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Hof

Tornado über Hochfranken

In und um Selb wütet in der Nacht zu Mittwoch ein heftiges Unwetter. Laut Wetterdienst entwickeln sich eine Superzelle und womöglich sogar ein Tornado. Im Landkreis Hof bleibt es relativ ruhig.



Mehrere umgestürzte Bäume haben in der Nacht zum Mittwoch die Straße über den Waldstein blockiert. Ein Autofahrer konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und krachte in die Bäume. Foto: News 5
Mehrere umgestürzte Bäume haben in der Nacht zum Mittwoch die Straße über den Waldstein blockiert. Ein Autofahrer konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und krachte in die Bäume. Foto: News 5  

Hof/Wunsiedel - Für die Menschen im Landkreis Hof bleibt es ein gewaltiges Naturschauspiel. Als am Mittwochabend die ersten Blitze zucken und die Region im Sekundentakt taghell erleuchten, bleibt der Donner weitgehend aus. Die Wetterwarte in Hof spricht von einem normalen Sommergewitter. "Bei uns ist nicht viel passiert", sagt Peter Krammer von der Wetterwarte. Die Windgeschwindigkeit überschritt niemals die Schwelle zur Windstärke sieben, mit zwölf Litern Niederschlag von Dienstagabend bis Mittwochmorgen hielt sich auch die Regenmenge in Grenzen. Aber: "Es war gestern Abend eine sehr energiegeladene Atmosphäre, die sich entladen hat", sagt Krammer. Deshalb zuckten die Blitze auch schnell hintereinander, meistens waagerecht entlang der Untergrenze der Wolkentürme.

Mehr als 100 Einsätze

Deutlich weniger glimpflich entwickelte sich das von Westen her aufziehende Unwetter nur wenige Kilometer weiter südöstlich im Landkreis Wunsiedel. Mehr als 100 Einsätze verzeichnete die Leitstelle Hochfranken zwischen 22 Uhr und dem frühen Morgen, drei Verletzte hat es gegeben. Die gute Nachricht: "Keiner der Verletzten musste mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden", erklärt Markus Hannweber, Leiter der Leitstelle.

In und um die Stadt Selb wütete das Unwetter dann in der Nacht besonders heftig. Bäume stürzten auf die Straßen und geparkte Autos, Straßenunterführungen liefen voll Wasser, vor einem Baumarkt wurden sogar Holzhäuschen aufs Dach gelegt. Die Feuerwehren waren stundenlang im Einsatz, um die Schäden zu beseitigen.

"Es war ein äußerst ungewöhnliches Unwetter-Ereignis", sagt Hannweber. So etwas habe er noch nie erlebt. "Ich saß bei mir auf der Terrasse in Schwarzenbach am Wald, als ich um 21.45 Uhr gesehen habe, wie die massive Wolkenfront aufzieht", erzählt er. Sofort habe er entschieden, dass die Leitstelle um einen Mitarbeiter personell aufgestockt werden musste. Zu dem Zeitpunkt war die Leitstelle vorgewarnt: Der Deutsche Wetterdienst hatte tagsüber bereits eine entsprechende Unwetterwarnung herausgegeben. Die Besonderheit: Sogar die Gefahr von Tornados bestehe örtlich.

Extreme Wetterlage

Gegen 22.20 Uhr werden dann am Waldstein die ersten umgestürzten Bäume gemeldet. Hierher rücken auch die Feuerwehren aus Zell und Sparneck aus. Im Fichtelgebirge spitzt sich die Lage weiter zu. In der Stadt Selb, in Erkersreuth, Schönwald, Spielberg, aber auch in Thierstein, Thiersheim und Hohenberg an der Eger wüten heftige Windböen. Der Deutsche Wetterdienst in Offenbach verzeichnet Windspitzen von bis zu 119 Stundenkilometern. "Mehr als die Hälfte der über 100 Einsätze konzentrierte sich auf das Stadtgebiet von Selb, der Rest war größtenteils in fünf bis zehn Kilometern Umkreis um die Stadt herum", sagt Markus Hannweber.

Im Laufe des gestrigen Tages ist ein Video aufgetaucht, das Bilder vom Sturm zeigt. Für den Laien sieht das, was sich in den bewegten Bildern abspielt, aus wie ein Tornado. Die Aufnahmen, die der Selber Tobias Oelsner am Dienstagabend mit seinem Handy gemacht hat, sind größtenteils schwarz. Nur wenn ein Blitz die Szenerie erhellt, sieht man schemenhaft den dunklen Schlauch, der sich aus den Wolken gen Boden windet. In Richtung der Pfaffenleithe in Selb hatte Oelsner gegen 22.50 Uhr seine Videokamera gerichtet und dabei wohl einen Tornado aufgenommen. "Ich habe aus dem Dachbodenfenster heraus gefilmt. Ganz aufs Dach wäre mir zu heikel gewesen", sagt er.

Volker Wünsche, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst hat sich Standbilder des Films angesehen und kommt zu dem Schluss: "Wahrscheinlich war es ein Tornado", sagt er, räumt aber auch ein, dass man sich anhand der vorliegenden Bilder nicht ganz sicher sein kann.

Markus Hannweber berichtet: "Das wirkte wie ein extremes Auf- und Abwind-Ereignis", sagt Hannweber. Ein Kollege habe sich in seinem Haus in Selb mit seiner gesamten Körperkraft gegen eine Tür stemmen müssen, um sie zu öffnen. Außergewöhnliche Druckverhältnisse sollen geherrscht haben.

Das besagen auch die Daten des Wetterdienstes. Adrian Leyser vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach, schloss gestern - ohne das Video gesehen zu haben - einen Tornado weitgehend aus: "Dafür haben die Bedingungen nicht gestimmt", sagt Leyser. Die Wolkenfront habe zu hoch gelegen, hinzu kämen weitere Faktoren, die gegen einen Tornado sprechen. Fallböen seien wahrscheinlicher gewesen. Leyser erklärt: "Bei diesen sogenannten Downbursts stürzt durch die Verdunstung von Regenwasser abgekühlte Luft mit hoher Geschwindigkeit zu Boden." Das Video des Selbers Tobias Oelsner spricht nun eher für einen Tornado.

Glimpflich davongekommen sind übrigens auch die Besucher und Schausteller beim Wiesenfest in Rehau. "Es hat einfach nur sehr stark geregnet", sagt etwa Angelika Späth, die auf dem Wiesenfest einen Stand mit Süßwaren betrieb. "Die Leute sind nur sehr nass geworden", sagt die Schaustellerin. Nur wenige Kilometer weiter hinter dem Kornberg sah die Angelegenheit dann aber ganz anders aus.

Für die nächsten Tage ist übrigens Entspannung in Sicht. Erst am Wochenende sind Temperaturen nahe der 30-Grad-Marke zu erwarten.

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Von Patrick Gödde
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Veröffentlicht am:
08. 07. 2015
00:00 Uhr

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Von Patrick Gödde

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08. 07. 2015
00:00 Uhr



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