Oberkotzau Kulturwoche sprengt alle Rekorde

Andreas Rau, Frank Mertel, Stephan Pampel
Lemon Tree und Co.: Fools Garden nimmt die Gäste – leider verhältnismäßig wenige – mit auf eine Reise durch Hits aus elf erfolgreichen Alben. Foto: Andreas Rau

Musikgenuss pur, Comic-Art mit Message oder Jugendspektakel mit Theater und Spaß-Parcours: Die Kulturwoche Oberkotzau entzückt und begeistert die Besucher.

Die Kulturwoche Oberkotzau ist am Wochenende zu Ende gegangen: mit einer Vielzahl an Veranstaltungen, die die Menschen anzogen und faszinierten.

Einen musikalischen Hochgenuss gab es am Freitagabend, allerdings für weniger Zuhörer als erhofft. Ein Höhepunkt war das Doppelkonzert mit der Band Blind Date aus Hof im Vorporgramm und der bekannten  Band Fools Garden aus Pforzheim in der Saaletalhalle:  Der Top Act war einer Einladung bei ihrem ersten Besuch in der Marktgemeinde im Fernwehpark vom vergangenen Jahr gefolgt.
Den Auftakt des Abends machte die Band Blind Date rund um den Hofer Sänger und Schlagzeuger Maertel Monroe. Es gab Rock-Klassiker der 70er und 80er von der sechsköpfigen Band um die Ohren. Bereits nach den ersten Titeln sprang der Funke zum Publikum über. Spätestens beim Queen-Klassiker „Radio Gaga“  gab es kein Halten mehr und es wurde eifrig mitgesungen und geklatscht.  
Danach kam Fools Garden: In rotem Licht und von Nebel eingehüllt standen auf einmal ganz unbemerkt zwei Musiker auf der Bühne. Sanft klingende Töne machten sich in der Sporthalle breit. So kommen nach und nach die rund 150 Gäste wieder zurück auf ihre Plätze. Aus dem Hintergrund gesellte sich Frontmann Peter Freudentaler nach dem Intro zu seinen Musikern. So war es ein Leichtes für den sympathischen Frontmann, die Gäste mitzureißen. Die  positive Stimmung blieb hängen, und schon wurden alle Gäste animiert, beiden früheren Hits mitzumachen.  

Streetart mit Nils Oskamp

Nils Oskamp ist Illustrator und Comic-Autor. Mit seinem Talent hat er als Grafiker und Art-Director zahlreiche namhafte Kunden betreut und Design-Preise erhalten. Doch seine Mission ist eine andere: Oskamp kämpft gegen Nazis – und das kommt nicht von Ungefähr. Als ein Mitschüler an seiner Dortmunder Realschule in einer Geschichtsstunde den Holocaust leugnet, sagt er ihm klar seine Meinung und zieht damit den Zorn der örtlichen rechtsradikalen Szene auf sich. Er ist damals 13 Jahre alt, als er von Nazis  brutal zusammengeschlagen wird. Auch mit Siegfried Borchard, genannt „SS-Sigi“, macht er gewaltsame Bekanntschaft. Der inzwischen verstorbene Hooligan und Nazi gelangte zu trauriger Berühmtheit, weil er 2014 ein Mandat für eine rechte Partei im Stadtrat der Stadt Dortmund errang.

Nils Oskamp hat seine Geschichte aufgeschrieben und -gezeichnet. 2016 erschien der Comic-Band „Drei Steine“,  in dem er seine Zeit als Jugendlicher beschreibt. Ein „Flashback“ in kühlen grau-blauen Farben. Auf dem Cover zeichnet er sich selbst, wie er zusammengeschlagen auf dem Boden einer Schultoilette liegt. Mit seinem Buch will er Jugendliche erreichen und sie stark machen gegen Rechts. Aber er ist auch vor Ort tätig. Der in Hamburg lebende Künstler engagiert sich im Bündnis „Wunsiedel ist bunt“ und ist mit Lesungen und Graffiti-Aktionen bundesweit an Schulen präsent. 2018 organisierte er eine Ausstellung zu seinem Comic-Band im Schwarzenbacher Erika-Fuchs-Haus.

An diesem Freitagnachmittag war er im Bürgerhaus  zu Gast und grundierte eine Wand mit einem  leuchtenden Orange. Er ludt Jugendliche ein, ihm bei seinem Graffiti zu helfen. Mit Hilfe von Schablonen sprayten die Teenager mehrere Farbschichten auf die Wand. Als die Gesichter von Hans und Sophie Scholl und Anne Frank zum Vorschein kamen, erzählte er ihre Geschichte. Eine Geschichte von jungen Menschen, die ihre Stimme gegen Rechts fanden und dafür mit ihrem Leben bezahlen mussten.

Zorbing und Co.

Jugend - Spektakel im Summapark: Am  Samstag kamen vor allem die Kleinen auf ihre Kosten. Mit Zorbing-Bällen, Gleichgewichts-Rennen für Familien oder Fotobox mit Accessoires: Für Familien ist einiges geboten gewesen am Summapark. Während die Feuerwehr ihre Löscharbeiten  vorführte, wurden im Schminkzelt Kinder zu Prinzessinnen, Drachen und Dinosauriern. Auch das Jugendparlament und die  Theatergruppe Förbau waren   vertreten und sorgten für jede Menge Spaß bei sonnigem Wetter.

 

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