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Marktredwitz

Bittere Pille für Spediteure

Seit dem 1. August müssen Lastwagen über zwölf Tonnen auch auf vierspurigen Bundesstraßen Maut zahlen. Manche Unternehmer sind stocksauer, andere legen die Kosten auf ihre Kunden um.



Auch wenn keine Schilder wie auf diesem Bild darauf hinweisen: Seit 1. August müssen Spediteure für Lkw über zwölf Tonnen auch Maut auf 1135 Kilometern Bundesstraßen bezahlen. 	Foto: dpa
Auch wenn keine Schilder wie auf diesem Bild darauf hinweisen: Seit 1. August müssen Spediteure für Lkw über zwölf Tonnen auch Maut auf 1135 Kilometern Bundesstraßen bezahlen. Foto: dpa  

Marktredwitz/Wunsiedel - "Es ist ein Wahnsinn!" Fuhrunternehmer Albert Wildenauer ist aufgebracht. Wegen der Maut, die er neuerdings auch auf vierspurigen Bundesstraßen in Deutschland abdrücken muss. "Die machen uns systematisch fertig", beklagt der Spediteur aus Marktredwitz. Seine Frau übergibt den Telefonhörer schon vorsichtshalber ihrem Mann. "Ich kann mich sonst nicht bremsen", versichert sie. Aber auch ihm ist anzumerken, wie stinksauer er ist wegen der erheblichen Mehrkosten, die nach den explosiv gestiegenen Dieselpreisen jetzt auch noch aufs Konto drücken.

Seit 1. August - wir berichteten mehrfach - sind die Mautstrecken für Lastwagen um exakt 1135 Kilometer ausgeweitet worden. Diese Kilometer auf Bundesstraßen sind zusätzlich zu den 13 000 Kilometern Autobahn in Deutschland kostenpflichtig für Lkw. Der Bund erhofft sich dadurch Mehreinnahmen von rund 100 Millionen Euro, wie Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer zur Einführung der Maut auf Bundesstraßen mitgeteilt hat. Die jährlichen Mauteinnahmen auf Autobahnen liegen bereits bei mehr als 4,5 Milliarden Euro. Während Lkw-Fahrer ebenso wie Autofahrer über die zum Teil schlechten Straßen stöhnen, weil mit den Einnahmen aus dem Straßenverkehr viele andere Löcher im Bundeshaushalt gestopft werden, sollen diese zusätzlichen 100 Millionen Euro laut Ramsauer die Löcher in den Straßen stopfen. "Jeder, der jetzt zusätzlich diese Lkw-Maut bezahlt, hat unmittelbar einen Nutzen davon", hat der Minister bei der Einführung der Bundesstraßen-Maut versichert.

Für Albert Wildenauer hingegen geht diese Maut ans Eingemachte. "Wir können die Mehrkosten nicht umlegen, das zahlt uns niemand", schimpft er. Und er rechnet der Frankenpost vor, was er schon bisher für seine 20 Lastwagen berappen muss, die allesamt mautpflichtig - also über zwölf Tonnen - sind. "Das sind 20 000 bis 25 000 Euro im Monat." Jedes seiner Fahrzeuge legt in dem Zeitraum 20 000 Kilometer zurück. "Jetzt kommen noch einmal 17 Cent pro Kilometer auf den vierspurigen Bundesstraßen dazu", ist der Speditionschef fassungslos. "Ausweichen auf Neben-Routen können wir nicht, das kostet zu viel Zeit."

Bei der Bundesanstalt für den Güterfernverkehr hat der Marktredwitzer Unternehmer einen Antrag auf Mautkosten-Erstattung gestellt. "Das wären 33 000 Euro gewesen. Doch in einem Schreiben haben die uns mitgeteilt, dass die Kasse leer ist und sie uns nicht berücksichtigen können. Wir schauen also in die Röhre, können nur ab- und stillhalten." Albert Wildenauer, dessen 20 Lastwagen quer durch Deutschland und Europa kreuzen, ist einfach nur frustriert, was er da wieder einmal von oben aufgedrückt bekommen hat.

Transportunternehmer Wolfgang Perzl, der drei Lastwagen laufen hat, ist nicht von der Mauterhöhung betroffen. "Schon seit einigen Jahren wiegen alle meine Fahrzeuge knapp unter zwölf Tonnen. Damit fallen wir raus." Dennoch machten ihm die massiv gestiegenen Dieselpreise zu schaffen.

Die zwölf Lkw der Tröstauer Firma Berger Transport GmbH sind zwar alle mautpflichtig, aber Firmenchef Reinhard Berger kann sämtliche Kosten weitergeben, wie er auf Anfrage der Frankenpost erklärt. "Die Frachtpreise und die Maut legen wir ebenso wie die gestiegenen Dieselpreise komplett auf unsere Kunden um." Die stammten in erster Linie aus der Lebensmittelindustrie und reichten die Erhöhung wohl ihrerseits weiter. "Natürlich dürfen wir da auch keine großen Umwege fahren", so Berger.

In der gleichen glücklichen Lage wie die Firma Berger ist die Westmark-Spedition in Schönbrunn, die 34 Fahrzeuge mit über zwölf Tonnen im Einsatz hat. "Auf Fernstrecken fahren wir generell Autobahn, denn wir müssen unser Ziel schnell erreichen", verdeutlicht Unternehmer Gerd-Jürgen Schlecht. "Eigentlich müssen wir von Wunsiedel aus nur über die B 303 zur Autobahn bei Bad Berneck. Und die ist von der Maut nicht betroffen", sagt er. "Unsere Kunden kalkulieren die Mautkosten mit ein." Sie würden zum Frachtanteil hinzu addiert. Die Spedition könnte die Mehrkosten dafür nicht selbst schultern, betont Schlecht. "Das wissen unsere Kunden."

Es ist ein Wahnsinn! Die machen uns systematisch fertig.

Fuhrunternehmer Albert Wildenauer

aus Marktredwitz


Maut auf Bundesstraßen

Folgende Teilstücke von Bundesstraßen in Bayern stehen seit dem 1. August auf der Maut-Liste:

B 2 Roth bis Kiliansdorf

B 2 Donauwörth bis Augsburg-West

B 4 Erlangen bis Boxdorf

B 8 Würzburg bis Rottendorf

B 12 Weitnau bis Waltenhofen

B 13 München-Giesing bis Sauerlach

B 15 n Saalhaupt bis Neufahrn

B 17 Augsburg bis Landsberg am Lech-West

B 19 Würzburg/Estenfeld bis Würzburg

B 19 Waltenhofen bis Sonthofen

B 28 Neu-Ulm bis Hittistetten

B 173 Lichtenfels (A 73) bis Lichtenfels-Ost (die einzige in Oberfranken)

B 469 Stockstadt bis Trennfurt


Autor

Von Peggy Biczysko
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
10. 08. 2012
00:00 Uhr

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Von Peggy Biczysko

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10. 08. 2012
00:00 Uhr



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