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Antifa will Nazis stoppen

Am Samstag ruft ein bayernweites Aktionsbündnis dazu auf, dem Marsch der Rechtsextremen nicht länger tatenlos zuzusehen. Die Polizei wird alle Kundgebungen trennen.



Die Antifa macht in den sozialen Medien für die Demonstration in Wunsiedel mobil.
Die Antifa macht in den sozialen Medien für die Demonstration in Wunsiedel mobil.   Foto: Stefan Steiner/dpa

Wunsiedel - Das Antifa-Aktionsbündnis "Nicht lange Fackeln" ruft am Samstag zu einer großen Kundgebung in Wunsiedel auf. Wie es in einer Mitteilung des Bündnisses heißt, reicht es nicht mehr aus, "Kerzen durch die Kleinstadt zu tragen", während einen Kilometer entfernt Neonazis einen Fackelmarsch durchführen. Da es jahrelang entlang der "Naziroute" keinen Protest in Sichtweite gegeben habe, habe dies das Gefühl der Stärke der Nazis verstärkt.

"Niemand muss sich Sorgen machen"

Die Polizei wird am Samstag mit starken Kräften in Wunsiedel sein und die Entwicklung im Blick haben. Dies sagt Anne Höfer, Sprecherin des Polizeipräsidiums Bayreuth auf Nachfrage der Frankenpost . "Natürlich können wir jederzeit flexibel reagieren, wenn es die Lage erfordert." Schon während der Anreise werde die Polizei ein Auge auf die Teilnehmer der rechten Kundgebung ebenso haben wie auf die der Antifa. Um Verständnis bittet die Polizeisprecherin die Wunsiedler Bürger, die sich auf einige feste und möglicherweise flexible Straßensperrungen einstellen müssen. Eines will sie den Bürgern trotz aller möglichen Unannehmlichkeiten mitteilen: "Niemand muss sich Sorgen machen."

 

Das soll diesmal anders werden: Die Antifa wirbt in den sozialen Netzwerken kräftig, damit möglichst viele "mit uns in die oberfränkische Provinz fahren! Macht euch im Vorfeld Gedanken, bereitet euch gut vor und lasst uns gemeinsam den Nazi-Aufmarsch stören, sabotieren, blockieren und angreifen", heißt es in dem Aufruf. Dass dieser nicht unerhört verhallt, belegen die geplanten Zug-Anreisen von Antifa-Sympathisanten aus München, Würzburg, Erlangen, Nürnberg und Fürth.

 

Die Antifa hat die Demonstration bei der Genehmigungsbehörde, dem Landratsamt, angemeldet. Von 13.30 bis 22.30 Uhr kann die Versammlung unter dem Thema "Antifaschistischer Protest gegen den III. Weg in Wunsiedel" stattfinden. Nach einer Kundgebung in Holenbrunn startet der Versammlungszug in den Wunsiedler Norden.

Genau hier treffen sich auch die Mitglieder der rechtsextremen Partei "III. Weg". Von 16 bis 22 Uhr haben die Splitterpartei und ihr Anhang das Wohngebiet für sich geblockt.

Dafür, dass sich die unterschiedlichen Gruppierungen nicht in die Quere kommen, wird die Polizei mit einem Großaufgebot sorgen. "Ich habe daher keinerlei Bedenken, dass die Veranstaltungen in der Innenstadt gestört werden. Niemand muss Angst haben", sagt der Leiter des Wunsiedler Ordnungsamtes, Frank Müller, der Frankenpost .

Insgesamt sind für Samstag fünf Demonstrationen und ein Kirchenzug geplant. Das Netzwerk "Wunsiedel ist bunt" hat von 16.30 bis 19.30 Uhr am Marktplatz die Veranstaltung "Suche Frieden und jage ihm nach" angemeldet. Wie berichtet, bieten die bürgerlichen Kräfte, die sich aus allen Teilen der Gesellschaft wie Kirchen, Gewerkschaften oder auch demokratischen Parteien zusammensetzen, in diesem Jahr ein riesiges Kulturprogramm an verschiedenen Orten in der Innenstadt. Wie Sprecherin Svenja Faßbinder vor wenigen Tagen sagte, will "Wunsiedel ist bunt" gegen Hass und Rassismus und für Toleranz und eine bunte Gesellschaft eintreten.

Für die Vertreter der Antifa vermögen die von der örtlichen Zivilgesellschaft organisierten Proteste gegen den Nazi-Aufmarsch kaum mehr, "als das Gewissen der Dorfbevölkerung" zu beruhigen. "Mitunter mehrere Kilometer von der Naziroute entfernt gibt man sich alle Mühe, den Nazis einen störungsfreien und angenehmen Samstagnachmittag und -abend zu ermöglichen", heißt es in der Erklärung der Antifa. Daher wolle sie es nicht mehr länger hinnehmen, dass das "Who-is-Who der militanten und terroristischen Naziszene" unbehelligt durch Wunsiedel läuft.

Tatsächlich ist es erschreckend, wer in den vergangenen Jahren in der Festspielstadt marschiert ist. In Wunsiedel war unter anderem Thorsten Heise, führender Kopf von "Combat 18 Deutschland", einer Organisation, der auch der Mörder des hessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke nahestand. Auch Unterstützer des NSU oder die Männer, die einen Bombenanschlag auf die Grundsteinlegung des jüdischen Gemeindezentrums in München planten, liefen durch hiesige Straßen.

Grundsätzlich begrüßt Arno Speiser, Mitglied des Netzwerkes "Wunsiedel ist bunt" und Mitarbeiter der mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus, jeden, der zeigt, dass die Neonazis in Wunsiedel nicht willkommen sind. "So lange alles friedlich und im Rahmen des Gesetzes verläuft, sind uns alle willkommen. Auch jene, die vielleicht in Hör- und Sichtweite des rechten Aufmarsches ihren Protest kundtun."

Dass die Antifa den Wunsiedler Protest für weitgehend wirkungslos hält, nimmt Speiser hin. "Das ist eben ihre Sichtweise, und die akzeptieren wir. Man muss aber auch die Form des Protestes der Wunsiedler akzeptieren. Letztlich haben wir das gleiche Ziel. Ich sehe Antifa nicht negativ, bedeutet dies doch lediglich Antifaschist, und ein solcher bin auch ich."

Folgende Demonstrationen sind in Wunsiedel für Samstag angemeldet:

16.30 bis 19.30 Uhr "Wunsiedel ist bunt" zum Thema "Suche Frieden und jage ihm nach - Nacht der Demokratie in Wunsiedel." Ort: Marktplatz.

16 bis 16.30 Uhr Versammlung des Luisenburg-Gymnasiums. Nach der Kundgebung ziehen die Teilnehmer in die Innenstadt.

19.45 bis 21.30 Versammlung der Partei "Die Partei". Thema: Idiotengedenken - gegen Glorifizierung von Verbrechern des Nationalsozialismus." Der Demonstrationszug läuft von der Innenstadt in den Wunsiedler Norden.

13.30 bis 22.30 Versammlung der Antifa zum Thema "Antifaschistischer Protest gegen den III. Weg in Wunsiedel". Nach der Kundgebung startet der Versammlungszug in die Innenstadt.

16 Uhr: Die Kirchengemeinden beten in der Friedhofskirche ein Friedensgebet. Anschließend ist ein Kirchenzug in die Innenstadt geplant.

Der rechtsextreme III. Weg hat von 16 bis 22 Uhr eine Kundgebung im Wunsiedler Norden angemeldet.

Autor

Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
14. 11. 2019
19:46 Uhr

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Sie laden am Samstag alle Bürger zu den Veranstaltungen von "Wunsiedel ist bunt" ein (von links): Arno Speiser von der Mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus, die Sprecherinnen von "Wunsiedel ist bunt", Svenja Fassbinder und Christine Lauterbach, Dekan Peter Bauer, Nanne Wienands von der Allianz gegen Rechtsextremismus, Klaus Hofmann von "Wunsiedel ist bunt", Christian Schlademann von der EJBA Hof, Pfarrer Jürgen Schödel und Stefan Denzler von "Demokratie leben".

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Autor

Matthias Bäumler

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Veröffentlicht am:
14. 11. 2019
19:46 Uhr



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