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Wirtschaft

3-D-Drucker statt Handraspel

Die Digitalisierung erobert Schritt für Schritt auch das Handwerk. Aber wie funktioniert das konkret? Ein Besuch beim Bayreuther Unternehmen Reha Team.



Alles im Computer: Philipp Hackenschmidt kümmert sich bei Reha Team um Orthesen, Andreas Opel um Einlagen, Gernot Gebauer (von links) ist der Chef. Foto: Andreas Harbach
Alles im Computer: Philipp Hackenschmidt kümmert sich bei Reha Team um Orthesen, Andreas Opel um Einlagen, Gernot Gebauer (von links) ist der Chef. Foto: Andreas Harbach  

Bayreuth - Die Digitalisierung nimmt auch im regionalen Handwerk deutlich Fahrt auf, hat die Handwerskammer nach einer entsprechenden Umfrage unter ihren Mitgliedern gerade erst verkündet. Ein Unternehmen, das dabei schon ziemlich weit ist, ist der Gesundheits-Dienstleister Reha Team mit Sitz in Bayreuth. Er hat auch Standorte unter anderem in Kronach, Münchberg und Coburg.

Das Unternehmen

Reha Team ist ab 1995 schrittweise aus der Fusion der Bayreuther Sanitätshäuser Korunka und Meergrün entstanden, 2006 war der Zusammenschluss endgültig vollzogen. Seit rund fünf Jahren wächst das Unternehmen laut Geschäftsführer Gernot Gebauer stark, vor allem durch die Übernahme von kleineren Mitbewerbern, deren Inhaber meist aus Altersgründen aufhören. Mittlerweile hat die Gruppe 13 Standorte in Oberfranken, Mittelfranken und der Oberpfalz und rund 190 Mitarbeiter, davon knapp 90 in Bayreuth.

Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz des Unternehmens 15 Millionen Euro, Tendenz steigend. Weitere Übernahmen kann sich Gebauer durchaus vorstellen - nicht zuletzt auch, um Fachkräfte zu bekommen und etwa durch eine Zentralfertigung in Bayreuth Synergien zu heben. Die Renditen seien in dem stark regulierten Markt nämlich "nicht exorbitant".

 

Scannen ist eines der Zauberworte. Ob Einlagen, Orthesen, Prothesen oder spezielle Sitzschalen für Rollstühle - überall kommt bei Reha Team heute ein Scanner zum Einsatz. Von denen gibt es in dem Unternehmen gleich mehrere - stationäre wie mobile, die Mitarbeiter zu Patienten mitnehmen können. Füße, Arme, Beine, manchmal sogar der ganze Körper werden so elektronisch abgetastet und die Daten ins eigene Computersystem übertragen. Nur ein Clou, der vor allem für Leistungssportler genutzt wird: Diagnose-Einlagen, mit denen man herumlaufen kann und die die Druckverteilung des Fußes messen. Die Daten gehen per Funktechnik ins System.

 

Die Orthopädietechnik ist der Unternehmensbereich, in dem sich die Digitalisierung vor allem niederschlägt, sagt Geschäftsführer Gernot Gebauer, der gleich betont: "Es geht nicht darum, Mitarbeiter wegzurationalisieren." Vielmehr eröffneten die neuen Techniken die Chance, dem zunehmenden Fachkräftemangel zu begegnen. Außerdem bekämen die Mitarbeiter mehr Zeit für die Kunden.

Sauberer, schneller, genauer - so beschreiben Gebauers Mitarbeiter die Vorteile. Wobei die Handarbeit, also das Handwerk, nicht wegfalle. Anders sei die Arbeit trotzdem. "Man spart sich sehr viel Dreck", beschreibt Michail Thomas die Vorteile. Er ist für Sitzschalen verantwortlich, die vor allem für Kinder angefertigt werden, die dauerhaft im Rollstuhl sitzen müssen. Weil weniger Gipsabdrücke gemacht werden müssen und weniger nachgearbeitet werden muss. Dafür hat sich ein Teil der Arbeit an den Computer verlagert. Hier werden die Produkte jetzt idealerweise so weit elektronisch bearbeitet, bis sie produktionsreif sind.

Was nichts daran ändere, dass die Orthopädietechniker weiterhin ihr besonderes Wissen benötigen. Gernot Gebauer verdeutlicht das an der Herstellung einer Prothese. Hier müsse der Fachmann immer noch feinfühlig und genau Muskulatur, Weichteile und Knochen ertasten, um die Prothese möglichst exakt an den Patienten anpassen zu können. "Früher hat er dann am Gipsmodell hier etwas abgetragen und da etwas dazu modelliert. Heute passiert das am Computer", sagt Gebauer. Die Feinarbeit, also das ganz genaue Anpassen, geschehe dann trotzdem wieder per Hand. Veränderungen sind nicht immer leicht. Es gebe durchaus Mitarbeiter, die sich mit den Neuerungen noch schwertun, gibt der Geschäftsführer des Unternehmens zu. Doch sieht er über kurz oder lang keinen anderen Weg und geht sogar so weit zu sagen: "In spätestens zehn Jahren wird sich unsere Branche grundlegend geändert haben."

Veränderungen, die sich bei Reha Team schon jetzt abzeichnen. So sammelt das Unternehmen mittlerweile auch Erfahrungen im 3-D-Druck. Vor allem Orthesen, aber auch schon Einlagen werden so im Haus angefertigt. Auch mehrere Fräsautomaten hat das Unternehmen. Bei beiden Techniken gehe die Entwicklung rasant voran, sagt Gebauer - und nennt einen entscheidenden Unterschied: "Beim Fräsen wird viel Material abgetragen, beim 3-D-Druck bauen wir etwas auf. Das spart Ressourcen."

Auf Sicht dürften die neuen Techniken auch Geld sparen, zunächst aber kosten sie welches. Gut 140 000 Euro habe Reha Team im vergangenen Jahr hier investiert, dieses Jahr sei es auch schon wieder ein nennenswerter fünfstelliger Betrag. "Man muss da am Ball bleiben, die Entwicklung ist rasant", sagt der Geschäftsführer und sinniert: "Wenn man bedenkt, dass wir vor noch nicht einmal zehn Jahren die erste Fräse angeschafft und vorher vor allem mit Handraspeln gearbeitet haben."

Eine Gefahr sieht Gernot Gebauer durch die Digitalisierung übrigens auch: "Wir müssen aufpassen, dass unser Angebot zumindest in Teilen nicht durch die Industrie ersetzbar wird."

Autor

Stefan Schreibelmayer
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Veröffentlicht am:
21. 08. 2018
19:50 Uhr

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Stefan Schreibelmayer

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21. 08. 2018
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