Luisenburg fehlt Publikum Sag’ mir, wo die Zuschauer sind

So leer war es zwar während der Vorstellungen nie, aber Luisenburg-Chefin Birgit Simmler hätte sich in dieser Saison durchaus mehr Zuschauer gewünscht. Foto: Florian Miedl

101 605 Besucher zählen die Luisenburg-Festspiele Wunsiedel in dieser Saison. Das ist mehr als im Corona-Jahr 2021, aber fast ein Drittel weniger als vorher.

Ist das Theater halb leer oder halb voll? Der Rückblick auf die LuisenburgSaison lässt unterschiedliche Interpretationen zu. „Der kaufmännische Theaterleiter André Zaus ist stolz, dass die Luisenburg-Festspiele die Hälfte des bei Corona fehlenden Publikums zurückgewonnen haben. Die andre Hälfte bekommen wir auch wieder!“ So deuten die Verantwortlichen um die künstlerische Leiterin Birgit Simmler in einer Pressemitteilung die Statistik .

Am Donnerstagabend in Wunsiedler Stadtrat hat Zaus die Zahlen vorgelegt, obwohl er an der Spielzeit-Planung noch nicht beteiligt war. Denn der kaufmännischer Leiter wechselte erst im April vom Selber Porzellanikon an die Wunsiedler Luisenburg.

150 000er-Marke öfter geknackt

101 605 Besucher zählt die Freilichtbühne Zaus zufolge in dieser Saison. Freilich: Verglichen mit der Corona-Saison 2021, als es nur 60 038 Zuschauer gab, haben die Festspiele ordentlich zugelegt. Wer allerdings die aktuellen Besucherzahlen mit denen der Vor-Corona-Jahre vergleicht, stellt fest, dass der Kartenverkauf um fast ein Drittel gesunken ist. 2019 besuchten 148 499 Gäste die Festspiele, in den Jahren davor knackte das Freilichttheater öfter die 150 000er-Marke.

„Die Festspiele bleiben mit deutlichem Abstand an der Spitze der deutschen Freilichtbühnen mit Repertoirebetrieb. Die Auslastung liegt mit durchschnittlich 63 Prozent über dem bundesdeutschen Schnitt für Theater“, texten die Luisenburg-Verantwortlichen frohgemut – allerdings ohne dies genauer zu belegen.

Rückgang selbst bei Wagnerfestspielen

Aus dem Zahlenvergleich der Festspielorte, den Zaus im Wunsiedler Stadtrat präsentierte, geht lediglich hervor, dass Hanau mit 49 Prozent Auslastung im Jahr 2022 noch schlechter dasteht als Wunsiedel, während die Auslastung in Bad Hersfeld mit 71 Prozent und in Bayreuth mit 89 Prozent angegeben wird. Signifikant für diese Saison sei, dass man selbst für die sonst Monate im Voraus ausgebuchten Wagner-Festspiele in Bayreuth noch problemlos Karten bekam, argumentierte der kaufmännische Leiter.

Publikum will Entertainment

Entertainment sei genau das, was sich ein von Corona und Kriegswirren gebeuteltes Publikum wünsche: Das zeige der Luisenburg-Renner der Saison, die Eigenproduktion „Sister Act“ mit 38 073 Besuchern in 23 Musical-Vorstellungen, was laut Zaus einer Auslastung von 90 Prozent entspricht. In der Hitliste folgt auf Platz zwei die siebenmal aufgeführte Gastspiel-Operette „Land des Lächelns“ mit 86 Prozent Auslastung. Bekanntlich buchte der VdK zwei komplette Vorstellungen, erklärte Zaus.

Eröffnungsstück „Amadeus“ floppt

„Leider gering“ sei das Interesse am Eröffnungsstück „Amadeus“ gewesen. Nur auf 30 Prozent Auslastung komme man bei den neun Vorstellungen. Auch das Kleinkunst-Programm im Museumshof zeige sehr deutliche Verluste, sagte erklärt der kaufmännische Leiter. Immerhin zu 61 Prozent gefüllt war der Zuschauerraum bei den Konzerten. „Der Star“ sei Chris de Burgh: 3631 Fans wollten den Sänger in zwei ausverkauften Vorstellungen auf der Luisenburg erleben. „Silly“ stieß hingegen mit nur 342 verkauften Karten auf das geringste Interesse.

Unterhaltungs-Wunsch „beobachten“

„Ich weiß, dass Rufe nach dem Volksstück und dem Klassiker da sind. Aber wenn der Klassiker nur zu 30 Prozent angenommen wird, dann müssen wir uns Gedanken machen“, betonte Zaus im Stadtrat. Wichtig sei zu beobachten, ob der Wunsch nach Unterhaltung weiter so großen Raum einnehme.

Stadtrat debattiert nicht öffentlich

Um „Kalamitäten vorzubeugen“, habe man den neuen Spielplan auf Empfehlung der Festspielleitung „sehr klug aufgestellt“, kommentierte Bürgermeister Nicolas Lahovnik die Zahlen. „Die nächste Saison ist durch – wir sind alle gespannt darauf“, ergänzte Stadtrat German Schlaug (Bunte Liste). Doch leichte Stoffe allein könnten es auf Dauer nicht sein. „Akut wichtig“ sei, sich perspektivisch Gedanken zu machen, forderte Schlaug. Allerdings nicht in der Öffentlichkeit, sondern im Nachgang. Denn die Zahlen seien „interpretationswürdig“.

In diese Interpretation stiegen allerdings weder Schlaug, der Bürgermeister noch andere Sitzungsteilnehmer ein. Sie nahmen die Besucherzahlen kommentarlos zur Kenntnis. Das Schweigen der Stadträte.

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