beißstatistik an. Experte Wolfgang Kunert widerspricht den besorgniserregenden Zahlen vehement.



Normalerweise sind Schäferhunde friedliebend, allerdings müssen sie beschäftigt werden.
Normalerweise sind Schäferhunde friedliebend, allerdings müssen sie beschäftigt werden.   Foto: Jens Büttner

Interview mit Wolfgang Kunert, Vorsitzender des Schäferhundevereins Arzberg

 

Herr Kunert, als Vorsitzender des Schäferhundevereins Arzberg haben Sie sicherlich selbst einen Hund.

Info

Der Schäferhundeverein Arzberg kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. 1925 gründete sich ein "Polizeihundeverein" in Arzberg. In den Nachkriegsjahren kamen die Schäferhunde wieder mehr in Mode und so gründeten zehn Mitglieder 1952 den heutigen Schäferhundeverein. Derzeit gibt es 47 Mitglieder mit 21 Hunden der unterschiedlichsten Rassen.

Natürlich. Wir haben sogar zwei Schäferhunde: Odin und Aron.

 

Und wie oft haben die beiden schon zugebissen?

Überhaupt nicht, es sind absolut gutmütige Familienhunde. Wenn sie auf dem Boden liegen und ich über sie steige, bleiben sie absolut ruhig.

 

Wie erklären Sie sich die jüngst veröffentliche Statistik, laut der in Deutschland die Schäferhunde bei den Beißattacken klar an der Spitze liegen.

Sie ist schlicht falsch. Bei den Schäferhunden haben die Statistiker auch Mischlinge mit einbezogen, was sie bei anderen Rassen nicht getan haben.

 

 

Dennoch ist wohl nicht jeder in der Lage, einen Schäferhund zu halten.

Ein Schäferhund sollte nur in erfahrene Hände kommen, allein deshalb, weil er viel beschäftigt werden muss. Wer wenig Zeit hat, sollte sich einen anderen Hund anschaffen.

 

Wenn ich dennoch einen Schäferhund will: Was muss ich beachten?

Ich würde auf jeden Fall raten, den Hund bei einem Schäferhundeverein ausbilden zu lassen. Noch besser ist es, sich bei uns zu informieren, bevor man sich einen Hund anschafft. Wir geben Tipps zur Haltung, zur Ernährung und zu rechtlichen Fragen. Am Ende steht eine schriftliche Prüfung. Wer nach diesem Einstieg bei uns im Verein bleiben will, kann mit seinem Hund eine Wesensprüfung und eine Begleithundeprüfung ablegen oder auch Hundesport betreiben. Leider kommen immer wieder Leute zu uns, die sich einen Hund angeschafft haben und dann nicht mit ihm zurecht kommen. Nicht, dass sie nicht willkommen sind, aber es ist eben sinnvoller, sich vorab zu informieren.

 

Dies bedeutet, dass bei Ihnen auch andere Rassen als Schäferhunde trainieren.

Ja, unser Verein gehört zwar dem Hauptverband der Schäferhundevereine in Augsburg an, allerdings haben wir auch Mitglieder mit Mischlingen, Rottweilern, Schweizer Schäferhunden oder Dobermännern.

 

Warum beißt ein Hund?

Weil er erschrickt, sich bedroht oder unsicher fühlt. Er wird aber in der Regel nicht beißen, wenn er mit diesen Situationen umgehen kann. Daher trainieren wir mit unseren Tieren ausgiebig. Da fällt eine schwere Eisenkette auf einen Metallboden, in einer Fußgängerzone laufen viele Menschen an ihm vorbei oder ein anderer Hund nähert sich ihm. Wenn er ausgebildet ist, wird der Hund ruhig bleiben.

 

Auch wenn die Statistik vielleicht nicht völlig korrekt ist, es kommt dennoch zu Beißattacken.

Das Problem sind nicht die Hunde, sondern die Halter. Wie gesagt, ein Schäferhund will beschäftigt werden. Aber mal ganz ehrlich, die schlechtesten Erfahrungen habe ich mit Golden Retrievern und Labradoren gemacht. Das sind Wasserhunde mit viel Bewegungsdrang. Bietet man ihnen nicht genug Beschäftigung, können sie auch mal plötzlich aggressiv werden. Es ist schade, dass immer der Schäferhund der Böse sein muss. Dies wird den Tieren nicht gerecht.

Schäferhunde sind ja sehr intelligent. Sie sind zwar nicht in jeder Disziplin absolute spitze, aber dafür eben die Zehnkämpfer unter den Hunden. Sie sind einsetzbar als Schutzhund, Blindenhund, Therapiehund, Leichenspürhund und, und, und.

 

Dennoch kann es passieren, dass ein Schäferhund auf mich als Fußgänger aggressiv losstürmt. Wie soll ich mich verhalten?

Ignorieren Sie den Hund, schauen Sie in den Himmel oder sonst wo hin, aber ignorieren Sie ihn. Das ist für ihn verwirrend. Auf keinen Fall sollten Sie die Hände heben und ihn anschreien, das sind Angriffs-Signale. Es kann sein, dass er sich dann mit Ihnen messen will und Sie anspringt. Und wenn er dann noch in die Hand beißt, ist der Teufel los.

 

Wann muss man einen Hund an der Leine führen?

Auf alle Fälle in der Nähe des Waldes und wenn ich meinen Hund nicht unter Kontrolle habe. Wenn er gehorsam ist, dürfte es kein Problem sein.

 

Problematisch sind sicherlich Fahrradfahrer, die von hinten auf Sie zukommen.

Oje, die Fahrradfahrer, die sind schlimm - zumindest viele. Wenn sie sich nähern und sich bemerkbar machen, dann ist das kein Problem und die Sache hat sich erledigt. Es gibt jedoch leider Radler, vor allem E-Biker, die fahren eng an Hund und Herrchen vorbei. Wenn der Hund dann erschrickt und der Radler stürzt, dann ist das in keinem Fall lustig.

 

Das Halten eines Hundes will, wie Sie sagen, gelernt sein. Wäre es daher nicht sinnvoll, einen Hundeführerschein einzuführen?

Ich wäre dafür. Wir im Verein bilden Hund und Halter bestens aus. Auf der anderen Seite kann sich jeder einen Hund anschaffen, auch wenn er überhaupt keine Ahnung von dem Tier hat. Genau das ist der Grund, warum manche Hunde in Verruf geraten, wenn sie aus Unsicherheit zubeißen.

 

Autor

Matthias Bäumler
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
02. 09. 2019
18:26 Uhr

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Autor

Matthias Bäumler

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Veröffentlicht am:
02. 09. 2019
18:26 Uhr



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