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Fichtelgebirge

Jugendliche lieben Fifty-Fifty-Modell

Die Mitglieder des Kreisausschusses sprechen sich dafür aus, dass das Projekt verlängert wird. Mit dem Beitritt zum VGN wird es allerdings noch etwas länger dauern.



Mit dem Taxi zur Disko, das ist bereits Realität. In einiger Zeit soll eine App den Jugendlichen den Anruf beim Taxiunternehmer ersparen. Foto: Wolfram Kastl/dpa
Mit dem Taxi zur Disko, das ist bereits Realität. In einiger Zeit soll eine App den Jugendlichen den Anruf beim Taxiunternehmer ersparen. Foto: Wolfram Kastl/dpa  

Wunsiedel - Wer als Jugendlicher oder junger Erwachsener von Marktredwitz in die Disco nach Weißenstadt will, der fährt heutzutage mit dem Taxi. Das ist seit Mitte Juli auch für denjenigen möglich, der nicht unbedingt einen dicken Geldbeutel hat. Mit dem Fifty-Fifty-Projekt finanziert der Landkreis die Hälfte der Taxikosten für Bürger im Alter von 16 bis 27 Jahren an Wochenenden und an den Abenden vor Feiertagen.

Wie Tobias Köhler vom Landratsamt am Montagnachmittag in der Kreisausschusssitzung sagte, haben innerhalb der ersten vier Monate 500 Jugendliche das Angebot genutzt. "In den Wochen seit Oktober ist die Zahl der Fahrgäste noch einmal gestiegen." Der Landkreis habe die Fahrten mit rund 6000 Euro bezuschusst. Köhler freute sich auch, dass sich mittlerweile vier Mietwagen- und ein Taxiunternehmer beteiligen.

Für die Mitglieder des Kreisausschusses stand schnell fest, dass das Projekt verlängert werden soll. Endgültig entscheidet darüber der Kreistag in der Dezembersitzung. Im Haushalt für das kommende Jahr stehen schon mal 60 000 Euro bereit.

Das Fifty-Fifty-Projekt ist nur eines von vielen Verkehrs-Angeboten des Landkreises. Um das Wirrwarr aus Fahrzeiten und Bedingungen übersichtlicher zu gestalten, plant der Kreis eine eigene App. "Hier sollen dann alle Fahrtmöglichkeiten auf einen Blick präsentiert werden", sagte Köhler. Würde es eine eigene App nur für das Fifty-Fifty-Angebot geben, käme dies dem Landkreis teurer. "Wir sind bekanntlich als einer von deutschlandweit wenigen Landkreisen in die Smart-City-Förderung aufgenommen worden. Mit dieser lässt sich die Entwicklung der App finanzieren." Darin enthalten seien alle Bus- und Eisenbahnlinien, das Fifty-Fifty-Angebot, die Fahrten des Nightliners und der Bedarfsverkehr. Dies sei letztlich auch für die Jugendlichen eine gute Lösung.

Jörg Nürnberger von der SPD wollte wissen, ob es Erkenntnisse gebe, welche Routen bei den Jugendlichen beliebt seien. "Gibt es", antwortete Köhler. "Natürlich werden in erster Linie die Diskotheken angesteuert. Wenn in Weißenstadt die ,Susi’ geöffnet hat, fahren viele mit dem Taxi hin und zurück. Ansonsten sind Selb und Marktredwitz die Orte mit der höchsten Frequenz."

Bisher hat es laut Köhler keine einzige negative Äußerung zum Fifty-Fifty-Projekt gegeben. Es könne immer mal sein, dass Jugendliche auf das Taxi einige Zeit warten müssten, aber das sei ja normal. Langfristig könne es dennoch Probleme geben, wenn immer mehr Jugendliche das Angebot nutzen wollten, jedoch die Mietwagen- und Taxi-Unternehmer nicht genügend Personal zur Verfügung hätten. "Immer wieder hören wir, dass auch bei den Unternehmen schon jetzt etwas Personalmangel herrsche." Landrat Karl Döhler appellierte daher an die weiteren Mietwagenfirmen im Landkreis, sich am Projekt zu beteiligen.

Brigitte Artmann von den Grünen würde gerne die Disco- und Gaststättenbetreiber mit ins Boot holen. "Immerhin sind sie mit in der Verantwortung, die Heimfahrten mitzuorganisieren, wenn Jugendliche Gäste Alkohol trinken." Sie erinnerte an die tödlichen Discounfälle in den vergangenen Jahrzehnten im Landkreis Wunsiedel. "Vielleicht könnte man mit den Gastronomen mal sprechen oder einen Arbeitskreis einberufen."

Für große Veranstaltungen gibt es laut Döhler den Nightliner. "Und hier sind wir mit den Betreibern der Discos im Gespräch." Grundsätzlich spreche aber nichts gegen Diskussionen.

Ein enorm dickes Brett hat der Landkreis in Sachen Mobilität auf anderer Ebene noch zu bohren: den Beitritt zur Verkehrsgemeinschaft Nürnberg (VGN). Seit Jahren ist dies der Wunsch vieler Bürger aus dem Landkreis, die regelmäßig nach Nürnberg fahren. Schon im Jahr 2015 wollte der Landkreis dem VGN beitreten. Damals ist dies allerdings an den enormen Beitrittskosten in Höhe von 1,4 Millionen Euro gescheitert. Mittlerweile gibt es einen erneuten Anlauf - und zwar nicht nur des Landkreises Wunsiedel, sondern auch der Landkreise Hof, Kulmbach, Kronach, Tirschenreuth, Coburg sowie der Städte Kulmbach und Hof. Dadurch ist es laut Döhler gut möglich, dass die Beitritts- und die laufenden Kosten erheblich niedriger werden.

Die genauen Kosten sollen in den nächsten Monaten in einer Machbarkeitsstudie ermittelt werden. Die Studie allein wird allerdings 2,7 Millionen Euro kosten, was Jörg Nürnberger spontan mit den Worten "mir scheint, der VGN nimmt mit Studien mehr Geld ein als mit dem Verkauf von Fahrkarten" quittierte.

Klaus von Stetten und Bernd Hofmann (beide Freie Wähler) forderten die Macher der Studie auf, alle Verkehrsströme in der Region, also auch die Autofahrten, zu erfassen.

Doch angenommen, der Landkreis wird Mitglied im VGN: Was bringt es den Bürgern? "Das Fahren mit Bahn und Bus wird billiger", sagte Landrat Döhler. Er hoffe daher, dass bis 2023 der Landkreis im Verkehrsverbund dabei sein könne. "In diesem Jahr wird der Schienenverkehr neu ausgeschrieben und vergeben. Das würde passen."

Am Ende kann der Landkreis Wunsiedel nicht alleine entscheiden, da auch die bisherigen Mitglieds-Landkreise ein Mitspracherecht haben, wer aufgenommen wird.

Autor

Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
25. 11. 2019
19:36 Uhr

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Matthias Bäumler

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Veröffentlicht am:
25. 11. 2019
19:36 Uhr



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