Frankenwaldbrücken Die neue Kostenschätzung ist da

Blick von der Lohbachtalbrücke auf die Burg Lichtenberg. So stellt sich das Ingenieurbüro das Bauwerk vor. Foto: schlaich bergermann partner

Die Mitglieder des Kreisausschusses erhielten am Freitag nichtöffentlich neue Informationen zum Tourismus-Projekt im Frankenwald.

Die geplanten Fußgängerhängebrücken im Frankenwald werden nach Informationen unserer Zeitung doppelt so teuer wie zuletzt geplant. Am Freitag tagten die Mitglieder des Kreisausschusses nichtöffentlich und erhielten von Landrat Oliver Bär (CSU) die neuesten Zahlen, die an diesem Freitag öffentlich vorgestellt werden sollen.

Demnach werden die beiden Brücken, die eine Gesamtlänge von 1400 Metern haben werden, nach aktuellem Stand gut 41 Millionen Euro kosten. Zu Beginn des Projektes vor sechs Jahren ging man von zwölf Millionen Euro aus. Seit 2019 stand eine Kostenberechnung von 22 Millionen Euro.

Landrat Bär erklärt auf Nachfrage, woher die Kostensteigerung rührt. Die allgemeine Baukostenentwicklung schlage mit 8,1 Millionen Euro zu Buche. 5,8 Millionen Euro seien nach dem Bauleitplanverfahren aufgelaufen. Mehr als 100 Einwände hatte es nach der ersten und zweiten Auslegung der Planungsunterlagen gegeben. Vor allem beim Naturschutz (gut eine Million Euro) und der Verkehrssicherheit (fast vier Millionen Euro) im Umfeld der Brücken justiere der Landkreis nach.

Ein bisschen Hoffnung macht dem Landrat derzeit die Entwicklung am Stahlmarkt. Als mit der Fortschreibung der Kosten im August begonnen wurde, habe der Stahlpreis bei gut 1000 Euro gelegen, erklärt Bär. Vor dem Kriegsausbruch in der Ukraine lag er bei unter 600 Euro pro Tonne. Aktuell liege der Preis wieder zwischen 700 und 800 Euro. Die 4,5 Millionen Euro Mehrkosten für diesen Posten sind also stark schwankend.

Bär räumt unumwunden ein, dass die neue Kalkulation ihn nicht freue. Die Entwicklung in der Baubranche habe diese aber angedeutet. „Meine Aufgabe ist nun, immer wieder nachzufragen, wo Kosten verringert werden können“, sagt Bär.

Der Landkreis geht derzeit von 70 Prozent Förderung auf die förderfähigen Kosten aus. Das Geld dafür kommt aus dem sogenannten RÖFE-Topf (Richtlinien zur Förderung von öffentlichen touristischen Infrastruktureinrichtungen) des Freistaates Bayern. Die Unterstützung hatte der Ministerrat bereits vor Jahren zugesagt. Einen Beschluss gibt es noch nicht.

Umweltminister Thorsten Glauber aus Forchheim und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hatten sich im August 2020 ebenfalls für das Projekt stark gemacht. Glauber (Freie Wähler), selbst Architekt, attestierte den Planern viel Detailtreue in der Ausarbeitung. Aiwanger, der sich bei seinem Besuch auf der Burg ziemlich vergnügte, hob dagegen auch den Zeigefinger. Er wolle irgendwann nicht wiederkommen und von einer Verdopplung der Kosten hören, sagt der Herr über den Fördertopf.

Der Hofer Landrat verfolgt auch mit der neuen Berechnung den Plan, die Brücken ohne Belastung des Kreishaushalts zu realisieren. Derzeit gingen er und sein Planungsteam im Businessplan „vorsichtig“, so Bär, von gut 150 000 Besuchern im Jahr aus. Mit Förderungen, Zuwendungen und Eintrittsgeldern solle sich das Projekt selbst tragen.

Zum Vergleich: Die Geierley-Hängebrücke im Hunsrück habe acht Jahre nach ihrer Eröffnung in diesem Jahr die Marke von zwei Millionen Besuchern geknackt. Über den Eintrittspreis sei noch nicht gesprochen worden. Dieser ergebe sich mit dem Baufortschritt und den endgültigen Kosten.

Für die Finanzierung rechnet Bär außerdem mit einer großzügigen Unterstützung mehrerer Stiftungen. Er spüre vielerorts das Interesse an dem Bauprojekt. Das größte Tourismusprojekt in der Geschichte des Landkreises bezeichnet er immer noch als „herausragend mit einer großen Anziehungskraft“. Immer wieder stünden Investoren bei ihm und würden ihn ermutigen, die Planungen weiter voranzutreiben. Medial seien die Frankenwaldbrücken für die Region schon jetzt ein Erfolg. Er sei davon überzeugt, gerade in der jetzigen schwierigen Weltlage zielgerichtet in die Zukunft zu schauen und Werte zu schaffen.

Die Fraktion aus SPD und Aktive Landkreisbürger (ALB) sowie die Grünen äußerten sich auf telefonische und schriftliche Anfrage bislang nicht zur Kostensteigerung.

Kritiker des Projektes befürchteten in den zurückliegenden Monaten eine Kostenexplosion. Naturschützer- und Genießer sprechen sich gleichermaßen für sanften Tourismus in der Region aus, nicht nur wegen der Tier- und Pflanzenwelt in dem Gebiet, sondern auch, weil die Menschen Ruhe bräuchten statt „einen Freizeitpark“ in bislang nahezu unberührter Natur, wie Stefan Pfeiffer aus Issigau das Vorhaben immer wieder nennt. Pfeiffer, möglicher direkter Nachbar der Brücken, ist Frontmann der größten Gegenbewegung, der „Initiative Höllental“, die mit Plakaten und anderen Aktionen immer wieder ihren Unmut geäußert hatte. Im Frühjahr 2019 rechneten die 1700 Unterstützer mit „ausufernden Kosten in Richtung 30 Millionen Euro“.

Im Frühjahr soll das Bauleitplanverfahren für die Frankenwaldbrücken abgeschlossen sein, im weiteren Jahresverlauf der Bauantrag eingereicht und die Förderanträge gestellt werden. Im Herbst 2023 könnte der Kreistag einen Grundsatzbeschluss über den Bau der Brücken treffen. Ist die Brücke gewollt, rechnet Bär mit gut eineinhalb Jahren, die für Vergabe der Arbeiten und weitere Ausführungsprozesse nötig sind. Mit dem Bau könnte also frühestens im Frühjahr 2025 begonnen werden. Für die Bauphase, erklärt Bär, seien zwei Jahre eingeplant. Damit würden ziemlich exakt zehn Jahre nach dem Planungsbeschluss des Kreistags (Juni 2017) und zwei erfolgreichen Bürgerentscheiden in Issigau und Lichtenberg die ersten Besucher über die Brücken gehen.

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