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Extrem vakant: Projektstelle Extremismusprävention

Jennifer Bernreuther verlässt die Projektstelle gegen Extremismus in Regnitzlosau nach nur eineinhalb Jahren. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht.



Nach nur eineinhalb Jahren verlässt Jennifer Bernreuther die Projektstelle zur Extremismusprävention in Regnitzlosau. Sie wird künftig als Fachbereichsleiterin in der Erwachsenenbildung für die Diakonie Bayreuth arbeiten.
Nach nur eineinhalb Jahren verlässt Jennifer Bernreuther die Projektstelle zur Extremismusprävention in Regnitzlosau. Sie wird künftig als Fachbereichsleiterin in der Erwachsenenbildung für die Diakonie Bayreuth arbeiten.   Foto: Gödde

Regnitzlosau/Landkreis - Als sie das Angebot aus Bayreuth bekommen hat, hat Jennifer Bernreuther, ganz die Sozialpädagogin, erst einmal eine Pro- und eine Contra-Liste gemacht, stilecht auf Moderationskärtchen. Am Ende war die Pro-Liste für den Wechsel zur Diakonie Bayreuth etwas länger. So verlässt die 31-Jährige die Projektstelle Extremismusprävention in Regnitzlosau nun schon zum Ende des Monats, rund zweieinhalb Jahre, bevor der Vertrag ausgelaufen wäre. "Es ist eine Fachbereichsleitung und eine unbefristete Stelle", sagt die Sozialpädagogin zur Erklärung. Von Regnitzlosau aus wird sie zukünftig pendeln. Beworben hat sie sich nicht, das Angebot kam aus heiterem Himmel.

Die Geldgeber von Dekanat, Kirchengemeinde und politischer Gemeinde Regnitzlosau sowie vom Landkreis stehen jetzt vor einer schwierigen Aufgabe: Sie wollen die ab übernächsten Montag vakante Stelle neu besetzen - und das möglichst zügig. Diesen Willen bekundet Dekan Günter Saalfrank explizit. Allerdings: Die Bewerbungslage ist aktuell noch äußerst überschaubar. Saalfrank spricht von "keinen belastbaren Unterlagen", die - Stand Anfang der Woche - beim Dekanat eingegangen sind. "Der Markt für Sozialpädagogen ist wie leergefegt. Es gibt viel mehr freie Stellen als Bewerber", sagt Günter Saalfrank.

Am Donnerstag haben die Verantwortlichen die scheidende Sozialpädagogin in einem Gottesdienst verabschiedet, kommende Woche sagen die Jugendlichen Ade zu Jennifer Bernreuther. Alle übernachten zusammen in der Grotte, dem Regnitzlosauer Jugendtreff. Als "sehr wertschätzend" hat Bernreuther den Gottesdienst empfunden. Und Dekan Günter Saalfrank macht kein Hehl daraus, der er Jennifer Bernreuther nur ungern ziehen lässt: "Eine sehr engagierte und kompetente Kraft." Angefangene Projekte auf gemeindlicher Basis will Bernreuther nun, soweit überhaupt möglich, an die beiden Jugendbeauftragten der Gemeinde, Frank Hopperdietzel und Manuel Sörgel, übergeben. "Ansonsten setze ich auf die Organisationsfähigkeit meiner Jugendlichen. Für eine Übergangszeit bekommen die das schon hin", sagt Bernreuther lachend. Vernetzung, regelmäßige Treffen - das könnten die Jugendlichen schon selbst leisten.

"Ich hatte die Stelle gerade im Griff, es lief sehr gut", sagt Jennifer Bernreuther. Unkompliziert ist das bei vier Projektträgern nicht. Die Belange aller Beteiligten unter einen Hut zu bekommen, erfordert einiges an Struktur, wie Dekan Saalfrank sagt. Deshalb sei strukturiertes Arbeiten eine der Grundvoraussetzungen für diese Stelle. Fehlen nur noch die passenden Bewerber.

An einer Stelle, in der es um Prävention geht, lässt sich Erfolg nur schwerlich messen. Jennifer Bernreuther ist davon überzeugt, dass sie in eineinhalb Jahren in Regnitzlosau einiges bewegt hat. Mit Nähe, mit viel Energie und Verständnis für das, was die Jugendlichen brauchen. Wie geht das? "Indem man sich selbst hintanstellt", sagt Bernreuther. Das Engagement wurde mit Vertrauen belohnt, die Jugendlichen vertrauten der 31-Jährigen mitunter ihre tiefsten Gefühle an und offenbarten auch psychische Probleme, wenn vorhanden. Manchmal auch dann, wenn Jennifer Bernreuther schon längst Feierabend gehabt hätte. "In einer solchen Atmosphäre sprechen die Jugendlichen dann wirklich das aus, was sie denken, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, dass es in dem Moment nicht unbedingt angebracht ist", sagt Bernreuther. Und so brechen sich vereinzelt auch Kommentare Bahn, die sich auch als Stammtischparolen beschreiben ließen. "Die Flüchtlinge nehmen uns die Arbeitsplätze weg", "Die stinken doch alle" oder "Die Flüchtlinge liegen uns doch nur auf der Tasche" sind einige der Klassiker in diesem Bereich. Was macht Bernreuther in solchen Fällen? "Ich gehe rüber in mein Büro, recherchiere, wie es wirklich aussieht, und diskutiere mit den Jugendlichen", sagt sie. Der Perspektivwechsel ist ebenfalls ein gern genutztes Mittel. "Stell Dir mal vor, Du ..." Diese Art hat laut Bernreuther Früchte getragen: "Die Jugendlichen haben eine eigene Diskussionskultur entwickelt."

Wie braun die Region vor eineinhalb Jahren gewesen ist und wie braun sie jetzt ist, diese Frage lässt sich kaum adäquat beantworten, findet Jennifer Bernreuther. Nachdem das Haus in Oberprex als Anlaufstelle der Rechten weggefallen ist, hat sich der Fokus der Projektstelle immer weiter hin zur Demokratie-Stärkung denn zum Kampf gegen Rechts bewegt. Mit offen rechten Tendenzen unter den Jugendlichen hatte es Bernreuther in ihrer recht kurzen Zeit in Regnitzlosau nicht zu tun. Allerdings bereiten ihr der generelle Rechtsruck und die wachsende Zustimmung, gerade auch in Rehau und Umgebung, für die AfD Sorgen: "Dadurch werden rechtsextreme Äußerungen wieder salonfähig."

Wie sich diese Situation entwickelt, wird Jennifer Bernreuther aus nächster Nähe beobachten können. Mit ihrem Mann bleibt sie in Regnitzlosau wohnen.

Autor
Patrick Gödde

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Veröffentlicht am:
23. 08. 2019
18:55 Uhr

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Patrick Gödde

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23. 08. 2019
18:55 Uhr



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