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Marktredwitz

Odyssee mit der Deutschen Bahn

Holger Schwinger ist stinksauer. Der Marktredwitzer, der in der Schweiz lebt, braucht zwölf Stunden, bis er in Arbon ist. Mit dem Auto hätte die Reise knapp fünf Stunden gedauert.



Verspätungen und defekte Züge sind in Deutschland an der Tagesordnung, auch für Fahrgäste, die in Marktredwitz zusteigen.
Verspätungen und defekte Züge sind in Deutschland an der Tagesordnung, auch für Fahrgäste, die in Marktredwitz zusteigen.   Foto: Peggy Biczysko » zu den Bildern

Marktredwitz - Bahnfahren statt fliegen - seitdem immer mehr junge Menschen von "Fridays for future" mobil machen, um auf eine drohende Klimakatastrophe hinzuweisen, überschlagen sich die Diskussionen. Auch in Deutschland fordern zunehmend Politiker, das Auto stehen zu lassen und stattdessen die Bahn zu wählen. Und vor allem sollte man mit dem Zug in den Urlaub reisen und nicht mit dem Flugzeug quer durch die Welt jetten. Das wollte auch Holger Schwinger aus Arbon im Schweizer Kanton Thurgau. Doch der ehemalige Marktredwitzer, der seit vielen Jahren auf der Schweizer Seite des Bodensees lebt, hat nach dem letzten Heimatbesuch eine wahre Odyssee erlebt. "Deutsche Bahn - das ist für mich ein einziges Desaster", beschreibt er die Rückkehr von Marktredwitz nach Arbon.

Pleiten, Pech und Pannen erleben viele Bahnreisende tagtäglich in Deutschland. Und Holger Schwinger hat jetzt erst einmal "die Faxen dick, nochmal mit der Deutschen Bahn zu reisen". Denn als Wahl-Schweizer ist er die Pünktlichkeit von Bus und Bahn gewohnt. Das tolle Wochenende, das er jetzt beim Sticky-Fingers-Festival mit alten Freunden am Weidersberg im Marktredwitzer Ortsteil Brand erlebt hat, rückt angesichts der desaströsen Heimreise in den Hintergrund.

"Ich hab’ echt keine Nerven mehr!", gesteht er gegenüber unserer Zeitung, als er endlich zu Hause angekommen ist. "Nach einer Odyssee an Dummheit der Deutschen Bahn bin ich gerade mal bis nach Nürnberg gekommen. Dann musste ich in einen Zug umsteigen, der innen 45 Grad hatte, weil die Klimaanlage kaputt war." Für die Reisenden sei das eine echte Tortur gewesen: "Kleine Kinder haben geschrieen, Hunde wurden mit nassen T-Shirts gekühlt." Nach einer Weile wird der Zug ausgetauscht gegen einen anderen, wie der 48-Jährige schildert. "Das hieß, erst einmal warten." Die Warterei geht noch eine ganze Weile weiter, "weil es dann zum kompletten Stillstand kam. Bei Gleisarbeiten wurde nämlich eine Flieger-Granate gefunden."

Holger Schwinger und die Mitreisenden müssen auf einen Schienenersatzverkehr ausweichen. "Die haben echt 100 Leute in einen 50-Sitzer-Bus gesteckt", entsetzt sich der gebürtige Marktredwitzer. In Lindau geht es weiter mit dem Schienenersatzverkehr bis Bregenz: "Da bin ich hinwärts schon drei Stunden gefahren statt 50 Minuten." Der Wahl-Schweizer denkt sich, er fährt jetzt besser über Friedrichshafen, um schneller nach Hause zu kommen. "Das war ein Fehler. Der Bus, der nach Friedrichshafen fahren sollte, hat uns nämlich am nächsten Bahnhof rausgeworfen, weil zu viel Verkehr herrschte."

Wieder heißt es warten auf den nächsten Zug. Um 20.26 Uhr erwischt Schwinger gerade noch die letzte Fähre nach Romanshorn, um letztlich in Arbon-Neukirch aussteigen zu können. "Zwölf Stunden war ich unterwegs, echt eine Katastrophe. Mit dem Auto hätte ich knapp fünf Stunden gebraucht!" Sein Fazit: "Ich fahre sicherlich nicht mehr so schnell mit der Bahn." Wütend fügt der 48-Jährige hinzu, "dass das Bayern-Ticket erster Klasse glatt hinausgeschmissenes Geld gewesen ist, weil gar kein Erster-Klasse-Abteil vorhanden war, nachdem der Zug getrennt worden war." In den vergangenen 13 Jahren ist es dem 48-Jährigen "kein einziges Mal gelungen, ohne Probleme mit dem Zug nach Marktredwitz und zurückzufahren".

Holger Schwinger ist froh darüber, endlich wieder in der Schweiz zu sein, "wo ich in all den Jahren so etwas noch nie erlebt habe". Täglich fährt der Marktredwitzer dort mit öffentlichen Verkehrsmitteln, um zur Arbeit zu kommen. "Busse wie Züge fahren pünktlich auf die Minute. Warum die Deutschen das nicht auf die Reihe bekommen, ist mir ein absolutes Rätsel. In anderen Ländern funktioniert das ja auch!"

 

Lesen Sie dazu auch den FP-Wochenend-Kommentar: "Das ewige Desaster mit der Bahn" >>>

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Peggy Biczysko

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Veröffentlicht am:
09. 08. 2019
12:28 Uhr

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Peggy Biczysko

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09. 08. 2019
12:28 Uhr



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