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Wunsiedel

Viele Brücken in Wunsiedel marode

Sperrung, Sanierung und Abriss: Die Festspielstadt muss schon in nächster Zeit handeln. Allerdings muss niemand wirklich Angst haben.



Die Brücke über den Siechenbach ist derart marode, dass sie die Stadt vorsorglich gesperrt hat. Foto: Matthias Bäumler
Die Brücke über den Siechenbach ist derart marode, dass sie die Stadt vorsorglich gesperrt hat. Foto: Matthias Bäumler  

Wunsiedel - Die Bilder von Genua sind noch immer präsent. Von einer Sekunde auf die andere ist in der italienischen Großstadt eine Autobahnbrücke eingestürzt und hat 43 Menschen in den Tod gerissen. In Wunsiedel wird es sicherlich keine derartige Katastrophe geben - und zwar nicht nur, weil es hier keine Autobahnbrücke gibt. "Wir lassen regelmäßig alle 46 Ingenieurbauwerke prüfen", sagte Stadtbaumeister Klaus Brunner im jüngsten Bauausschuss. Deshalb handle die Stadt lange bevor tatsächlich etwas passiere.

Insgesamt 43 Brücken gibt es im Wunsiedler Stadtgebiet, mehr als die meisten Stadträte geglaubt haben. Dazu kommen noch mehrere sogenannte Ingenieursbauwerke, deren Zustand ebenfalls immer wieder unter die Lupe genommen wird. Dabei handelt es sich um Regenüberlaufbecken oder auch Stützmauern, die höher als 1,50 Meter sind. Externe Fachingenieure begutachten Brücken alle sechs Jahre, Holzkonstruktionen sogar jedes Jahr. Da dies in Deutschland gesetzlich so vorgeschrieben ist, kommen auf die Kommunen regelmäßig hohe Kosten für die Sanierung zu.

Wie Tiefbauingenieur Matthias Kalus in der Sitzung sagte, haben die Wunsiedler Brücken in der jüngsten Prüfungsrunde mit der Durchschnittsnote 2,46 abgeschnitten. Was in der Schule noch als "gut" gilt, ist im Falle von Brückenbauwerken kein Anlass zur Freude. Da die Notenstufen nur von eins bis vier reichen, ist eine 2,46 gerade noch so akzeptabel. Wie Kalus sagte, gibt es allerdings gleich mehrere Ausreißer, bei denen dringend gehandelt werden müsse. Ab einer 3,5 muss eine Brücke gesperrt werden. Vier Bauwerke liegen nur knapp unter dieser Grenze. Nicht mehr betreten werden darf schon seit einigen Wochen die Brücke über den Siechenbach am Ende des Schönlinder Weges. "Vorsicht Lebensgefahr" steht auf einem Schild. Der Zugang ist mit gelb-rot markierten Latten versperrt. "Die Holzstützen stehen in der blanken Erde und sind völlig morsch", berichtet Klaus Brunner. Da das Bauwerk akut einsturzgefährdet ist, hat die Stadt sofort gehandelt.

Viele Wunsiedler werden die Brücke nicht vermissen, führt sie doch mittlerweile in eine sumpfige, von Springkraut bewachsene Wildnis. Mit 40 Metern ist sie jedoch eine der längsten Brücken im Stadtgebiet. Sie ist 1998 von Mitarbeitern einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme gebaut worden, da hier bis vor einigen Jahren ein Naturlehrpfad durchführte. Diesen gibt es jedoch nicht mehr. Einzig die Holzbrücke ist noch vorhanden.

Weit bedeutsamer ist die Zollbrücke über die Röslau zwischen der Straße Am Kreuzfall und der Luisenburgstraße. Auf den ersten Blick wirkt die Fußgängerbrücke nach wie vor vertrauenswürdig, mit einer Note von 3,4 ist ihr Zustand allerdings mehr als kritisch. "Von unten sieht man, dass die Bewehrung des Betons frei liegt. Auch die Geländer sind zum Teil stark an- und zum Teil durchgerostet", sagt Kalus. Dazu kämen Stolperfallen und das zu niedrige Geländer. "Wenn sich ein Radfahrer anlehnt, kann er wegen des erhöhten Schwerpunktes darüberfallen." Stadtbaumeister Brunner befürchtet, dass schon ein strenger Winter genüge, und die Stadt müsse die Brücke sperren.

Obwohl sie nur für Fußgänger ausgelegt ist, hat die Brücke vor rund 20 Jahren einige Berühmtheit erlangt, als ein Autofahrer dank ihr vor der Polizei fliehen konnte. Angesichts der geringen Breite der Brücke muss die Flucht hollywoodreif gewesen sein. Die Beamten mussten die Verfolgung aufgeben.

Da die Widerlager noch tadellos sind, schlug Kalus vor, den Übergang aus Stahlbeton abzureißen und ihn aus Aluminium oder Holz wieder aufzubauen. Die Kosten dafür bezifferte der Tiefbauer auf geschätzt rund 241 000 Euro.

Auf seine bereits vor zwölf Jahren eingebrachte Anregung verwies Roland Schöffel (Freie Wähler). "Ich hatte damals ein Projekt gemeinsam mit der Steinfachschule angeregt, die alte Zollbrücke in ihrer historischen Form des 18. Jahrhunderts wieder aufzubauen." Alte Ansichten zeigen, dass sie ähnlich aussah wie die große Brücke in Lorenzreuth. "Wenn dabei ausschließlich alte Handwerkskünste angewandt würden, hätte dies Charme. Guédelon lässt grüßen", sagte Roland Schöffel. Im französischen Guédelon stellen sich 50 Handwerker der Herausforderung, eine Burg zu bauen und zwar ausschließlich mit den Materialien, die im Mittelalter verwendet wurden.

Keine Chance gibt es für die Fußgängerbrücke über die Röslau in der Luisenburgstraße am Eisweiher. Sie ist zum einen nicht barrierefrei und zum anderen völlig marode. "Eigentlich wird der Holzsteg hauptsächlich von Tennisspielern genutzt. Aber seit dem Ende der Ära Boris Becker gibt es sicherlich immer weniger Spieler", vermutete Bürgermeister Karl-Willi Beck. Dem stimmte Roland Schöffel zu. "Der VfL hat gerade mal noch zwei aktive Tennismannschaften." Außerdem könnten die Spieler die Röslaubrücken am Schwimmbadweg und die Zollbrücke nutzen. Da ein Neubau auf 125 000 Euro veranschlagt ist, befürwortete der Ausschuss den Abriss.

Dass es an der Einfahrt zur VdK-Geschäftsstelle am Ludwig-Hacker-Platz überhaupt eine Brücke gibt, fällt auf den ersten Blick nicht auf. Sie führt über den Mühlbach. Mit der Note 3,3 ist sie ebenfalls in einem bedenklichen Zustand. Tiefbauer Matthias Kalus schlägt daher vor, sie für eine Last von maximal sechs Tonnen zu sperren und die nicht mehr zulässigen Geländer zu erneuern. Dies würde 5000 Euro kosten. Die Mitglieder des Bauausschusses hielten dies für eine gute Lösung.

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Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
09. 09. 2018
16:48 Uhr

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Matthias Bäumler

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09. 09. 2018
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